Baden
Schlossbergpassage zu tief für neue Elektrobusse – warum müssen sie genau hier durchfahren?

Der «Blinddarm» muss umgebaut werden, damit die neuen Busse künftig durchfahren können. Wie viel kostet die Sanierung? Und gibt es keine Alternative zum Umbau? Der Badener Stadtrat und Bauvorsteher Benjamin Steiner nimmt Stellung.

Pirmin Kramer
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Für Dieselbusse ist die Schlossbergpassage hoch genug, nicht aber für die Elektrobusse, die hier durchfahren sollen.

Für Dieselbusse ist die Schlossbergpassage hoch genug, nicht aber für die Elektrobusse, die hier durchfahren sollen.



AZ-Archiv

«Ein Schildbürgerstreich erster Klasse», schreibt ein AZ-Leser in einer Mail an die Redaktion zum Umbau der Schlossbergpassage. Diese ist nicht hoch genug für die neuen Elektrobusse der Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen (RVBW) und muss darum saniert werden.

Die Bauarbeiten in der Passage, die im Volksmund «Blinddarm» genannt wird, erfolgen vom 15. bis 26. März. Der Strassenbelag wird um bis zu 20 Zentimeter abgesenkt, damit die 3,6 Meter hohen Busse problemlos durchfahren können.

Benjamin Steiner.

Benjamin Steiner.

Alex Spichale / BAD

In der Mitteilung der Stadt wurden die Kosten nicht erwähnt. Benjamin Steiner (Team), seit Dezember Bauvorsteher der Stadt Baden, erklärt: «Die Absenkung des Belages kostet rund 160'000 Franken, der Umbau in der Schlossbergpassage insgesamt knapp 400'000 Franken. Wir werden nicht nur die Bodenhöhe verändern, sondern noch weitere Massnahmen umsetzen, die seit längerer Zeit geplant sind.»

So werde etwa eine Signalisation installiert, die Velofahrerinnen und -fahrer beim Eingang auf der Bahnhofseite darauf hinweist, wenn gleichzeitig vom Schlossbergplatz her ein Bus unterwegs ist.

«Wir wollen keine laute Betonröhre»

Gab es keine andere Lösung als die Absenkung des Bodens? «Doch, es hätte Alternativen gegeben», erklärt Benjamin Steiner. «Zum Beispiel hätten wir die Holzdecke entfernen und dadurch die Passage erhöhen können. Aber aus städtebaulicher Sicht wäre das eine deutlich schlechtere Lösung, und das Einsparpotenzial ist gering.» Der Stadtrat wolle nicht, dass die Schlossbergpassage zu einer Betonröhre werde. «Dies hätte auch den Nachteil, dass es sehr viel lauter wäre. Für die Laden- und Gastrolokale in der Passage wäre dies ein Nachteil», sagt Steiner.

Am 17. März steht die Baustellensignalisation bereits.

Am 17. März steht die Baustellensignalisation bereits.

Bild: Philipp Zimmermann

Früher fuhr die Linie 5 der RVBW durch die Weite Gasse. Diese gehört seit einigen Monaten alleine dem Velo- und Fussgängerverkehr; die 5er-Dieselbusse fahren jetzt durch den Blinddarm. «Die Elektrobusse der Linie 5 nun doch wieder durch die Weite Gasse fahren zu lassen, kam nicht infrage», sagt Steiner. «Der Einwohnerrat hat sich mehrfach für eine busfreie Weite Gasse ausgesprochen. Der Entscheid ist demokratisch stark abgestützt.»

Wieso aber werden ausgerechnet auf dieser Linie Elektrobusse eingesetzt, für die es bauliche Anpassungen braucht? Benjamin Steiner erklärt: «Die Linie 5 eignet sich sehr gut für E-Busse, denn sie führt von der Badener Baldegg via Bahnhof zum Äusseren Berg in Ennetbaden. Die Busse können also zweimal nach unten fahren, wodurch die Batterie aufgeladen wird.» Hinzu kommt: In Zukunft werden sämtliche Busse der RVBW elektrisch angetrieben – diesen Grundsatzentscheid hat der Verwaltungsrat im Sommer gefällt.

Zurück zu den Kosten: Schon beim Umbau der Weiten Gasse im Jahr 2014 habe sich abgezeichnet, dass die Busse dereinst via Schlossbergpassage fahren würden und dass es dort deswegen Anpassungen braucht, sagt Steiner. «Darum ist es auch richtig, die jetzt umzusetzenden Massnahmen in der Schlossbergpassage über den Kredit Weite Gasse abzurechnen.»

An zwei Tagen wird der Blinddarm komplett gesperrt: am Montag, 15. März, und am Dienstag, 23. März, jeweils von 7 bis 17 Uhr. Während der übrigen Bauzeit bleibt die Schlossbergpassage für Fussgängerinnen und Fussgänger offen. Wer mit dem Velo unterwegs ist, muss absteigen und die Baustelle zu Fuss begehen.