Baden
Royal bietet Kunstschaffenden auch in der Pandemie eine Bühne: «Wir sind froh, dass das Haus nicht leer steht»

Statt Konzerten organisiert das Badener Kulturhaus mehrtägige Gastaufenthalte für Musikerinnen und weitere Künstler. Das neue Format hat kreatives Potenzial – und kommt auch den Betreibern zugute.

Rahel Künzler
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Discokugel, Lichtshow und Rauch: Die Kulisse im Royal weckt bei David Hänni (links) und Bik Merz (rechts) Gefühle fast wie bei einem Liveauftritt.

Discokugel, Lichtshow und Rauch: Die Kulisse im Royal weckt bei David Hänni (links) und Bik Merz (rechts) Gefühle fast wie bei einem Liveauftritt.

Christoph Küng

Wer die Website des Badener Kulturhauses Royal aufruft, um nach lang vermissten Konzerten zu suchen, dem springt noch immer das «vorübergehend geschlossen» Pop-up-Fenster entgegen. Obwohl seit dem 19. April Kulturveranstaltungen mit bis zu 50 Personen wieder erlaubt sind, wird das Royal vorläufig noch keine organisieren. Christoph Küng des neunköpfigen Royal-Kollektivs sagt:

«Die Umstände ändern ständig. Wir sind müde vom kurzfristigen Neuplanen – vor allem vom Verschieben und Absagen.»

Im ehemaligen Kinosaal sei es zudem schwierig, die erforderlichen Abstände einzuhalten.

Still bleibt es im Badener Szene-Club trotzdem nicht. Seit Dezember bietet das Royal Musikerinnen, Theaterleuten, Poetry-Slammern und weiteren Kunstschaffenden während mehrerer Tage seine Räumlichkeiten zum Arbeiten. Die erste sogenannte «Royale Residenz» sei spontan auf Anfrage einer Band entstanden, erzählt Küng. Nun frage das Kollektiv auch selbst Künstlerinnen an, deren Veranstaltungen sie vergangenes Jahr absagen mussten. Zehn Residenzen hätten sie mittlerweile schon durchgeführt – fünf weitere seien bis Ende Juni geplant.

Das ehemalige Kino Royal in Baden.

Das ehemalige Kino Royal in Baden.

Philipp Zimmermann

Musiker: «Mit Licht und Rauch entsteht ein Feeling wie bei einem Liveauftritt»

Als Gäste im Badener Kulturpalast können Musiker wie Bik Merz und David Hänni – mit Künstlernamen Dâdalus & Bikarus – für einige Tage ihrem Bandkeller in Zürich entfliehen und an neuen Ideen tüfteln. David Hänni sagt: «Wir haben gute Erinnerungen ans Royal. Hier spielten wir vor knapp einem Jahr unser letztes Konzert.» Neben dem Gefühl auf der Bühne zu stehen, vermisse er auch den Austausch mit Musikerkollegen. Während der viertägigen Residenz in Baden möchten die Ex-Seetaler an neuen Songs für ein Album-Release im Herbst arbeiten. «Mit Licht und Rauch entsteht ein Feeling fast wie bei einem Liveauftritt», so Bik Merz.

Küng sagt: «Wir sind froh um Leben im Haus.» Das Royal-Team bemühe sich, gute Gastgeber zu sein. «Wir kochen und kümmern uns um eine Unterkunft», so Pascal Etzensperger, ein weiteres Mitglied des Kollektivs. Es sei bereichernd, Künstler länger im Haus zu haben: «Der Austausch ist emotionaler.» Auch für die Kunstschaffenden selbst habe das Format Potenzial. Küng sagt:

«Die Residenz bietet Raum zum Experimentieren.»

Für ein neues Projekt habe der Badener Sänger Donat Kaufmann einen Hackbrettspieler aus St.Gallen und eine Schlagzeugerin aus Bern ins Royal eingeladen. Auch interdisziplinäre Zusammenarbeiten seien schon entstanden. Ein Musiker und ein Visual Artist hätten gemeinsam für einen Liveauftritt geprobt.

Badener Bevölkerung unterstützt Royal auch in der Krise

Jeder Person, die auf Residenz vorbeikommt, zahlt das Royal eine kleine Gage. «Als Kulturveranstalter sind wir darauf angewiesen, dass Musikerinnen und weitere Künstler auch in der Pandemie weiterarbeiten können», sagt Küng. Der Verein finanziere dies primär durch Kultursubventionen, aber auch mit Eigenmitteln. Er betont:

«Auch in Krisenzeiten unterstützt uns die Badener Bevölkerung.»

Beispielsweise hätte jemand im Pandemiejahr das «Kulturprozent» im Haushaltsbudget nicht ausgeben können – und es stattdessen dem Royal gespendet.