Die Unterschiede bei den Wohnortsbeiträgen an Aargauer Berufsfachschulen sind beträchtlich, im Extremfall beträgt die Differenz 3400 Franken oder 280 Prozent. Dies zeigt eine Tabelle, welche dem «Sonntag» vorliegt. Für Matthias Jauslin, FDP-Grossrat und Finanzvorsteher im Gemeinderat Wohlen, sind diese Unterschiede schwer erklärbar.

«70 Prozent des betrieblichen Aufwands der Berufsschulen sind allein auf die Löhne der Lehrpersonen zurückzuführen, somit kann die Differenz nicht nur von den angebotenen Berufsfeldern abhängen», hält Jauslin in einer Interpellation an den Regierungsrat fest.

Ungleiche Beiträge

Dies zeigen drei konkrete Beispiele: So hat die Gemeinde Wohlen im vergangenen Jahr für sechs Coiffeusen, welche die Berufsschule Aarau besuchen, einen Beitrag von je 2200 Franken bezahlt.

Für eine andere Coiffeuse, welche an der Berufsschule BBB in Baden ausgebildet wird, waren indes 4600 Franken fällig.

Beispiel 2: Für eine Kauffrau mit Profil M stellte die KV Business School Lenzburg-Reinach der Gemeinde Wohlen 1200 Franken in Rechnung, die Handelsschule KV Aarau verrechnete 2000 Franken und die Wirtschaftsschule KV Baden-Zurzach verlangte 2400 Franken.

Beispiel 3: Fast doppelt so viel wie in Lenzburg bezahlte die Gemeinde Wohlen für einen Polymechaniker in Baden. 2400 Franken beträgt der Wohnortsbeitrag an der Berufsschule Lenzburg, happige 4600 Franken dagegen an der Berufsschule BBB in Baden.

Jauslin fragt, wie es möglich sei, «dass gerade die kleineren Berufsfachschulen, insbesondere jene im Fricktal und im Freiamt, deutlich tiefere Wohnortsbeiträge verrechnen als die grossen Schulen.» Tatsächlich zeigt die Tabelle, dass die Tarife der Berufsschulen in Reinach (1200 Fr.), Rheinfelden (1600 Fr.) und Wohlen (1700 Fr.) im kantonalen Vergleich am tiefsten sind. Danach folgen Zofingen und Brugg (beide 1900 Fr.), KV Aarau (2000 Fr.), BS Aarau (2200 Fr.) sowie Lenzburg und KV Baden-Zurzach (beide 2400 Fr.). Spitzenreiter bei den Wohnortsbeiträgen für Lernende ist die Berufsschule BBB Baden, die 4600 Fr. pro Jahr von den Gemeinden verlangt.

Eigenartige Reservenbildung

Durch die auffällig hohen Unterschiede der Wohnortsbeiträge entsteht bei Matthias Jauslin der Eindruck, «dass einzelne Berufsschulen nicht nur die Betriebsaufwendungen inklusive Amortisationen verrechnen, sondern sich darüber hinaus beträchtliche Reserven schaffen, mit denen geplante Investitionen dann im Voraus finanziert werden».

Jauslin hält fest, diese Reservenbildung bewege sich im Bereich von mehreren Millionen Franken. Und er kritisiert, dass die Gemeinden mit der Überwälzung auf die Wohnortsbeiträge deutlich höhere Kosten zu tragen hätten, als ihre Berufslernenden den Schulen tatsächlich verursachten. Für den Grossrat ist diese Praxis ungerechtfertigt, zumal die Gemeinden die Höhe der Wohnortsbeiträge an die einzelnen Berufsschulen nicht beeinflussen könnten.

Abgesehen von den sehr unterschiedlichen Wohnortsbeiträgen kritisiert Jauslin, dass an mehreren grossen Berufsschulen Neubauten erstellt wurden und Ausbauten geplant oder schon im Gang sind - «dies trotz freier Kapazitäten an anderen Schulen», wie er schreibt.

Jauslin will vom Regierungsrat wissen, wie Angebote, Schülerzahlen und Ausbaupläne der einzelnen Berufsfachschulen aufeinander abgestimmt werden sollen. «Inwiefern wirkt sich der verantwortungsvolle Umgang mit finanziellen Ressourcen bei der Berufsfeld- und Lernendenzuteilung aus?»

Und er fragt konkret: «Ist der Regierungsrat bereit, die wegen der Schaffung von Kompetenzzentren in den letzten Jahren erfolgte Schwächung der kleineren Berufsschulen durch die Zuweisung neuer Berufsfelder zu kompensieren?»