Baden
@baden.ch - Stadt lässt kostenlose Mailadressen aller Einwohner löschen

Mailadressen mit der Endung «@baden.ch» sollen künftig den Behörden und nicht mehr der Bevölkerung zur Verfügung stehen. Die Adresse wurde öfters auf problematischen Websites missbraucht. Die Einwohner fordern eine Übergangslösung.

Martin Rupf
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Die Einwohner von Baden müssen in Zukunft auf ihre E-Mail-Adresse «@baden.ch» verzichten.

Die Einwohner von Baden müssen in Zukunft auf ihre E-Mail-Adresse «@baden.ch» verzichten.

Keystone

Diese Woche haben rund 2000 Personen aus Baden und Region wenig erfreuliche Post erhalten.

In einem Schreiben teilte die Stadt Baden mit, sie stelle auf Ende März ihren kostenlosen Maildienst ein. 1950 Personen, die heute eine Mailadresse mit «@baden.ch» haben, können diese ab dem 1. April 2014 nicht mehr benutzen.

Seit über zehn Jahren ermöglicht die Stadt die Nutzung dieser Mailadresse im Rahmen eines Freemail-Dienstes. Seit 2011 wurden aber keine neuen Nutzer registriert, da die Grenze von 2000 lizenzierten Adressen erreicht wurde.

Als Gründe für die Auflösung nennt Daniel Stoeri, Leiter Informatik bei der Stadt Baden: «Es ist leider vorgekommen, dass die «@baden.ch»-Adresse missbraucht wurde, um sich auf problematischen Websites zu registrieren.»

Vor allem sei es aber auch zu Verwechslungen gekommen mit Mailadressen der Mitarbeitenden der Stadt. Diese verwenden heute Adressen, die mit «@baden.ag.ch» enden. Nach Ablösung des Freemail-Dienstes werde die Verwaltung ihrerseits auf die «@baden.ch»-Mailadressen wechseln können, führt Stoeri weiter aus.

Die 1950 betroffenen Personen haben bis Ende März Zeit, ihren Kontakten mitzuteilen, dass sie ab April unter der alten Adresse nicht mehr erreichbar sind. «Gleichzeitig haben wir den Betroffenen eine Anleitung geschickt, wie sie ihre gespeicherten Daten und Inhalte auf eine neue Mailadresse transferieren können», sagt Stoeri.

Übergangslösung gefordert

Stoeri ist sich bewusst, dass die Auflösung des E-Mail-Accounts nicht wenigen Benutzern schwerfallen wird. «Wir nehmen den Benutzern nicht gerne etwas weg. Nicht zuletzt, weil viele mit der Mailadresse ihre Verbundenheit mit der Stadt Baden zum Ausdruck gebracht haben.»

Tatsächlich liessen die Reaktionen nicht lange auf sich warten. Im Grundsatz wird zwar Verständnis für den Entscheid der Stadt aufgebracht. Umso mehr werden aber die Frist und das Fehlen einer Übergangslösung kritisiert.

«Diese ist extrem kurz bemessen», sagt etwa Sander Mallien aus Baden. Er könne nicht verstehen, weshalb die Benutzer erst jetzt informiert worden seien, habe die Stadt die Auflösung des E-Mail-Dienstes doch schon seit Mitte 2012 geplant.

Daniel Stoeri sagt: «Es stimmt, dass wir die Auflösung im Zusammenhang mit dem neu geplanten Web-Auftritt der Stadt Baden schon vor längerer Zeit aufgegleist haben.»

Die Information sei zeitnah erfolgt, weil man der Meinung gewesen sei, eine Frist von zwei Monaten reiche aus, um den Account zu transferieren und das Umfeld zu informieren. Stoeri: «Auch mit einer längeren Frist könnten wir die Enttäuschung von manchen vermutlich nicht mindern.»

Mallien stört sich nicht nur an der kurzen Frist. «Ich benutze die Mailadresse seit mehr als zehn Jahren und sie ist für mich eine Notfallbox für unzählige Applikationen.» Es sei ihm nicht möglich, innerhalb der Frist alle Absender von Mails zu eruieren und zu informieren.

«Vor diesem Hintergrund wünschte ich mir, dass ab dem 1. April eingehende Mails wenigstens an meine neue Mailadresse weitergeleitet werden», so Mallien. Doch die Stadt hat eine solche Funktion nicht vorgesehen. Stoeri: «Es gibt keine Übergangslösung. Aufgrund der Rückmeldungen machen wir uns aber nochmals Gedanken, ob es möglich wäre, ab dem 1. April für eine bestimmte Zeit einen Mail-Weiterleitungsservice anzubieten.»