Baden
«Ich will als Designer Spuren hinterlassen»: Wie dieser junge Badener Künstler mit seinen Möbeln durchstarten will

Fabian Bolliger führt im Juni seine erste Solo-Ausstellung «Art meets Design» im Badener Eventlokal Druckerei durch – finanziert aus der eigenen Tasche. Dank der Coronapandemie werden mehr Kreationen von ihm zu sehen sein.

Claudia Laube
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Konsumkritik aufs Möbel gepackt: Fabian Bolliger vor seinem Wandregal «Needs! Needs?», das er an seiner ersten Ausstellung zeigen wird.

Konsumkritik aufs Möbel gepackt: Fabian Bolliger vor seinem Wandregal «Needs! Needs?», das er an seiner ersten Ausstellung zeigen wird.

Chris Iseli

Im kleinen und hellen Atelier von Fabian Bolliger im Industriequartier von Remetschwil ist es eng. Möbelstücke, die sich noch im Feinschliff befinden, reihen sich aneinander, fertige Gemälde zieren die weissen Wände. An seiner Kunst arbeitet der 26-jährige Badener seit Monaten auf Hochtouren: Im Juni findet seine erste Solo-Ausstellung «Art meets Design» im Eventlokal Druckerei an der Stadtturmstrasse in Baden statt. Dort wird er auf drei Stöcken seine Möbel sowie Kunst- und Lichtinstallationen präsentieren.

Geplant hatte er die Ausstellung zwar bereits im März, doch die Coronamassnahmen machten auch ihm einen Strich durch die Rechnung. Nun kann es der gelernte Schreiner aber kaum erwarten, seine Arbeiten endlich einem grösseren Publikum zu präsentieren – um dieses insbesondere für seine Möbelkreationen zu begeistern. «Wenn meine Kollegen darüber reden, dann ist das schön und gut, aber die kaufen am Ende ja nichts», sagt Bolliger und lacht.

Unverkennbarer Stil dank zufällig entdeckter Technik

Seine Kunst konnte er im letzten Jahr bereits an der Designwoche «Fuorisalone» in Mailand ausstellen, wegen Corona aber nur in virtueller Form. «Das war erst schon enttäuschend», sagt er, «hat mir aber auch mehr Zeit gegeben, um weitere Stücke für die Ausstellung anzufertigen.»

Fabian Bolliger mit seinem ersten Tonspur-Bild, dem Auftakt zu seiner künstlerischen Reise.

Fabian Bolliger mit seinem ersten Tonspur-Bild, dem Auftakt zu seiner künstlerischen Reise.

Chris Iseli

Ihm ist es ein Anliegen, dass die Menschen seine Kreationen live betrachten können: «Man muss in echt sehen, was ich mache», bekräftigt er. Abstrakte Kunst und Möbeldesign sind seine zwei grossen Leidenschaften, die er in einem vereint. Sein Stil sticht unverkennbar ins Auge, seine Technik zu erklären, das fällt Bolliger aber nicht ganz einfach. Er nennt es «eine spezielle Lackier- und Abkratztechnik» - und entschuldigt sich gleich damit, dass er keine Kunst studiert habe und nur per Zufall auf diese Technik gestossen sei.

Und dafür muss er etwas ausholen: Ganz am Anfang seiner Geschichte steht seine Ausbildung zum Schreiner. In dieser Zeit entstanden erste eigene Möbelstücke. Mit selbst gebautem Bett, Schrank und Wandregal richtete er erst einmal sein eigenes Zimmer ein. Kurz darauf kam eine erste Geschäftsidee hinzu: Bolliger wollte Tonspuren in Holz einfräsen und verkaufen. «Ich dachte, es wäre cool, in dieser Form zum Beispiel ein ‹ich liebe dich› zur Hochzeit zu schenken. Ein Bild, bei dem man nicht gleich auf den ersten Blick sieht, was es heisst», erzählt Bolliger, der sich selbst als Träumer bezeichnet. «Aber einer mit einem Plan», ergänzt er lachend.

Seine Möbel sollen Geschichten, Gefühle und Erlebnisse transportieren

Er hat klare Vorstellungen von der Zukunft und will sich eines Tages mit seiner Kunst einen Namen machen. Die muss aber in erster Linie für ihn erfüllend sein und ihn auch immer wieder aufs Neue herausfordern. Das taten die Tonspurbilder nicht, schon bald verlor er die Lust daran. Er experimentierte weiter: «Mit verschiedenen Farbschichten, die ich abklebte oder abtrug, um mehr Farbkontraste zu erhalten.» Ihm gefiel, was er damit kreierte.

Fabian Bolliger erklärt über seinen Weg zur Möbelkunst und was ihn dazu bewegt hat, eine Ausstellung zu organisieren.

Chris Iseli/Claudia Laube

Als Bolliger vor drei Jahren von einer Weltreise zurückkam, fällte er den Entscheid, sich voll auf seine Kunst zu konzentrieren. Er arbeitet zwar weiterhin als Schreiner, aber nur Teilzeit. Alles, was er verdient, steckt er in seine Kunst. Während sein Remetschwiler Atelier mehr als Aufbewahrungsraum dient, so entstehen die Möbel hauptsächlich bei seinem Arbeitgeber, einer Mellinger Schreinerei. Hier hat er den Platz und die Maschinen, um an seiner Kunst zu feilen. Hier kann er unkompliziert Materialien wie Holz, Stahl oder Aluminium bearbeiten. Die Werkzeuge benutzt er auch für seine abstrakte Kunst: unter anderem Stich- und Handkreissäge. Dabei ist ihm das kleinste Detail wichtig. Am Ende sollen seine Möbel Geschichten, Gefühle und Erlebnisse transportieren.

Eines seiner Stücke, ein Sideboard, heisst «Needs! Needs?» und ist als eine Art Konsumkritik zu verstehen. «Braucht es das oder braucht es das nicht?», fragt Bolliger rhetorisch. Auf der Tür des Sideboards hat er Markennamen wie Gucci oder Vogue platziert.

«Auf Instagram habe ich mit Befremden entdeckt, wie viele Menschen sich regelrecht nach Taschen oder Schmuck von diesen Marken sehnen.»

Das hat er im Möbelstück verarbeitet. Dabei will er das Sideboard nicht als Kritik an Unternehmen verstehen, sondern an den Menschen. Am Ende erzähle aber jedes Stück genau die Geschichte, welches die künftigen Besitzer darin sehen.

Bolliger will als Designer Spuren hinterlassen und sich über die Landesgrenzen hinaus einen Namen machen. Erst einmal freut er sich aber auf ein Feedback aus seiner Heimat, aus Baden.

7 Bilder

«XOXO» – Art meets Design, www.fabianbolliger.com, Eventlokal Druckerei, Stadtturmstrasse 19, Baden, Samstag und Sonntag, 12. und 13. Juni