Baden
«Die Jungen sind innovativ»: Badener Ausbildungszentrum macht aus Lernenden Jungunternehmer

Kreativität ist an der Berufsfachschule Baden gefragt: Das Ausbildungszentrum für industrielle Berufslehren libs möchte mit einem neuen Kurs den Unternehmergeist der Jugendlichen wecken.

Sharleen Wüest
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Die Lernenden müssen in kleinen Gruppen eine eigene Geschäftsidee entwickeln. Sie werden von Experten begleitet.

Die Lernenden müssen in kleinen Gruppen eine eigene Geschäftsidee entwickeln. Sie werden von Experten begleitet.

zvg/libs

«Wie verdient ihr Geld mit eurer Geschäftsidee?», fragt Unternehmer Clemens Hauser am Mittwochmorgen seine Schüler an der Berufsfachschule Baden. Sie stecken die Köpfe zusammen. In allen Ecken wird diskutiert. «So ist es billiger», sagt eine Schülerin und zeigt auf ihren Schreibblock – eine andere Business Strategie. Die Lernenden verwandeln sich während der Gruppenarbeit in Jungunternehmer.

Zwei Drittel der jungen Erwachsenen absolviert eine Berufslehre. Dennoch wird ein Grossteil der Fördergelder für Innovation an Universitäten und Fachhochschulen vergeben. Die libs möchte, in Zusammenarbeit mit der Firma Rhino Partners, Lernende mit ihrem neuen Projekt fördern. Bei der libs handelt es sich um ein Ausbildungszentrum für industrielle Berufslehren. Das Zentrum arbeitet mit 130 Partnerfirmen und betreut zurzeit 1500 Lernende.

Das Projekt «libs Unternehmerhaus» ging Mitte Februar in die erste Runde. Der Kurs ist für alle Berufslernenden im ersten Lehrjahr ein Pflichtfach, mit dem Ziel ihren Unternehmergeist zu wecken. Den Lernenden sollen Zusatzausbildungen im Bereich unternehmerischer Methoden und Prozesse bis hin zur Entwicklung von eigenen Geschäftsideen ermöglicht werden.

Unterricht geführt von Unternehmern

Christian Villiger, Geschäftsführer «libs»

Christian Villiger, Geschäftsführer «libs»

Alexander Wagner

Der Wissens-Rucksack der Jugendlichen wird im Kurs reichlich gefüllt. Sie lernen verschiedene Management Methoden kennen und lösungs- statt problemorientiertes Denken soll gefördert werden. Zudem stehen unter anderem Marktanalysen und überzeugendes Präsentieren auf dem Plan. Denn die Lernenden müssen in kleinen Gruppen eine eigene Geschäftsidee entwickeln und diese anhand der erlernten Theorie weiterentwickeln. Die 280 Lernenden sind in 18 Klassen unterteilt. Sie besuchen jede zweite Woche einen zweistündigen Kurs. Insgesamt stehen im ersten Jahr 12 Kursblöcke an. «Der Unterricht wird von Experten geführt. So können die Lernenden direkt von Unternehmern profitieren», sagt libs Geschäftsführer Christian Villiger.

So auch am Mittwochmorgen in Baden. Unternehmer der Rhino Partners Clemens Hauser zeigt den Jugendlichen verschiedene Business Strategien, welche sie gleich an ihrer eigenen Geschäftsidee ausarbeiten können. Zwischendurch werden die Jugendlichen für einen sogenannten «Pitch», einen Kurzvortrag, vor die Klasse gebeten. Hauser ermutigt sie: «Habt den Mut hinzustehen. Vor dem Stolpern müsst ihr keine Angst haben.»

Am Ende des Kurses stellen sie einander in der Klasse ihre Geschäftsidee vor. «Die Lernenden haben bereits völlig unterschiedliche Ideen. Eine Gruppe möchte zum Beispiel einen speziellen Burger Laden eröffnen. In einer anderen Gruppe wird fleissig über Autopflege gesprochen», sagt Villiger. Die Jugendlichen würden sich enthusiastisch zeigen. Zum Leistungsnachweis gehört auch eine Multiple Choice Prüfung am Ende des Kurses.

Lernende haben ein Alleinstellungsmerkmal auf dem Arbeitsmarkt

Anders als im ersten Jahr, ist der zweite Kurs freiwillig. Für die Kursblöcke müssen die Jugendlichen jedoch Freizeit aufwenden. «Wenn man etwas gerne macht, findet man bestimmt auch Zeit dafür», so Villiger. Er rechnet im zweiten Kurs mit 30 bis 50 Teilnehmenden – etwas weniger als ein Fünftel der Lernenden. Dieser Kurs verfolge vor allem das Ziel, mit den Jungunternehmern ein neues Produkt oder eine neue Dienstleistung auf den Markt zu bringen und daraus eine Firma aufzubauen. Im dritten und vierten Jahr sind dann die kreativen Köpfe gefragt. Willige Berufslernende können sich mit ihrer Idee beim Center bewerben. Neben Kursen organisiert das Unternehmer-Center im Jahr sechs Events rund um die Themen Innovation und Unternehmertum.

«Wir werden gefragt und unterstützt»

Bereits in der Halbzeit des Kurses angekommen, liegen viele Ideen im Raum. Die Schülerinnen und Schüler beteiligen sich fleissig am Unterricht. «Der Kurs gibt mir eine gute Grundkenntnis», sagt die 16-Jährige Martina. Sie macht die Lehre als Kauffrau. Konstrukteur-Lehrling Patrick stimmt ihr zu: «Wir lernen wie die Business Welt funktioniert.» Auch Nehir, Kauffrau in Ausbildung zeigt sich enthusiastisch: «Ich finde es super, dass wir unser eigenes Ding machen können. Wir werden gefragt und unterstützt. In Zukunft könnte ich meine Idee wirklich in Realität umwandeln.»

Von den 280 Lernenden werden wohl nicht alle ein Start Up gründen? «Nein, aber mit dieser Ausbildung haben sie alle etwas gelernt, das sie an einem anderen Ort nicht lernen würden», erwidert der libs Geschäftsführer. So würden sie nicht nur technisch ausgebildet, sondern entwickeln auch ein unternehmerisches Denken und Handeln. Ein Vorteil, meint Villiger. Diese Kombination verschaffe den libs Lernenden ein Alleinstellungsmerkmal auf dem Arbeitsplatz. Villiger möchte aber vor allem ein Zeichen an die Politik und die Wirtschaft setzen: «Ich möchte zeigen, dass die Jungen sehr innovativ sind.»

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