Baden
Hier standen in der Römerzeit Häuser – Mauern aus dem 1. Jahrhundert freigelegt

In der Badener Hörnligasse beim Kurplatz sind Grundmauern von Steingebäuden freigegraben worden. Was bedeutet diese Entdeckung?

Pirmin Kramer
Drucken
Teilen
Die Hörnligasse in Baden: Vorne gut erkennbar sind die Grundmauern von Steingebäuden. In der Römerzeit befand sich hier eine terrassierte Hangbebauung.

Die Hörnligasse in Baden: Vorne gut erkennbar sind die Grundmauern von Steingebäuden. In der Römerzeit befand sich hier eine terrassierte Hangbebauung.

Bild: zvg / Kantonsarchäologie

Seit 2009 führt die Kantonsarchäologie Grabungen im Badener Bäderquartier durch. Aktuell wird die Hörnligasse untersucht, die den Kurplatz und die Bäderstrasse verbindet. Die wichtigste Erkenntnis laut Matthias Flück, Leiter des Ressorts Archäologische Untersuchungen beim Kanton Aargau: «In der Römerzeit befand sich hier eine terrassierte Hangbebauung mit Wohn- oder Unterkunftsgebäuden.

Im Bereich der modernen Leitungsgräben lassen sich Grundmauern von Steingebäuden aus dem 1. bis 3. Jahrhundert nach Christus erkennen.» Fragmente von bemaltem Wandverputz und Reste eines Mörtelbodens zeugten von der guten baulichen Qualität der Gebäude. Eigentliche Bäder gab es an dieser Stelle keine, im Gegensatz zum Kurplatz, der sich wenige Meter davon entfernt befindet.

1000 Jahre Ungewissheit

Die römischen Gebäude im Bereich der Hörnligasse wurden spätestens im frühen 4. Jahrhundert aufgegeben. «Unklar bleibt, wie der Bereich der Hörnligas-se zwischen dem 4. und dem 14. Jahrhundert aussah», erklärt Matthias Flück. Leider gebe es keinerlei Funde aus dieser Zeit. «Wir gehen aber davon aus, dass im Bereich der Hörnligasse auch in jenen Tausend Jahren einige Gebäude standen. Jedoch wurden die Überreste wohl entfernt, als im Spätmittelalter neue Badegebäude entstanden.»

Die aktuellen Aufschlüsse zeigen, dass die Fundamente der mittelalterlichen Gasthäuser «Blume» und «Hörnli» teilweise direkt auf die Mauerreste und den Abbruchschutt der römischen Gebäude gesetzt wurden. Für den nördlich der Hörnligasse liegenden Gasthof «Ochsen» ist dasselbe zu erwarten, heisst es in einer Mitteilung des Kantons.

Welcher war der speziellste Fund?

Mit den aktuellen Arbeiten in der Hörnligasse enden auch die archäologische Untersuchungen am und um den Badener Kurplatz. In dieser Zeit kam es zu diversen Entdeckungen. Welcher Fund des vergange-nen Jahrzehnts ist für Matthias Flück der speziellste?

«Ganz besonders ist das Fragment mit einer Inschrift, das wir letzten Herbst fanden. Zuvor waren neue Inschriften im Bäderquartier seit Jahrhunderten nicht mehr gefunden worden.» Zuletzt kam es auf dem Badener Kurplatz zu mehreren spektakulären Funden. Im Frühling 2020 wurde das Vere­nabad freigelegt, was europaweit für Schlagzeilen sorgte.

Im Herbst führten Grabungen im Osten des Platzes zum Freibad; und im Februar 2021 fanden Archäologen bei Leitungsbauten für das neue Thermalbad eine 2000 Jahre alte Holzkon­struktion, die vermutlich als Fundament für ein weiteres Bad auf dem Kurplatz diente.

Aktuelle Nachrichten