Baden
«Ich habe nicht mehr viel Schnauf»: Corona bringt Yogastudio von Stefanie Amrein an den Rand des Ruins

Seit 2003 führt Stefanie Amrein ihre Yogaschule im Badener Merkerareal. Sie hofft, dass ihr nicht das Aus droht.

Ursula Burgherr
Drucken
Teilen
Stefanie Amrein in ihrem Yogaraum Yoga Baden: «Alles geht einmal vorbei. Das Schöne ebenso wie das Schlechte.»

Stefanie Amrein in ihrem Yogaraum Yoga Baden: «Alles geht einmal vorbei. Das Schöne ebenso wie das Schlechte.»

Alex Spichale / BAD


Die unvermeidlichen Abstandsmarkierungen wirken fast verloren auf dem Boden des grossen Raumes im Merkerareal. In normalen Zeiten würden hier, in der Yogaschule yoga.baden, bis zu 20 Personen ihr Zentrum erforschen und ins Gleichgewicht bringen. Seit Dezember steht jedoch alles still. Mittendrin: Stefanie Amrein, 59 Jahre jung und Besitzerin des Studios.

Yoga war nicht ihr erstes Berufsziel. Zur Lehrtätigkeit kam die Wahlaargauerin eher durch Zufall. «Nach dem KV trampte ich ein halbes Jahr durch Indien und tauchte in eine völlig fremde Kultur ein», erinnert sich Stefanie Amrein, «ein kleines Yogabuch verkürzte mir die langen Bahn- und Busfahrten».

Zurück in der Schweiz lernte sie Yoga vertieft kennen – und lieben, nachdem sie festgestellt hatte, dass es ohne Räucherstäbchen und das «Gspürsch-mi-Gefühl» auskam. Sie ist überzeugt:

«Yoga muss nicht esoterisch sein.»

Sie lebt dieses Credo bis heute. Wieder in der Heimat studierte Amrein an der Hochschule für Kunst in Luzern und besuchte daneben Yogakurse. 2000 kehrte sie nach Indien zurück und verbrachte einen Monat am Ramamani Iyenegar Institut in Pune, danach bildete sie sich in Berlin zur zertifizierten Iyengar-Yogalehrerin aus.

Einen Traum erfüllt

Seit mittlerweile über 30 Jahren praktiziert sie nun Yoga und ist mehr denn je fasziniert von den Möglichkeiten: «Es geht um Bewusstsein, Achtsamkeit und Aufmerksamkeit.» Man brauche nicht viel mehr als seinen Körper, sagt sie, um bis ins hohe Alter Kraft, Stabilität und Flexibilität zu bewahren und Grenzen aktiv zu erfahren.

Selbst zur Sturzprophylaxe taugt der sanfte Sport: «Hat man ein gut trainiertes Körpergefühl, weiss man, wie man weich fällt.» 2003 erfüllte sich der Traum einer eigenen Yogaschule, und Stefanie Amrein fand Räumlichkeiten im Merkerareal. Die Schule hat sie selbst gestaltet, ganz auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten. Sperrholzwände vermitteln ein Gefühl von Wärme, der weiche Turnhallenboden trägt zur Gelenkschonung bei.

Doch mit Kursen ist das Spektrum längst nicht erschöpft. Stefanie Amrein reist seit Jahren durch Europa und Indien, um sich in der Yogatherapie weiterzubilden. Ob Bandscheiben, Meniskus oder die Nerven Beschwerden machen, «mit der Yogatherapie kann man individuelle Übungssequenzen erarbeiten, gänzlich zugeschnitten auf den Menschen und sein Leiden».

Miete reduziert, trotzdem «kaum noch Reserven»

Corona ändert alles. Dass man nicht auf alles Einfluss nehmen kann, hat sie im Coronajahr 2020 schmerzlich erfahren. Vor allem der zweite Lockdown, der bis Ende Februar gelten soll, bringt das Studio an den Rand des Ruins. «Zum Glück bekam ich im August eine Mietreduktion von den Vermietern», sagt Amrein, «ich habe nicht mehr viel Schnauf und kaum noch Reserven.» Eine dritte Welle würde sie nicht überstehen, ist sie überzeugt; sofern nicht finanzielle Hilfe kommt.

«Selbst während der Öffnung im Sommer bis Dezember konnten wir nur eingeschränkt Kurse anbieten.» Statt der üblichen 20 durften sich nur fünf bis zehn Personen zur Yogapraxis treffen. «Ich hatte immer klare Vorstellungen und Wünsche», sagt Stefanie Amrein, «auch wenn meine Pläne und Wege sich oft geändert haben.»

Mehr Gelassenheit und Empathie

Mit Yoga habe sie gelernt, sich nicht den Kopf über Dinge zu zerbrechen, die man nicht beeinflussen kann. «Ich orientiere mich an der Erkenntnis, dass alles einmal vorbei geht; das Schöne ebenso wie das Schlechte.» Den Weg der Erkenntnis hat sie noch lange nicht beendet.

«Zu Beginn faszinierte mich das physisch orientierte Yoga», erzählt sie. Mit den Jahren habe sich daraus eine eigene Philosophie entwickelt: «Yoga hilft mir, meine Energien in Bahnen zu lenken, um den Alltag mit Gelassenheit und Empathie anzunehmen.» In Zeiten einer weltweiten Pandemie ist das ein gesunder Ansatz.

Aktuelle Nachrichten