Einwohnerrat
Baden erhält eine neue Bauordnung – knappes Ja zu externem Kommunikationsbüro für 140'000 Franken

Der Einwohnerrat hat am Dienstagabend den 950'000-Franken-Kredit für die Gesamtrevision der Nutzungsplanung genehmigt. Knapp fiel der Entscheid bei einem Antrag aus, der die 140'000 Franken für externe Kommunikationsprofis streichen wollte.

Pirmin Kramer, Philipp Zimmermann
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Ein Vierteljahrhundert ist vergangen, seit die Badener Reglemente zur Bau- und Nutzungsordnung letztmals umfassend revidiert wurden. (Archivbild)

Ein Vierteljahrhundert ist vergangen, seit die Badener Reglemente zur Bau- und Nutzungsordnung letztmals umfassend revidiert wurden. (Archivbild)

Chris Iseli/Badenfahrt

Das Thema sei nicht besonders sexy, aber von grosser Bedeutung für die Stadt, sagte Fabian Hummel (GLP). Und Iva Marelli (Team) formulierte es so:

Das Geschäft, über das wir heute diskutieren, wird die Stadtplanung über Jahrzehnte prägen.

Der Badener Einwohnerrat stimmte am Dienstagabend über einen Kredit von 950'000 Franken für die Ausarbeitung einer neuen allgemeinen Nutzungsplanung ab – und genehmigte diesen einstimmig. Baden wird somit auch eine neue Bau- und Nutzungsordnung erhalten.

Ein Vierteljahrhundert ist vergangen, seit die Reglemente letztmals umfassend revidiert wurden. Seither sind die Vorgaben stückweise angepasst worden. So sind Bauherren seit 2014 nicht mehr verpflichtet, bei einem Wohnbau im Zentrum Parkplätze erstellen zu müssen.

Die Gesamtrevision der Nutzungsplanung wird vor allem für jene Teile der Stadt von Bedeutung sein, die als Transformationsgebiete gelten: Mehrere Quartiere sollen laut Stadtrat in den kommenden Jahrzehnten einen tief greifenden Wandel erfahren.

Doppelt so viele Einwohner im Oberstadt-Quartier

Das Gebiet um den ehemaligen Bahnhof Oberstadt etwa soll sich zu einem urbanen Quartier mit neu 1500 statt derzeit 700 Bewohnern mausern. Und Dättwil könnte sich zu einem urbanisierten Wirtschaftsstandort entwickeln. Dies hält das Raumentwicklungskonzept fest, das der Stadtrat vor einigen Monaten präsentierte. Bei der Gesamtrevision werden die Details geregelt, beispielsweise die Frage, in welchem Gebiet wie hoch und wie dicht gebaut werden darf.

Obschon der Rat nur über den Kredit abstimmte und nicht über Inhalte, wurden vereinzelt klare Erwartungen formuliert. Mark Füllemann (FDP) sagte:

Bauen muss in Baden wieder mehr ermöglicht und nicht verhindert werden. Im Moment gibt es die Tendenz, das Bauen in unserer Stadt zu erschweren.

Die neue Bau- und Nutzungsordnung müsse entschlackt, gereinigt und von Vorschriften befreit werden, die viel Ermessensspielraum bieten würden, «wie etwa die unnötigen Vorgaben zur Farbgestaltung der Häuser oder zur Frage, wie Gärten auszusehen haben.»

Es brauche für Eigentümer und Bauherren klar messbare Vorgaben. Dazu sagte Stadtammann Markus Schneider (CVP), die allererste BNO aus dem Jahr 1923 habe mehr Paragrafen als die heutige gehabt, «und die zukünftige soll noch weniger haben».

SVP unterliegt mit Antrag

140'000 Franken des Kredits werden für ein externes Kommunikationsbüro verwendet, das die Bevölkerung informieren und einbinden soll. Daniel Glanzmann (SVP) plädierte dafür, diese Aufgabe der stadteigenen Kommunikationsabteilung zu überlassen. Doch er scheiterte mit seinem Antrag (26 Nein- zu 20 Ja-Stimmen).

Die Mehrheit folgte der Empfehlung des Stadtammanns. Bei der Ausarbeitung der neuen BNO soll die Bevölkerung eingebunden werden, und dieser partizipative Prozess könne mit der internen Stelle alleine nicht abgedeckt werden, sagte er.

Baden, wie es früher einmal aussah:

