Baden
Corona kostet die Stadt 2 Millionen – aber die Unternehmenssteuern sprudeln wieder

Baden hat die Pandemie bisher gut überstanden: Die Jahresrechnung 2020 schliesst mit einem überraschend grossen Plus von 11,8 Millionen Franken. Hauptgrund: Steuereinnahmen so hoch wie zuletzt vor einem Jahrzehnt. Auch für 2021 ist der Stadtammann zuversichtlich, der eben erst Kontakt mit General Electric und ABB hatte.

Pirmin Kramer
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Der ABB Power Tower an der Bruggerstrasse in Baden.

Der ABB Power Tower an der Bruggerstrasse in Baden.

Severin Bigler / BAD


Die fetten Jahre in Baden sind vorbei, hiess es vor sieben Jahren. Die Steuereinnahmen der juristischen Personen, also der Unternehmen, waren eingebrochen. Statt wie einst 30 Millionen Franken steuerten die Firmen noch halb so viel bei. Die damalige Stadtregierung um Geri Müller (Grüne) zeichnete ein düsteres Bild, rechnete mit weiteren Rückgängen und forderte (ohne Erfolg) eine Steuererhöhung.

Doch das Schreckensszenario ist nicht eingetroffen, wie die vergangenen Jahre gezeigt haben. Im 2020 hat die Stadt Baden nun gar einen so hohen Steuerertrag verzeichnet wie seit 2011 nicht mehr: 90 Millionen Franken insgesamt flossen in die Stadtkasse. Der Aktiensteuerertrag beläuft sich auf 21,04 Millionen Franken, rund 17 Prozent mehr als budgetiert und fast 2 Millionen Franken mehr als im Vorjahr.

Unter dem Strich resultierte beim operativen Ergebnis 2020 ein Überschuss von 11,8 Millionen Franken. Das Plus ist somit praktisch gleich hoch wie 2019 und rund 4,6 Millionen Franken besser als budgetiert.

Stadtammann Markus Schneider.

Stadtammann Markus Schneider.

Stadtammann Markus Schneider (Die Mitte) spricht von einem «guten Ergebnis in einem schwierigen Jahr». Denn Corona wirkte sich – wenn auch nicht bei den Steuereinnahmen – negativ auf das Ergebnis aus: 2,05 Millionen kostete die Pandemie die Stadt. Konkret hatte Baden Mindereinnahmen plus Mehrausgaben in dieser Höhe zu verkraften, welche direkt auf Corona zurückzuführen waren. Betroffen war insbesondere die Abteilung Immobilien: Mit 1,3 Millionen Franken schlug Corona hier durch – wegen Mindereinnahmen bei Parkplätzen und beim Terrassenbad sowie des Einnahmeverzichts im Zusammenhang mit dem «Badener Modell», das Unternehmen und Beizen unterstützt. Aber auch die Anschaffung von Schutz- und Hygienematerial, die fehlenden Einnahmen wegen der Schliessung der Museen, der Bibliothek und des Kunstraums sowie der Ausfall von Stadtführungen wirkten sich aus.

Dennoch resultierte per Ende Jahr ein Überschuss. Markus Schneider:

«Wir können als Stadt und Verwaltung stolz sein."

Natürlich habe man von höheren Steuereinnahmen profitiert. «Aber diese generiert man nur, wenn man als Stadt attraktiv ist, wenn man den Kontakt zu den Betrieben fördert, wenn man Standortmarketing betreibt. Da sind wir sehr gut unterwegs, und wir werden es hoffentlich auch 2021 sein.»

Apropos 2021: Wird Corona erst in diese Jahr einen negativen Einfluss auf die Steuereinnahmen haben? Auch diesbezüglich gibt sich Schneider zuversichtlich. «Wir haben für das Jahr 2021 weniger Steuereinnahmen budgetiert. Wir müssen grundsätzlich damit rechnen, dass gewisse Rückschläge passieren könnten. Wir glauben allerdings Stand jetzt, dass wir das Budget einhalten können.» Firmen auf Kurs – «hatte gestern GE am Draht» Dies auch, weil die grossen Unternehmen in Baden offenbar gut unterwegs sind: Die Grundstimmung sei positiv, sagt Markus Schneider. «Ich hatte gestern General Electric am Draht, traf kürzlich auch Robert Itschner, Vorsitzender der Geschäftsleitung von ABB Schweiz. Ihre Auftragsbücher sind voll», berichtet der Stadtammann. «Die Firmen sind aber darauf angewiesen, dass sie wieder Auslandbeziehungen pflegen können.» Für die international tätigen Firmen seien Impfungen ein wichtiges Thema, damit wieder ein besserer Austausch mit dem Ausland möglich werde, sagte Markus Schneider.