Baden
«Dann braucht es keine Gender-Sternchen»: Lea Grossmann spricht am Frauenanlass der Raiffeisen Lägern-Baregg

Die Raiffeisenbank Lägern-Baregg führte zum achten Mal den Frauenanlass in Baden durch. Zu Gast: Lea Grossmann. Sie sprach über Respekt, Toleranz und Gleichberechtigung.

Aargauer Zeitung
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Referentin Lea Grossmann (links) mit Sabine Hurni, Mitglied des Verwaltungsrats der Raiffeisenbank Lägern-Baregg.

Referentin Lea Grossmann (links) mit Sabine Hurni, Mitglied des Verwaltungsrats der Raiffeisenbank Lägern-Baregg.

zvg / Raiffeisenbank / FOTO Wagner

Sabine Hurni, Mitglied des Verwaltungsrats der Raiffeisenbank Lägern-Baregg, begrüsste rund 75 Frauen im Gartensaal der Villa Boveri. «Es ist schön, dass sie hier sind. An diesem schönen Ort. Es ist jedes Jahr ein spezieller und erlebnisreicher Anlass, auf den wir uns auch seitens Raiffeisenbank immer sehr freuen», sagt Hurni.

Sie ergänzte laut einer Medienmitteilung: Nähe sei für die Raiffeisenbank stets ein wichtiges Thema und im Zuge der Digitalisierung und Automatisierung eine grosse Herausforderung. Dieser Anlass schaffe Nähe und wecke gleichzeitig Emotionen.

Die Lenzburgerin Lea Grossmann hat nach 17 Jahren der Bankenwelt den Rücken gekehrt und wechselte in den Marketing-Bereich. Heute ist sie selbstständige Unternehmerin und bietet kleinen und mittleren Unternehmungen Content Marketing und weitere Dienstleistungen im Bereich der Kommunikation an.

Daneben schreibt sie Kurzgeschichten, die sie in ihrem Buch «Das Leben. Mit dem hast du nicht gerechnet.» veröffentlicht hat, und Kolumnen für verschiedene Wochenzeitungen. Ihre Texte regen zum Nachdenken oder einfach zum Schmunzeln an. Lea Grossmann startete ihr Referat mit dem Zitat des französischen Schriftstellers und Philosophen Voltaire: «In einer irrsinnigen Welt vernünftig sein zu wollen, ist schon wieder ein Irrsinn für sich».

Die Sprache solle sich der Gesellschaft anpassen

Kurzweilige 40 Minuten sprach Grossmann über die aktuelle Gender-Debatte und deren Sternchen, die Woke-Bewegung und kulturelle Aneignung. Zwischendurch waren die anwesenden Frauen gefragt: Mittels Onlineabstimmungen stimmten sie über verschiedenen Fragen ab. Die Resultate wurden live gezeigt und von der Referentin aufgenommen und kommentiert.

«Wenn wir allen Menschen mit Respekt, Toleranz und Gleichberechtigung begegnen, braucht es keine Gender-Sternchen. Die Sprache ist nur etwas Oberflächliches, das keine substanziellen Ungerechtigkeiten auf der Welt beseitigt», so Grossmann zur Gender-Debatte. Dass sich eine Sprache verändere und sich der Gesellschaft anpasse, sei in Ordnung, doch werden aktuell Forderungen von Minderheiten gestellt, die ihr zu weit gehen.

Für mehr Humor und weniger Verbissenheit

Zu weit geht ihr auch die Woke-Bewegung, die fixiert sei auf Moral und dem Streben nach Perfektion. «Diese Verbissenheit lässt keinen Humor zu. Immer mehr Regeln entziehen den Freiraum. Dieses moralistische System unterdrückt Spontanität», meinte Grossmann, bevor sie überleitete zum Begriff «kulturelle Aneignung». «Eine Debatte, die wir uns in der Schweiz ironischerweise angeeignet haben», schmunzelte Grossmann. Denn die Debatte stamme ursprünglich aus den USA.

Am meisten fehle ihr der Humor in all diesen Debatten. Die Diskussionen seien verbissen, so das Fazit von Grossmann und zeigte am Schluss ein Bild des Online-Satiremagazins «Der Postillion». «Jetzt wir’s kompliziert. Winnetou fordert ein Layla-Verbot». Mit dem sei alles gesagt.

Natürlich gingen die Diskussionen in der Villa Boveri auch während des Apéros weiter. Ein toller Abend, der zu interessanten Denkanstössen und zum Schmunzeln anregte.