Baden
«Der Laden läuft seit dem ersten Tag, es ist unglaublich»: Die Caritas ist zurück in der Stadt

Caritas Aargau ist nach sechs Jahren wieder mit einem Laden in Baden vertreten: Am Donnerstagabend luden die Verantwortlichen zur Neueröffnung des Secondhandshops. Zum Apéro wurde gespendete Mode versteigert, darunter ein Gucci-Kleid und eine Armani-Ledertasche.

Claudia Laube
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Mit zwei Monaten Verspätung konnten die Verantwortlichen von Caritas Aargau die Eröffnung des Ladens nachfeiern: Beat Niederberger, Präsident, Fabienne Notter, Geschäftsleiterin, Astrid Bonsaver, Bereichsleiterin Secondhandläden, sowie Filialleiterin Lilian Stammbach.

Mit zwei Monaten Verspätung konnten die Verantwortlichen von Caritas Aargau die Eröffnung des Ladens nachfeiern: Beat Niederberger, Präsident, Fabienne Notter, Geschäftsleiterin, Astrid Bonsaver, Bereichsleiterin Secondhandläden, sowie Filialleiterin Lilian Stammbach.

Alex Spichale (19. Mai 2022)

Beim Caritas-Secondhandladen an der Mellingerstrasse 26 herrscht reger Betrieb, als um 17 Uhr die Eröffnungsfeier beginnt. Ob eine junge Mutter mit ihrem Kind in der Babytrage, zwei ältere Damen oder drei Teenager vor dem Laden: Sie alle inspizieren konzentriert die Kleider, Schuhe und Accessoires, die hier seit Mitte März verkauft werden.

Wegen Corona konnte auf die Eröffnung erst am Donnerstagabend richtig angestossen werden. Bereits kann Filialleiterin Lilian Stammbach ein positives Fazit ziehen: «Der Laden läuft seit dem ersten Tag. Es ist unglaublich.» Das Angebot ist für alle da, armutsbetroffene Menschen oder auch Flüchtlinge wie zum Beispiel aus der Ukraine mit Schutzstatus S erhalten zudem 30 Prozent Vergünstigung. Mit dem Gewinn werden Projekte von Caritas für Armutsbetroffene im Kanton Aargau unterstützt.

Früher waren die Räumlichkeiten die Heimat von «Kings Jugendlade Bade», einem Treffpunkt für unter 16-Jährige. Das Lokal stand aber schon länger leer, bis Caritas Aargau im November darauf aufmerksam gemacht wurde. «Dann ging alles ganz schnell», sagt Geschäftsleiterin Fabienne Notter an der Eröffnung.

Der Caritas-Secondhandladen an der Mellingerstrasse.

Der Caritas-Secondhandladen an der Mellingerstrasse.

Alex Spichale

Die Räume wurden saniert und nun ziert statt Graffiti ein riesiger aufgemalter Blumenstrauss die Wand. Caritas Aargau ist damit mit einem Secondhandladen nach Baden zurückgekehrt. So wie es vor ziemlich genau sechs Jahren angekündigt worden war, als der Caritas-Markt an der viel befahrenen und von Fussgängern eher wenig frequentierten Rütistrasse schliessen musste. Die Umsätze waren zu stark eingebrochen.

Doch nicht alle Produkte waren damals von der sinkenden Nachfrage betroffen: Die Secondhand-Abteilung lief gut. Die war ebenfalls für alle offen und benötigte keine spezielle Einkaufskarte. Das restliche Angebot durften aber ausschliesslich Armutsbetroffene nutzen.

Der Caritas-Markt an der Rütistrasse lief nicht wie gewünscht und wurde 2016 geschlossen.

Der Caritas-Markt an der Rütistrasse lief nicht wie gewünscht und wurde 2016 geschlossen.

Bild: Leonie Voelkin (7.1.2015)

2016 hiess es, dass man sich Zeit lassen wolle, einen geeigneten Standort für einen Secondhandladen zu finden. Statt das Projekt möglichst schnell zu planen und umzusetzen, sei es wichtiger, dies überlegt zu tun. Das hat Caritas Aargau getan: «Wir haben zwar schon länger in der Innenstadt nach einem geeigneten Lokal gesucht, doch entweder waren die Räume zu klein oder zu teuer», sagt Fabienne Notter weiter.

An der Mellingerstrasse ist das Verkehrsaufkommen zwar in etwa ebenso hoch wie an der Rütistrasse, doch hat es hier, vis-à-vis der Bibliothek und ganz in der Nähe der Wirtschaftsschule, auch viel mehr Laufkundschaft. Dass es aber innerhalb zweier Monate dennoch so gut laufen würde, das hätten sich die Verantwortlichen nicht träumen lassen. «Ein Glücksfall», nennt es Notter. «Wir sind wirklich überrascht.»

Zum ersten Mal findet hier auch eine Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Asyl Aargau unter einem Dach statt. In einem Raum hinter dem Verkaufslokal wird das Netzwerk bald einziehen und hier wöchentliche Beratungen für Asylsuchende durchführen. Caritas wird hier auch ein Nähatelier betreiben.

Grosszügige Badener und namhafte Ware

Filialleiterin Lilian Stammbach schwärmt derweil auch von den Kleidern, die gratis zum Wiederverkauf abgegeben werden:

«Die Badener sind grosszügig und geben uns viele Sachen, die man für einen guten Preis auch online verkaufen könnte.»

Zur Feier der Eröffnung fand auch eine Versteigerung statt. Unter anderem wurde für 40 Franken eine noch ungenutzte Armani-Tasche aus Rindsleder (Neupreis 180 Franken) versteigert wie auch für 25 Franken ein Gucci-Kleid. Ein Aargauer Strohhut war ebenfalls im Angebot: Beat Niederberger, Präsident von Caritas Aargau, liess es sich nicht nehmen, diesen für 15 Franken zu ersteigern.

Caritas Aargau-Präsident Beat Niederberger mit seinem ersteigerten Strohhut.

Caritas Aargau-Präsident Beat Niederberger mit seinem ersteigerten Strohhut.

Alex Spichale