Schon eine Weile ist es her, dass der bekannte Strassenmusiker Frank Powers eine politische Debatte auslöste, als er wegen verbotenen Musizierens in der SBB-Bahnhofunterführung zwei Anzeigen kassierte. Noch vor Ort sagte er damals: «Es müsste doch möglich sein, im Bahnhofareal einen Platz von zwei, drei Quadratmetern zu definieren, wo Strassenmusiker auftreten dürfen.» Auf städtischem Boden sei dies nämlich eher mühsam wegen der Reglementierung. Daraufhin bat Einwohnerrat Benjamin Steiner (Team) mit einem Vorstoss den Stadtrat, er solle prüfen, wo und unter welchen Bedingungen eine solche freie und unbürokratische Zone für künstlerische Darbietungen möglich ist.

Nun liegt eine Lösung vor. Bei der Cordulapassage, der Fussgängerunterführung unter dem Schulhausplatz, soll es eine offene Bühne geben. «Sie wird nicht nur Einzelmusikern, sondern auch Bands, Orchestern oder Chören der Region zur Verfügung stehen», sagt Stadtrat und Kulturvorsteher Erich Obrist (parteilos). Anders als in der Innenstadt, wo die «Polizeiliche Weisung für Strassenmusikanten und -künstler» gilt, handelt es sich bei der offenen Bühne um ein niederschwelliges Angebot. «Dieses soll mit wenigen Spielregeln auskommen, für die Künstler gratis sein und allenfalls kuratiert werden», sagt Obrist. Beispielsweise sollen definierte Tage mit Zeitfenstern dafür sorgen, dass sich das Publikum ganz bewusst zu einer Aufführung einfindet und nicht rund um die Uhr gespielt wird. Ob die auftretenden Amateure und Profis im Sinne einer Kollekte auch Geld für ihre Auftritte einnehmen dürfen, ist noch nicht definiert. «Meine persönliche Haltung ist: Monetäre Anreize sollen nicht im Vordergrund stehen, sondern die Aufführung und die Performance sollen primär Motivation sein», sagt Obrist.

Das Projekt ist allerdings noch nicht ganz in trockenen Tüchern. Die offene Bühne könne nur partnerschaftlich mit den künftigen Geschäftsmietern in der Unterführung und der Gewerbe- und Detaillistenvereinigung City Com Baden bewirtschaftet werden, sagt Obrist. «Die City Com Baden hat uns bereits signalisiert, das Projekt zu unterstützen.» Mit den künftigen Mietern in der Fussgängerpassage führe man Gespräche. «Letztlich muss es für alle ein Gewinn sein.» Die Cordulapassage soll eine belebte Scharnierfunktion zwischen Altstadt und Vorstadt einnehmen, und da könne eine offene Bühne einen wichtigen Beitrag leisten, ist Obrist überzeugt. «Ich hoffe wirklich sehr, dass wir im August oder spätestens im Herbst starten können», sagt Obrist. Ob das Projekt betreffend Akustik und Strassenlärm an diesem Standort funktioniert, wird sich erst dann zeigen. «Natürlich haben sich die involvierten städtischen Abteilungen überlegt, ob das mit der Geräuschkulisse vom Schulhausplatz funktionieren kann.» Die Akustik werde man aber erst abschliessend beurteilen können, wenn tatsächlich jemand vor Ort musiziert. Der Kulturvorsteher fügt an: «Sollte es gar nicht gehen, denken wir an eine Alternative an zentraler Lage vis-à-vis dem Löwenbrunnen.»

Dafür kommt Frank Powers zurück

Als Frank Powers im Herbst 2016 die zweite Anzeige bekam, verabschiedete sich der Singer und Songwriter von den Badener Strassen. Er werde hier auf öffentlichem Grund nicht mehr musizieren. Er hat Wort gehalten. Doch nun zeigt er sich vom Projekt einer öffentlichen Bühne angetan. «Die Idee klingt sehr gut und der Standort wäre zentral.» Er habe befürchtet, dass die Stadt zwar einen Ort finden würde, dieser aber in der Peripherie, abseits der Fussgänger, festgelegt würde. «Die neue Unterführung wäre ein Top-Standort.» Der Strassenlärm vom Schulhausplatz dürfte kein Problem sein, ist Powers überzeugt – und in der Fussgängerpassage wären die Musiker und Künstler vor Regen geschützt. Einzig die Akustik werde man sicher testen müssen. Für Frank Powers steht fest: «Ich muss das auf jeden Fall mal ausprobieren und komme dafür gerne wieder in die Stadt.»