Baden
Erfolg und Geld interessieren diese grosse Künstlerin nicht

Das Badener Museum Langmatt präsentiert die grosse englische Malerin Rose Wylie – es ist die erste Einzelausstellung in der Schweiz.

Ursula Burgherr
Drucken
Teilen
Langmatt-Direktor Markus Stegmann vor einem Exponat von Rose Wylie

Langmatt-Direktor Markus Stegmann vor einem Exponat von Rose Wylie

Foto: Ursula Burgherr

Die grossformatigen Exponate in der Galerie des Museums Langmatt muten auf den ersten Blick an wie Kinderzeichnungen. Da balanciert ein Schwan auf einem Pferd. Mit ruppigen Strichen sind die beiden Tiere dahingemalt. Der schwarze Klecks am Himmel sieht wie eine flüchtig gepinselte Amsel aus. Erst auf den zweiten Blick sieht man darunter den Schriftzug SR-71, der für die Abkürzung eines amerikanischen Überschall­aufklärungsflugzeuges steht. Rose Wylie mäandriert stilistisch zwischen Pop-Art, Comic, Surrealismus und Graffiti. ­Niemand würde hinter den verspielten und teilweise naiv wirkenden Bildern eine 87-jährige Frau vermuten, die heute so erfolgreich ist, wie nie zuvor. Ihre Werke erzielen auf dem Kunstmarkt sechsstellige Summen.

Stellung der Frau als wiederkehrendes Motiv

Wylie hat ihrem Mann, dem 2014 verstorbenen Maler Roy Oxlade, jahrzehntelang den Rücken gestärkt. Die beiden hatten sich beim Kunststudium kennen gelernt und während er Karriere machte, konzentrierte sie sich ganz auf ihre Rolle als Hausfrau und Mutter. Die Stellung der Frau früher und heute ist denn auch immer wieder Motiv in ihren Arbeiten. Eines der Bilder mit wie zufällig dahingeworfenen Details und Schriftzügen ist eine Referenz an den Film «Out of Rosenheim», in dem eine von ihrem Mann sitzengelassene Frau mit viel Durchhaltewille ein heruntergekommenes Café wieder in Schuss bringt. Auf einem anderen Bild räkelt sich Elizabeth Taylor. Gemalt in der gewohnt flächigen und kindlichen Art.

Die Inspiration dazu gab der Bericht in einer Zeitschrift – in Wylies Atelier stapeln sie sich zu Hunderten. Shakespeares Sommernachtstraum wird durch eine Mauer symbolisiert, die das babylonische Liebespaar Pyramus und Thisbe einst trennte. In der Bibliothek sind kleinformatige Zeichnungen von Wylie ausgestellt. Auf ihnen ist in einer fortlaufenden Geschichte die Reise von Ariel, dem Luftgeist aus Shakespeares «Der Sturm» dargestellt. Er mutiert bei der Künstlerin zu einer Zündholzschachtel. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Rose Wylie in ihrem Atelier.

Rose Wylie in ihrem Atelier.

Foto: Joe McGorty/zvg

Viele Details auf den Exponaten sind rätselhaft und lassen beim Betrachter Fragen offen. «Wylie beschäftigt sich in ihren Bildern mit grossen existenziellen Themen. Aber immer verspielt und nicht didaktisch oder moralisierend», sagt Langmatt-Direktor Markus Stegmann.

Der Erfolg stellte sich erst spät ein

Er hat die Grand Old Lady der Malerei in ihrer englischen Heimat besucht, wo sie bis heute ganz bescheiden in einem alten Handwerkerhäuschen lebt. Der Erfolg stellte sich bei ihr erst gegen Ende 60 ein, wenn andere normalerweise in den Ruhestand gehen. Ihre Einzelausstellungen – zum Beispiel in der Tate Gallery of Modern Art in London – sorgten für Furore.

Rose Wyliek, Bagdad Cafe (Film Notes), 2015, Öl auf Leinwand, 182 × 372 cm, Courtesy of the British Council Collection.

Rose Wyliek, Bagdad Cafe (Film Notes), 2015, Öl auf Leinwand, 182 × 372 cm, Courtesy of the British Council Collection.

Foto: Soon-Hak Kwon

Sie ist Mitglied der Royal Academy of Arts. «Ob sie Erfolg hat oder nicht, und welche Preise ihre Bilder erzielen, interessiert Rose Wylie nicht», erzählt Stegmann von seiner Begegnung mit der Künstlerin. Sie habe ihm gesagt: «Alles, was ich will, ist weitermalen. So lange, wie es mir möglich ist.»

Sammlung des Museums Langmatt neu arrangiert

Die Ausstellung von Rose Wylie dauert noch bis zum 24.Mai 2021. Die Sammlung des Museums Langmatt wurde zudem neu arrangiert. In der oberen Etage findet die Ausstellung «Schaufenster Archiv» mit Archivalien zu den Bediensteten der Familie Brown statt und gibt Einblick in den Alltag der Personen, die im Haus früher gewirtschaftet haben. Am 25. April 2021 wird im Untergeschoss die Ausstellungsreihe «Raumfahrt» fortgesetzt, die junge Schweizer Kunst präsentiert. Zudem finden im Park diverse digitale Rundgänge statt.

Museum Langmatt, Stiftung Langmatt Sidney und Jenny Brown, Römerstr. 30 in Baden. Öffnungszeiten: Di bis Fr, 14 bis 17 Uhr, Sa/So 11 bis 17 Uhr. Weitere Infos auf www.langmatt.ch

Aktuelle Nachrichten