Wohnungsmarkt
Baden hat ein Luxusproblem: Teure Mietwohnungen stehen seit Monaten leer

Aus Sicht der Mieter sind die neusten Nachrichten zum Wohnungsmarkt im Bezirk Baden erfreulich. Vor fünf Jahren herrschte noch Wohnungsknappheit, nun befinden sich Angebot und Nachfrage insgesamt in einem Gleichgewicht.

Pirmin Kramer
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Blick in die Küche einer 4½-Zimmer-Wohnung an der Badstrasse, deren Miete 3870 Franken pro Monat beträgt. zvg

Blick in die Küche einer 4½-Zimmer-Wohnung an der Badstrasse, deren Miete 3870 Franken pro Monat beträgt. zvg

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Ein Blick in die Immobilienportale zeigt: In Baden stehen luxuriöse Wohnungen zum Teil seit Monaten leer. Erstes Beispiel: An der Badstrasse, der Haupteinkaufsstrasse in der Stadt, sind zwei 41⁄2-Zimmer-Wohnungen seit Beginn des Jahres ausgeschrieben. Die Mietpreise betragen stolze 3650 Franken beziehungsweise 3870 Franken für die Maisonettewohnung. Die Immobilienfirma Livit lockt nun mit einem Sonderangebot: Wer die Wohnung mietet, wird mit zwei Gratis-Monaten belohnt. Der Mietzins der Wohnungen entspreche dem marktüblichen Mietzinsgefüge, heisst es bei Livit. «Baden ist gut erschlossen und verfügt über eine gute Verkehrsanbindung: mit dem Zug gelangt man in 20 Minuten nach Zürich.» Dass die Wohnungen seit Monaten leer stehen, habe weniger mit dem Mietpreis als vielmehr damit zu tun, dass es sich an der Badstrasse 21 um Wohnungen mit einem ungewöhnlichen Wohnungsausbau handle. «Sie besitzen beispielsweise einen einzigartigen, exklusiven Parkettboden.»

2011 herrschte noch Knappheit

Aus Sicht der Mieter sind die neusten Nachrichten zum Wohnungsmarkt im Bezirk Baden erfreulich. Vor fünf Jahren herrschte noch Wohnungsknappheit, nun befinden sich Angebot und Nachfrage insgesamt in einem Gleichgewicht. Dies geht aus der Studie hervor, die das Bundesamt für Wohnungswesen (BWO) kürzlich veröffentlicht hat. Allerdings gebe es Unterschiede zwischen den Segmenten, erklärt Christoph Enzler vom BWO: «In Baden ist die Situation bei den Mietwohnungen im unteren Preissegment nach wie vor angespannt, hier ist Wohnraum knapp. Ähnlich präsentiert sich die Lage im mittleren Segment. Im Bereich der teuersten Wohnungen hingegen herrscht ein Überangebot.»

Andere Vermieter reagieren mit Mietpreissenkungen. Seit März steht eine 31⁄2-Zimmer-Maisonette-Wohnung an der Mellingerstrasse frei. Um Mieter wird mit dem Slogan «Lieben Sie das Luxuriöse?» geworben. Nun wurde der Mietzins unter die 3000er-Marke gesenkt – von 3230 Franken auf neu 2985 Franken monatlich. Christian Baur von «Privera» sagt: «Wir beobachten im oberen Segment bereits seit einem Jahr ein Überangebot. Das hat zweifellos damit zu tun, dass die grossen Firmen in der näheren Region nicht mehr so viele Mitarbeiter haben wie auch schon. Hinzu kommt, dass beispielsweise die Internationale Schule schloss, die wichtig für die Standortattraktivität Badens war.»

Eine Preisreduktion gab es kürzlich auch bei der teuersten Wohnung, die momentan im Badener Zentrum verfügbar ist: Eine 51⁄2-Zimmer-Attika-Wohnung mit 175 Quadratmetern Wohnfläche, ebenfalls an der Badstrasse, kostet neu nur noch 4890 Franken und somit 100 Franken weniger als noch im Mai.

Eigentum statt Luxus-Miete

Pascal Roth von der Badener Immobilienfirma André Roth AG erklärt: «Die Vermietung im Hochpreissegment ab ungefähr 3500 Franken ist in den vergangenen Jahren in Baden schwieriger geworden. Das hängt mit Sicherheit mit der Zinssituation zusammen.» Wer die Miete für eine teure Wohnung zu bezahlen vermag, könne sich stattdessen oftmals auch Eigentum leisten – diese Verschiebung sei in den letzten Monaten passiert. «Gleichzeitig könnte die Personalpolitik der grossen Firmen in Baden einen Einfluss haben, die ihren Top-Mitarbeitern nicht mehr so oft wie früher teure Wohnungen zur Verfügung stellen», sagt auch Roth.