Baden
«Baden ist enorm aufgeschlossen und empfänglich»

Das Finale vor der Sommerpause im «Prima Vista» bestritt mit Christina Jaccard Zürichs «First Lady of Black Music».

Ursula Burgherr
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Christina Jaccard verzaubert das «Prima Vista»-Publikum. ubu

Christina Jaccard verzaubert das «Prima Vista»-Publikum. ubu

Christina Jaccard hat ihre schlanke Figur für den Auftritt im «Prima Vista» in ein bodenlanges, schwarzes Samtkleid gehüllt. Sie greift in die Tasten, dann erfüllt ihre Stimme mit dem warmen, dunklen und doch kraftvollen Timbre den Raum.

Die Auftaktnummer «Take me Blues», eine Eigenkomposition von ihrer ersten CD, klingt hingebungsvoll und wehmütig, doch die Sängerin kann auch anders. Bei den schnellen Nummern stampft sie mit einem ihrer schwarzen Highheels energiegeladen den Takt. Einige der grössten Klassiker aller Zeiten sind im Programm zu hören; wie «Sitting on the dock of the bay», «Summertime» oder «On Broadway». Aus jedem Song macht sie ihre ureigene Version – zeitweilig etwas gewöhnungsbedürftig aber oft hühnerhauterzeugend wie bei «Amazing Grace», dem Gospelklassiker schlechthin.

Im Gospel, Blues und Jazz fühlt Jaccard ihre wahre Bestimmung, hat deswegen ihre Ausbildung zur Opernsängerin an den Nagel gehängt. Den Kick dazu gab ihr ein Auftritt des legendären «Golden Gate Quartet», mit dem ihre Eltern befreundet waren.

Die Gewinnerin des Swiss Jazz Award 2012 gehört zum Besten, was die Schweizer Musikszene zu bieten hat. Die ganz grosse Berühmtheit erlangte sie nicht. Vielleicht wegen ihrer Vielseitigkeit.

Jaccard ist ein Freigeist und lässt sich ungern festlegen. Gerade hat sie ihre neue CD «The Love Songs» mit dem irischen Sänger Morgan Crowley herausgegeben, und sie tritt auch als Chansonnière mit Liedern von Marlene Dietrich und Edith Piaf auf. «Ich singe, seit ich denken kann», sagt Jaccard, die in jungen Jahren London als Strassenkünstlerin eroberte. In ihrer Heimatstadt Zürich gibt sie nebst Gesangsunterricht Weiterbildungen und Beratungen in Astrologie. Checkt sie ihre planetarischen Konstellationen vor einem Auftritt? «Ja», sagt sie, «vor allem vor einer Premiere oder einer CD-Taufe.»

Halbzeit im Jubiläumsjahr

Für ihre Performance vor vollem Haus im «Prima Vista» musste sie allerdings nicht in die Sterne schauen. Hier singt und spielt sie seit Jahren und fühlt sich wie zu Hause.

Jaccard: «Ich liebe das Badener Publikum, es ist enorm aufgeschlossen und empfänglich.» Mit dem Auftritt von Zürichs «First Lady of Black Music» beendete Geschäftsführer Toni Donadio die erste Halbzeit des 10-Jahr-Jubiläums des Musikrestaurants Prima Vista. Er blickt zufrieden auf die letzten sechs Monate zurück.

«Wir hatten rund 70 gut besuchte Konzerte mit breit gefächerten, musikalischen Acts aus dem In- und Ausland.» Das Konzept der Vielseitigkeit wird im zweiten Halbjahr Trumpf bleiben. Am 14. 8. eröffnen die Tonic Strings die neue Saison. Angekündigt sind des Weiteren der irische Songwriter Paul Tiernan, Ländlerkönig Willi Valotti, die griechische Formation Ela Ela. Im Herbst geht die musikalische Familie Donadio auf 10-tägige Irland-Tournee.

Weitere Informationen auf primavista-music.ch