Baden
Rassismuskritische Woche an der Kanti Baden: «Wir Jungen können etwas verändern»

Ein Team aus Schülerinnen, Schülern und Lehrpersonen der Kantonsschule Baden hat eine Veranstaltungsreihe gegen Rassismus organisiert. Das Interesse an Podiumsgesprächen, Vorträgen und Workshops übertraf die Erwartungen.

Rahel Künzler
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Das Team hinter der Themenwoche (v. l.): Kefo Iscen, Mazlum Bektas, Zoé Kaiser, Eliah Brunner, Lehrer Benjamin Ruch, Lehrerin Linda Büchler, Lorenz Bachofner und Agron Hasani.

Das Team hinter der Themenwoche (v. l.): Kefo Iscen, Mazlum Bektas, Zoé Kaiser, Eliah Brunner, Lehrer Benjamin Ruch, Lehrerin Linda Büchler, Lorenz Bachofner und Agron Hasani.

Alex Spichale

«Wo gibt es Rassismus?» Das ist die erste Frage, die Eliah Brunner am Mittwochmittag an der Kantonsschule Baden ins Mikrofon stellt. Der 18-jährige Maturand befindet sich auf dem Podium der Aula, vis-à-vis von ihm sitzt Klassenkollege und Co-Moderator Kefo Iscen. Im Saal wird es augenblicklich still. Rund 130 Jugendliche und einige Lehrpersonen hören zu. «Überall», antwortet Dembah Fofanah kurzangebunden.

Fofanah ist Mitgründer von «Vo da», einem Verein, der sich gegen Rassismus und Diskriminierung in der Schweiz einsetzt. Ein Beispiel: Im Juni 2020 schrieb «Vo da» einen offenen Brief an die Redaktion des Migros-Magazins, als diese in einem Beitrag stereotype Bilder von Menschen aus dem Balkan zeichnete. Erst im April hat der Verein nach mehreren Forderungen an die Stadt Zürich erreicht, dass rassistische Häusernamen und Wandbilder aus dem Niederdorf verschwinden. Fofanah sagt:

«Übrigens gibt es auch hier in Baden an der Rathausgasse 22 ein Haus, das bis heute das M-Wort im Namen trägt.»

Mit zwei weiteren Mitgliedern des Vereins ist Fofanah heute zu Gast an der rassismuskritischen Themenwoche «Ned so gmeint». Eine Gruppe aus 14 Schülerinnen, Schülern sowie einigen Lehrpersonen hat die Veranstaltungsreihe organisiert.

Publikum stellt Fragen anonym über App

Am heutigen Podiumsgespräch steht Rassismus im Alltag zur Debatte. Brunner und Iscen leiten die Moderation. Anfangs stockt das Gespräch noch etwas. Auf die Frage «Soll man sagen, wo die familiären Wurzeln liegen?» gibt es keine einfache Antwort. «Kommt drauf an, wie ich zum Gegenüber stehe», findet etwa Yasmin von «Vo da». Fofanah sagt:

«Fürs Kennenlernen ist die Herkunft in meinen Augen nicht von Relevanz. Ich möchte lieber etwas Persönliches von diesem Menschen erfahren.»
Die Moderatoren der Kanti Baden und das Kollektiv «Vo da» beim Gespräch.

Die Moderatoren der Kanti Baden und das Kollektiv «Vo da» beim Gespräch.

Alex Spichale

Die Diskussion kommt ins Rollen. Über eine App hat das Publikum die Möglichkeit, den beiden Moderatoren anonym Fragen zukommen zu lassen. «Soll man Häusernamen wie Zum M*****kopf entfernen? Oder wäre es möglich, diese mit einem Hinweis auf den darin enthaltenden Rassismus stehenzulassen?», lautet eine. Und: «Wie soll ich am besten reagieren, wenn jemand in der Runde einen rassistischen Spruch macht?» Auf solche Fragen antworten die drei Mitglieder von «Vo da» ausführlich.

Idee entstand in einem Spezialkurs

Nach dem Podium nehmen sich die beiden Moderatoren sowie Zoé Kaiser, zuständig für den Instagram-Kanal der Themenwoche, Zeit für ein Gespräch. Iscen sagt:

«Ich hätte nie gedacht, dass sich so viele Schülerinnen und Schüler für das Thema interessieren.»

Für die beiden Veranstaltungen am Montag und Dienstag seien jeweils über 200 Anmeldungen eingegangen.

Sie hoffen, mit den Events Mitschülerinnen und Mitschüler für Rassismus zu sensibilisieren: Zoé Kaiser, Kefo Icsen und Eliah Brunner.

Sie hoffen, mit den Events Mitschülerinnen und Mitschüler für Rassismus zu sensibilisieren: Zoé Kaiser, Kefo Icsen und Eliah Brunner.

Alex Spichale

Die drei involvierten Maturanden beschäftigt Rassismus schon länger. Bereits im Sommer 2020 haben sie gemeinsam den Spezialkurs «Black Lives Matter» besucht. Daraus sei die Idee einer Themenwoche entstanden. Brunner sagt:

«Viele sagen, Rassismus gibt es nur in Amerika und nicht bei uns.»

Doch habe gerade die Veranstaltung gezeigt, dass rassistische Sprüche im Alltag tief verankert sind. Darauf soll auch der Titel der Themenwoche hinweisen, so Kaiser. «Die Aussage ‹Ned so gmeint› ist problematisch.»

Themenwoche soll auch Schüler in der Zukunft erreichen

Alle drei sind überzeugt, dass sie mit der Themenwoche langfristig etwas bewirken können. «Rassismus betrifft die ganze Gesellschaft. Wir Jungen können etwas verändern», sagt Iscen. Brunner sagt:

«Wenn wir heute nur fünf Personen überzeugt haben und sie die Botschaft in ihrem Freundeskreis weiterverbreiten, haben wir unser Ziel erreicht.»

Aus diesem Grund habe man auch einen eigenen Instagram-Kanal erstellt, sagt Kaiser. «In einem Jahr sind wir nicht mehr an der Schule. So ist die Themenwoche für die Ewigkeit dokumentiert und für künftige Schülerinnen und Schüler leicht auffindbar.» Kaiser hofft, dass die Kanti in Zukunft weitere rassismuskritische Anlässe durchführt.

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