Baden
«Eine grosse Chance»: Diese Jugendlichen treten am Bluesfestival auf – trotz erschwerter Umstände

Corona stellte die Blueskidz vor einige Hürden. Jetzt steht ihr grosser Auftritt in Baden an – und die Veröffentlichung ihrer CD.

Sharleen Wüest
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Seit Herbst 2020 übt die neunköpfige Band fleissig.

Seit Herbst 2020 übt die neunköpfige Band fleissig.

zvg

Das Bluesfestival Baden macht die Stadt Ende Mai für sieben Tage zu seiner Bühne. Sie dürfen dabei nicht fehlen: die Blueskidz. Die Bandmitglieder sind alle zwischen 12 und 20 Jahre alt. Jedes Jahr lernt eine Gruppe Jugendlicher den Blues am Blueskidz Workshop kennen und veröffentlicht im Nachgang eine eigene CD. Das ist schon zu normalen Zeiten keine einfache Aufgabe. Doch der 2021er-Formation hat die Pandemie einige Hürden in den Weg gelegt.

Die Proben für ihren grossen Auftritt am Bluesfestival laufen seit Herbst 2020 – mit einem coronabedingt sechswöchigen Unterbruch. «Das war sehr schwierig. Wir waren völlig in unserem Element, und dann konnten wir plötzlich nicht mehr Proben», erzählt Gitarrist Jasper Hase. Doch, wie man so schön sagt: Die Show musste weitergehen. Die Jugendlichen haben zu Hause in ihren Zimmern viel geübt. Dasselbe, war es jedoch nicht: «Die Band hat gefehlt», sagt der 15-Jährige. Seit Anfang März dürfen die Jugendlichen wieder gemeinsam proben. Um rechtzeitig mit der CD fertig zu werden, wurden die wöchentlichen Proben auf zwei Tage in der Woche erhöht. Das scheint den Mitgliedern nichts auszumachen – im Gegenteil. «Wir müssen eher schauen, dass wir die Pausen nicht durchspielen», sagt Sängerin Leandra Affolter. Denn Erholung zwischendurch sei wichtig, auch wenn die Freude an der Musik gross ist.

Freundschaft hat in den Liedern einen hohen Stellenwert

Katarina Paripovic: «Die Bandmitglieder sind wie meine zweite Familie.»

Katarina Paripovic: «Die Bandmitglieder sind wie meine zweite Familie.»

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Das gemeinsame Ziel hat die Jugendlichen zu einer engen Gruppe zusammengeschweisst. «Die Bandmitglieder sind wie meine zweite Familie», sagt die 16-jährige Bassistin Katarina Paripovic. Auch in ihrer Freizeit würden sie einander treffen. Die Altersunterschiede sind zum Teil gross, aber das spielt keine Rolle: «Die gemeinsame Liebe zur Musik reicht», sagt die 17-jährige Leandra Affolter. Da ist es kaum verwunderlich, dass das Thema Freundschaft in ihren Liedern einen hohen Stellenwert hat.

«Ich bin jetzt selbstbewusster», sagt Jasper Hase.

«Ich bin jetzt selbstbewusster», sagt Jasper Hase.

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In den vergangenen Monaten sind sechs Lieder in Teamarbeit entstanden. Von emotionalen zu reinen Spass-Liedern ist die ganze Bandbreite enthalten. Die Themensuche und auch das Schreiben der Lieder ist Teamarbeit. «Am Anfang musizieren wir frei, bis uns etwas gefällt», sagt Katarina Paripovic. Zuerst standen meistens die Akkorde, dann trug jedes Mitglied seinen Teil zum Lied bei. «Out» heisst der erste Song der Gruppe. Er gehört zudem zu den Lieblingsliedern der Jugendlichen. Die Lyrics «This music's very loud but it's still boring me out» (deutsch: Diese Musik ist sehr laut aber sie langweilt mich) beschreiben die Gefühle der Jugendlichen, die sie in den ersten Proben hatten. «Wir mussten uns zuerst finden», sagen die beiden jungen Frauen. Der Gitarrist ergänzt: «Die Musik war laut, aber es hat sich niemand so richtig getraut ganz mitzumachen.» Bald darauf seien die Schutzwälle gefallen. «Wir haben so viel Spass miteinander», sind sich die drei einig. Ihr Album «Dirty Dishes» ist geprägt von Blues, enthält aber auch Lieder aus verschiedenen Genres wie Rock und Indie.

Jetzt heisst es: üben, üben, üben

Leandra Affolter: «In der Band ist alles erlaubt.»

Leandra Affolter: «In der Band ist alles erlaubt.»

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Durch die Band hätten die Jugendlichen nicht nur musikalisch dazugelernt, sondern seien auch auf persönlicher Ebene gewachsen. «Ich bin jetzt selbstbewusster», sagt Jasper Hase. Auch gebe es in der Band kein richtig oder falsch. Die Jugendlichen dürfen Fehler machen. «Es ist alles erlaubt, ausser eines der Lieder hat zu viele Fluchwörter drin», sagt Leandra Affolter und lacht. Nächstes Jahr möchten alle drei wieder dabei sein – mit dieser Aussage zögern sie keine Sekunde.

Doch vorerst heisst es üben, üben, üben. Denn am 25. Mai stehen ihr grosser Auftritt am Bluesfestival und die Plattentaufe an. Eine riesen Chance, meinen die Jugendlichen. Sie sind dankbar, trotz Einschränkungen auftreten zu dürfen und freuen sich. Die Nervosität hält sich in Grenzen – noch.