Baden
Kantonsspital erhält ein neues Kleid – das Holz dafür stammt aus heimischen Wäldern

Dank kurzer Transportwege punktet die Fassade des neuen Spitalgebäudes in Baden-Dättwil in Sachen Nachhaltigkeit – und beschleunigt zudem noch die Heilung der Patienten.

Rahel Künzler
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Eine über 100-jährige Weisstanne kurz vor dem Fall. Bald wird sie die Fassade des KSB-Neubaus schmücken.

Eine über 100-jährige Weisstanne kurz vor dem Fall. Bald wird sie die Fassade des KSB-Neubaus schmücken.

Britta Gut

Wer heute einen Blick auf die Baustelle des für Ende 2022 geplanten, neuen Kantonsspitals Baden (KSB) wirft, sieht noch ein riesiges Betonskelett. Doch schon im August soll der Rohbau mit dem Holz von rund 80 mächtigen Weisstannen verkleidet werden. Die Bäume stammen aus dem Badener Ortsbürgerwald und werden in diesen Tagen gefällt.

Am Westhang der Baregg oberhalb von Dättwil, keine zwei Kilometer Luftlinie vom KSB entfernt, grüsst Georg von Graefe zum Medienanlass vom Dienstag am Ort des Geschehens. Der Stadtoberförster, der erst seit Anfang Februar im Amt ist, erhielt den Auftrag der KSB-Fassadenbauer schon an seinem zweiten Arbeitstag.

Jährlicher Holzzuwachs von 25 Fussballfeldern verbaut

Holz kann entweder als Baustoff verwendet oder für die Energiegewinnung verbrannt werden. Es als Baumaterial zu verwenden, sei besonders umweltfreundlich, sagt von Graefe. Das darin gebundene CO2 werde so länger gespeichert. «Deshalb möchten wir vermehrt Bauholz verkaufen.»

Der Tele M1-«Aktuell»-Beitrag zum Thema.

Tele M1

Der Badener Ortsbürgerwald wird nachhaltig bewirtschaftet. Das heisst, es werde nicht mehr Holz geerntet, als wieder nachwachse, erklärt der Stadtoberförster. Die rund 180 Kubikmeter Weisstannenholz, die in der neue KSB-Fassade verbaut würden, entsprächen etwa dem jährlichen Holzzuwachs auf einer Waldfläche von 18 Hektaren oder 25 Fussballfeldern.

Badener Holz ausdrücklich erwünscht

Besonders hervorheben möchte von Graefe auch die lokale Produktionskette: Eingeschnitten, getrocknet, gehobelt und farbbehandelt würden die Baumstämme in der Sägerei Ruedersäge AG in Schlossrued. Diese habe sich von Anfang an stark dafür eingesetzt, dass ausschliesslich Badener Holz für den Spitalneubau verwendet wird.

Anschliessend verschraube das Holzbauunternehmen Erne AG aus Laufenburg die Holzteile zu den verschiedenen Fassadenelementen und montiere diese am Neubau. «Wir haben ausgerechnet, dass das Holz sich so in einem Umkreis von 126 Kilometer bewegt», so der Stadtoberförster.

Stadtoberförster Georg von Graefe verdeutlicht die lokale Produktionskette auf einer Karte.
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Mit einem stolzen Alter zwischen 100 und 120 Jahren sind diese Badener Weisstannen erntereif.
Der finale Farbton der Holzfassade (links im Bild) soll Wärme ausstrahlen und Spitalaufenthaltern ein heimeliges Gefühl geben.
Rolf Döbeli vom Fassadenbauer Erne AG Holzbau ist bei der Fällung ebenfalls vor Ort und erklärt die weiteren Produktionsschritte.

Stadtoberförster Georg von Graefe verdeutlicht die lokale Produktionskette auf einer Karte.

Britta Gut

«Der KSB-Neubau wird im Prinzip auf einer Waldlichtung gebaut»

Holz und weitere Naturmaterialien werden im neuen «KSB-Gesundheitscampus» nicht nur aus Nachhaltigkeitsgründen eingesetzt. Der vom Architekturbüro Nickl & Partner entworfene Neubau beruht auf den Prinzipien der sogenannten «Heilenden Architektur». So sollen die Wärme des Holzes, lichtdurchflutete Räume und der Ausblick auf die Natur machen, dass sich Patienten wohlfühlen und schneller genesen. Der KSB-Neubau ist das erste Spitalgebäude der Schweiz, das nach diesem Prinzip erbaut wird.

Heilungspotenzial sieht der Stadtoberförster nicht nur in der Bauweise, sondern auch im angrenzenden Wald:

«Im Prinzip wird das KSB auf einer Waldlichtung gebaut.»

Er lade Spitalaufenthalter deshalb ein, auf einem Erholungsspaziergang die frische, gesunde Waldluft zu schnuppern.