Baden
Neue Elektrofahrzeuge für Stadtreinigung und Entsorgung – so steht es um Lärm und Kosten

Der Badener Werkhof ersetzt Dieselfahrzeuge durch eine elektrische Variante und übergibt die Müllabfuhr an ein Privatunternehmen. Das ist zwar teuer, soll sich aber langfristig auszahlen.

Rahel Künzler
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Stadtrat Philippe Ramseier und Sabine Bärlocher von Obrist Transport und Recycling packen die Umstellung auf E-Fahrzeuge gemeinsam an.

Stadtrat Philippe Ramseier und Sabine Bärlocher von Obrist Transport und Recycling packen die Umstellung auf E-Fahrzeuge gemeinsam an.

Sandra Ardizzone

Die Badener Stadtreinigung wird elektrisiert: Zu den beiden kleinen Elektrotransportern für die Abfallsammlung in der Innenstadt und im Bäderquartier gesellt sich demnächst eine vollelektrische Strassenwischmaschine. 2022 soll ein weiterer Transporter hinzukommen. Die neuen E-Fahrzeuge wurden am Dienstagabend im Werkhof präsentiert.

Die Anschaffungskosten sind beträchtlich: Allein die Wischmaschine kostet zwischen 220'000 und 240'000 Franken, rund ein Drittel mehr als die dieselbetriebene Variante. Die Kehricht- und Grünabfuhr übergibt der Werkhof per Januar 2022 an die Obrist Transporte und Recycling AG. Die Neuenhofer Firma ist spezialisiert auf die Abfallentsorgung mit vollelektrischen Sammelfahrzeugen.

Stadtrat Philippe Ramseier (FDP) bezeichnet die Anschaffung als wichtigen Schritt: «Mit der E-Strategie hat der Stadtrat beschlossen, beim Ersatz von städtischen Fahrzeugen konsequent auf Elektroantrieb zu setzen.» Insbesondere Fahrzeuge, die vorwiegend im öffentlichen Raum zum Einsatz kommen, sollen schrittweise durch solche mit Elektroantrieb ersetzt werden. Dass die Präsentation trotz der aktuellen Coronamassnahmen stattfinden konnte, freut den FDP-Stadtrat ausserordentlich. So könnten sich die Anwesenden gleich selbst davon überzeugen, wie die Umstellung auf Elektromobilität Lärm und Gestank reduziere.

FDP-Stadtrat Philippe Ramseier äussert sich zur E-Strategie bei der Fahrzeugbeschaffung und dem «speziellen Fahrgefühl».

Sandra Ardizzone

Elektroantrieb für Stopp-und-Go besonders geeignet

Auch die Obrist Transporte und Recycling AG ist vor Ort und demonstriert die beiden E-Sammelfahrzeuge, die für den Entsorgungsauftrag der Stadt zum Einsatz kommen werden. Geschäftsleitungsmitglied Thomas Benz sagt:

«Für den Stopp-und-Go-Verkehr der Kehrichtabfuhr ist der Elektroantrieb besonders geeignet.»

Anders als bei dieselbetriebenen Fahrzeugen heule der Motor beim Anfahren nicht jedes Mal auf.

Werkhofleiter Thomas Stirnemann hat die Umstellung auf E-Fahrzeuge aktiv vorangetrieben.

Werkhofleiter Thomas Stirnemann hat die Umstellung auf E-Fahrzeuge aktiv vorangetrieben.

Sandra Ardizzone / BAD

Auch in der Innenstadt sollen mit der neuen Wischmaschine und den Elektrotransportern der Lärm durch Reinigungsarbeiten sowie die Abgasemissionen weiter abnehmen. Die 2017 von den Regionalwerken AG Baden auf dem Werkhofdach installierte Fotovoltaikanlage reicht aus, um die städtischen E-Fahrzeuge zu betreiben. Werkhofleiter Thomas Stirnemann sagt, in vier bis fünf Jahren seien die Mehrkosten zur Anschaffung aufgeholt, weil die Benzinkosten für den Betrieb wegfielen. Er findet ausserdem, die Stadt trage eine Vorbildrolle und solle «in wirtschaftliche Entwicklung investieren».

Mehr Littering in der Pandemiezeit?

Witzige Sprüche auf den Elektrotransportern wie «Ich fahre für Team Sauber» oder «Damit der Müll nicht Baden geht» sollen ausserdem auf Littering aufmerksam machen. Haben Litteringprobleme während der Pandemie zugenommen? Thomas Stirnemann verneint. Die Entwicklung über die Jahre verlaufe «wellenartig», sagt der Werkhofleiter. Mal gebe es mehr, mal weniger. Weil sich im vergangenen Jahr mehr Leute als üblich über den Mittag draussen verpflegten, seien auch etwas mehr Abfälle liegen geblieben. Die Zunahme halte sich aber im Rahmen.