Baden
Das erste Eis am Stiel aus original Badener Thermalwasser

Bis zum 29. Mai werden die historischen Badekammern im ehemaligen Badegasthof Raben in Baden mit der performativen Ausstellung «The Touch Of Things» bespielt.

Ursula Burgherr
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Die Ausstellungs-Kuratorinnen Manuela Luterbacher (l.) und Kathrin Doppler.

Die Ausstellungs-Kuratorinnen Manuela Luterbacher (l.) und Kathrin Doppler.

Bild: Lea Huser

Die drei von Bagni Popolari installierten Thermalwasserwannen in Ennetbaden erweisen sich als absoluter Publikumsrenner. Nun kommt auch wieder Leben in den vis-à-vis gelegenen Badener «Raben» (Schweizerhof), der nach dem Kunstfestival Flow vergangenen November seine Tore schloss.

«The Touch Of Things» heisst die neue Ausstellung, die in zwei Zyklen im Frühling und Herbst stattfindet und insgesamt über 20 Kunstschaffende präsentiert. «Der Titel spielt auf körperliche Nähe, Berührung und Intimität an, die in Coronazeiten oft fehlen und für alle eine ganz neue Bedeutung gewonnen haben», meinen die Kuratorinnen Kathrin Doppler vom Verein Bagni Popolari und Manuela Luterbacher vom Künstlerkollektiv Performperform.

Alles dreht sich im Kreis – der «Whirlpool of Fairy Tales» mit Kinderspielzeug von Luca Harlacher.

Alles dreht sich im Kreis – der «Whirlpool of Fairy Tales» mit Kinderspielzeug von Luca Harlacher.

Ursula Burgherr

Sie stehen dabei mit Mundschutz und Flipflops in einer der kleinsten Badekammern, wo alte Filme mit Menschenmassen über die Leinwand flimmern, die sich im Wasser tummeln. Heute ist das kaum mehr vorstellbar.

«Bagno Popolare zieht weite Kreise über die Region hinaus»

Über 60 Bewerbungsdossiers von Kunstschaffenden aus dem In- und Ausland seien auf die Ausschreibung eingegangen. «Das Projekt Bagno Popolare zieht bereits weite Kreise über die Region hinaus», freuen sich die beiden Frauen. Originell bis befremdend sind die Werke und Installationen, die bis zum 29. Mai 2021 zu sehen sind und alle exklusiv für die verschiedenen Badekammern und verwinkelten Gänge entworfen wurden.

Herzstück bleibt das grosse Hauptbecken, das von den Bagni Popolari in Reminiszenz an die Römerzeit nachgebaut wurde. Dort sprudelt zwar Thermalwasser, gebadet werden darf aber noch nicht. «Wenn die Coronabestimmungen gelockert werden, können sich hier die Leute wieder im warmen Nass aalen und gleichzeitig Kunst geniessen», sagt Doppler.

Wieder zum Kind werden im Plastikbällebad von Reto Lingg.

Wieder zum Kind werden im Plastikbällebad von Reto Lingg.

Ursula Burgherr

Ein Bad aus farbigen Plastikbällen

Zumindest in das Bad aus farbigen Plastikbällen von Künstler Reto Lingg kann das Publikum eintauchen. Und wieder zum Kind werden. Eine sehr körpernahe Erfahrung liefert auch der Brugger Künstler Nikola Antolkovic mit seinen hängenden Tonzylindern in einer der Badekammern. Durchschreitet der Besucher den Raum und lässt sich von den Gebilden sanft an Kopf und Schultern berühren, erzeugt er eine wahre Klangorgie.

Klanginstallation von Nikola Antolkovic.

Klanginstallation von Nikola Antolkovic.

Ursula Burgherr

Tosca Aimée Weber bietet den Gästen im «Raben» das erste Eis am Stiel aus Original Badener Thermalwasser. Sie nennt ihre Kreation, die leicht salzig schmeckt, «Wellness am Stil». Im riesigen «Whirlpool of Fairy Tales» drehen sich Gummientlein, Wasserpistolen, Schwimmflügel und andere Kinderspielzeuge im Kreis. Ein fröhliches buntes Durcheinander und andererseits Zeichen für Überkonsum und den zunehmenden Plastikmüll.

Tafeln mit «Facts und Figures»

Im Kontrast zur kreativen Bespielung der zeitgenössischen Kunstschaffenden, die bei ihrer Umsetzung des Themas absolut freie Hand hatten, gibt es auf Tafeln an den Wänden «Facts und Figures» nachzulesen über die Nutzung der Bäder – angefangen bei den römischen Legionären bis hin zu den Einzel- und Therapiebädern im späten 19. Jahrhundert.

Während der Ausstellung soll übrigens ein ganzer Baderaum neu ausstaffiert werden. Mit einem Mix aus alten und neuen, fleischfarbenen Kacheln, die etwas gewöhnungsbedürftig sind. Geradezu transzendent wirkt eine der Badekammern, die von Künstlerin Andrea Cindy Raemy auf filigranem Stahldraht und weissem, durchsichtigem Tagesvorhang kreiert wurde. Der Gast spürt plötzlich eine angenehme, fast meditative innere Ruhe und taucht in seine eigene Welt ein.

Bälleli-Bad und Gummienten-Whirlpool: Eindrücke von der Ausstellung im Video.

Ursula Burgherr

Der 1. Zyklus der Ausstellung «The Touch Of Things» vom Verein Bagni Popolari im ehemaligen Badegasthof Raben (UG Schweizerhof am Kurplatz 3b in Baden) dauert noch bis zum 29. Mai 2021. Öffnungszeiten: Donnerstag/Samstag 16:00-20:00, Sonntag 14:00-18:00