1.-Liga-Fussball
Baden-Fans provozieren Spielabbruch: «Rückschlag für unsere Fanarbeit»

Das 1.-Liga-Spiel zwischen dem FC Mendrisio und dem FC Baden endete bereits in der 58. Minute - mit einem Spielabbruch. Baden-Präsident Thomi Bräm ist ernüchtert. Mendrisio-Präsident und Goalie-Legende Karl Engel findet das «einfach nur traurig».

Pirmin Kramer
Drucken
Teilen
Baden-Fans zünden Fackeln und Knallkörper an der Seitenlinie. (Archiv)

Baden-Fans zünden Fackeln und Knallkörper an der Seitenlinie. (Archiv)

Aargauer Zeitung

Das Aufeinandertreffen wurde als Risikospiel eingestuft, denn bereits letzte Saison hatten sowohl Anhänger von Baden als auch von Mendrisio für negative Schlagzeilen gesorgt. Ein Baden-Fan hatte in die Trinkflasche des Gästetorwarts uriniert, im Tessin ging ein Fan nach Spielschluss auf den Schiedsrichter los, und beim Aufeinandertreffen der beiden Teams im Badener Esp zündeten Gästefans mit Feuerwerkskörpern einen Teil des Kunstrasens an.

Am vergangenen Sonntag nun musste die 1.-Liga-Partie zwischen dem FC Mendrisio und dem FC Baden nach 58 Minuten beim Stand von 1:0 für die Tessiner gar abgebrochen werden.

Was genau war im «Centro Sportivo Comunale» geschehen? Der ehemalige Schweizer Nati-Goalie und amtierende Mendrisio-Präsident Karl Engel (63) hat das Geschehen im Stadion mitverfolgt. «Die Partie verlief korrekt, die Mannschaften spielten fair.»

Weniger gesittet ging es auf den Rängen zu. «Zu einem ersten Unterbruch kam es bereits in der ersten Halbzeit. Die beiden Fanlager provozierten und beschimpften sich gegenseitig, mit Parolen, die man leider heutzutage in Stadien öfters zu hören bekommt.»

Gemäss «Ticinonews» waren die Mendrisio-Fans in dieser Phase keineswegs unbeteiligt, sie provozierten die Gästefans mit einem beleidigenden Transparent.

«Danach versuchte eine Gruppe von Badener Anhängern, in den abgetrennten Sektor der Mendrisio-Fans zu gelangen. Das Spiel wurde für rund 5 Minuten unterbrochen. Die Sicherheitskräfte schafften es aber, die Lage wieder zu beruhigen», so Engel. «In der zweiten Halbzeit zündeten Baden-Fans Fackeln und Knallkörper an der Seitenlinie – unmittelbar vor dem Schiedsrichter-Assistenen. Es knallte laut. Der Linienrichter hatte danach starke Ohrenschmerzen.» In der 58 Minuten brach Schiedsrichter Cornelio Zgraggen die Partie ab.

Engel, der mit Servette Genf Ende der 1970er-Jahre Meister und zweimal Cupsieger wurde und in den 1990er-Jahren unter anderem Trainer des FC Basel und des FC Lugano war, ist betrübt: «Kaum zu glauben, dass es für ein Amateur-Fussballmatch ein Sicherheitsaufgebot braucht wie bei einem Challengue-League-Match! Und einfach nur traurig, dass sogenannte Fans für einen Spielabbruch sorgen. Wir sind ein Amateurverein, der seiner sozialen Verpflichtung nachkommen und den jungen Leuten ermöglichen will, Fussball zu spielen.»

Es gelte jetzt, die Vorfälle zu analysieren. «So kann es nicht weitergehen. Wir müssen drastische Massnahmen ergreifen. Die Aufgabe unseres Vereins ist es, dafür zu sorgen, dass die Fussballspiele in unserem Stadion in einem normalen Rahmen verlaufen.»

Und der FC Baden? Thomi Bräm, Präsident des FC Baden, war nicht ins Tessin gereist. «Wir sind einfach sehr enttäuscht. Das Verhalten dieser Zuschauer hat nichts mit Sport zu tun. Das ist ein Rückschlag für unsere Fanarbeit, wir dachten gerade nach den jüngsten Gesprächen, wir wären auf gutem Weg.» Im kommenden Meisterschaftsspiel am Samstag im Esp gegen den USV Eschen/Mauren werde man die üblichen Sicherheitsmassnahmen ergreifen.

Noch hat der Schweizerische Fussballverband noch nicht entschieden, ob das Spiel zwischen Mendrisio und Baden wiederholt oder es als Forfait-Sieg für eines der Teams gewertet wird.

Aktuelle Nachrichten