Baden historische Bilder
38 Bilder
So sah es am Schulhausplatz im Juli 1814 aus. Der Abbruch des «Mellingerturms», des Oberen Tors am Cordulaplatz (damals hiess er noch Paradiesplatz), wurde 1874 wie ein Fest gefeiert. Der Durchbruch sollte Luft und Licht in die Altstadtgassen bringen.
So sah es vor der Bahnverlegung aus: Durch den engen Schlossbergtunnel fuhr seit 1847 die Spanischbrötlibahn nach Zürich. Die Häuser vor dem Cordulaplatz wurden beim Bau des Strassentunnels abgerissen.
Als die Dampflok noch über den Platz fuhr und die Schiebebarrieren von Hand geschlossen wurden: Eine Postkarte von Baden um 1900. Der Gasthof zum Glas (rechts neben der Bahn) brannte 1960 ab, die Reben am Schlossberg wurden zu Bauland. Der Obeliskenbrunnen steht jetzt wieder an seinem Platz.
Der Kurpark in Baden war auch schon 1890 ein lauschiges Plätzchen, das zum Verweilen einlädt.
Baden, die Holzbrücke und der Bergsturzkopf um 1906.
Baden von Süden im Jahr 1913. Im Vordergrund der rauchende Schlot der Firma Merker.
Diese Postkarte zeigt das ehemalige Landvogtei-Schloss um ca. 1915.
Baden mit Lägern 1913: Als der Lägernhang noch völlig unbebaut war.
Das Brauerei-Gasthaus Falken gab der Barriere ihren Namen. Das Hotel musste schon 1957 weichen. Die 1850 erbaute Brauerei wurde erst 2004 durch den Neubau ersetzt, in dem sich heute das Bezirksgericht befindet.
Ein letztes Mal fällt die Falkenbarriere: Die Bahn brachte Wohlstand und Arbeitsplätze nach Baden. Aber auch viele Stunden mühsamen Wartens. Die Erleichterung war deshalb gross, als von 1957 bis 1965 der «neue» Schulhausplatz gebaut wurde.
Verstopfte Weite Gasse im Jahr 1960 mit Velo- und Buskolonnen. Das abgebrannte Restaurant Glas erlaubt die Datierung. Am oberen Bildrand das Schulhaus, das dem Platz seinen Namen gab.
Der Tunnelbogen des alten Bahntunnels steht noch, der Strassentunnel durch den Schlossberg ist schon betoniert. Der Ennetbadener Fotograf Werner Nefflen kam 1962 gerade noch rechtzeitig, um diesen denkwürdigen Augenblick festzuhalten. Rechts montiert ein Arbeiter die Sprengladung.
Als es in der Altstadt noch Handwerker gab: Der Sattler Mühlebach hatte seine Werkstatt in der Weiten Gasse und arbeitete gerne draussen. Hier zusammen mit den Pferden der Brauerei Müller am Schulhausplatz.
Der Bahnwärter hat ausgedient: Im September 1961 wurde die «Bahnverlegung» vollzogen, zumindest von der Eisenbahn war der Schulhausplatz befreit. Sie fuhr ab dann durch den grossen Bahntunnel.
Baden um 1919: im Vordergrund die mittelalterliche Brückenstadt, das moderne Baden liegt links.
Verkehr anno 1961: Im Hintergrund sieht man die alte Cordulapost mit dem Bild des abgebrochenen Mellingerturms. Rechts daneben der legendäre Lebensmittelladen Moneta. Die beiden Häuser wurden 1984 durch die neue «Porta Moneta» ersetzt.
Blick auf das Bahnhofquartier 1919. Der Badener Bahnhof zählt zu den ältesten des Landes. Er wurde 1847 als Endstation der Spanisch-Brötli-Bahn eröffnet.
Blick von oben auf die Hochbrücke und das Kleinkraftwerk Aue zwischen 1918 bis 1937.
Eine Postkarte von 1923, die den Kursaal Baden zeigt.
Eine weitere Postkarte vom Kurpark Baden aus dem Jahr 1926.
Blick in die Halle II des BBC-Gebäudes im Jahr 1926.
Blick auf die Ruine Stein um ca. 1930.
Im Jahr 1930 war der Löwenbrunnen bereits 108 Jahre alt.
Eine Postkarte des Kursaales datiert auf das Jahr 1936.
So sah die Badener Altstadt 1942 aus.
Limmat abwärts von der neuen Hochbrücke im Jahr 1942.
Limmat aufwärts von der neuen Hochbrücke im Jahr 1942.
Die Badener Altstadt 1945. Der Strassenverkehr wurde erst später aus der Altstadt verbannt. In der Badstrasse (links im Bild) entstand 1972 im Zuge des Bahnhofumbaus die erste Fussgängerzone der Schweiz.
Die Badener Altstadt im Jahr 1945, links im Bild die Hochbrücke, die 1926 eröffnet wurde.
Blick auf die Schiefe Brücke 1949, die Baden mit Ennetbaden verbindet. Sie wurde 1874 eröffnet und ist seit 2006 für den motorisierten Individualverkehr gesperrt.
Das 1963/64 erbaute Thermalbad im Jahr 1969.
Hier wurde fast 40 Jahre lang fröhlich geplanscht – gegen Ende des 20. Jahrhunderts gerieten die Bäder in eine Krise.
Baden 1970 von oben aus süd-östlichem Blickwinkel. Im Bild: das Stadtzentrum, der Elektrotechnikkonzern Brown Boveri & Cie. (BBC, später ABB), die Hochbrücke und das Terrassenschwimmbad.
Baden 1980 von Südwesten. Im Bild: das Stadtzentrum, der Schulhausplatz, die Ruine Stein und der Schlossbergtunnel.
Baden 1980 von Osten. Im Bild: Die Altstadt, die Hochbrücke, die Limmat, rechts im Bild der Elektrotechnikkonzern BBC.
Baden 1987 von Westen. Im Bild: die Stadtkirche, das Stadtzentrum und die Kreuzung Schulhausplatz.
Ein Blick in die Mittlere Gasse im Jahr 1988.

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Unbekannt