Netto Null

Baden soll klimaneutral werden: Der Stadtrat setzt ein Anliegen der Grünen um

Im Frühling streikten Schülerinnen und Schüler in Baden für das Klima.

Im Frühling streikten Schülerinnen und Schüler in Baden für das Klima.

Die grüne Welle hat Baden erfasst: Monat für Monat reichen Politiker unterschiedlicher Couleur neue Forderungen für eine nachhaltigere Klimapolitik beim Stadtrat ein. Mit Erfolg: Seit Anfang Jahr gibt es beispielsweise mehr Geld für jene, die Ökostrom ins Netz der Regionalwerke einspeisen.

Nun hat sich der Stadtrat mit einer weiteren Motion befasst – und er setzt seinen Klimakurs fort: Die CO2-Emissionen in Baden sollen bis ins Jahr 2050 auf netto null gesenkt werden. Die Badener Regierung folgt damit der Forderung des grünen Einwohnerrats Steven van Petegem.

Dieser verlangte die Anpassung des städtischen Energiekonzepts an die Anforderungen des Pariser Klimaabkommens, dessen Umsetzung sich diesen Sommer auch der Bundesrat zum Ziel gesetzt hat.

Beschlossene Sache ist «Netto Null» zwar noch nicht; das Parlament wird Ende Monat abstimmen. «Aber wir empfehlen die Motion zur Überweisung, weil wir überzeugt sind, dass sich Baden den Herausforderungen einer zu hundert Prozent erneuerbaren Energieversorgung per 2050 stellen muss», schreibt der Stadtrat in einer Stellungnahme, die er gestern veröffentlicht hat.

Bereits im bestehenden Energiekonzept seien über 100 einzelne Massnahmen verankert; diese gelte es mit erhöhter Dringlichkeit umzusetzen. «Zudem sind weitere Massnahmen zu entwickeln, die sich am gesetzten Ziel orientieren.»

«Wir können das Problem nicht alleine lösen»

Die Stadt könne das Problem aber nicht alleine lösen: «Im Bereich der Wärmeversorgung ist unser Einfluss relativ gross, beim Verkehr und Konsumverhalten hingegen eher klein. Die Stadt ist auf Massnahmen seitens des Kantons und Bund sowie auf das Engagement der Bevölkerung angewiesen.»

Badens Energie-Koordinator Christian Vogler hält es für realistisch, dass «Netto Null» bis 2050 umgesetzt werden kann. «Der Weg ist noch weit, aber es bliebe auch noch viel Zeit.»

Worauf die Bevölkerung wohl verzichten müsste, damit das Ziel eingehalten werden könne, wies er bereits im Herbst hin: «Im Individualverkehr sowie bei der Wärmeproduktion, sprich den Heizungen, müssten wir ohne fossile Brennstoffe auskommen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die emissionsfreie Stromproduktion. Und ein gewisser Verzicht wird insbesondere beim Flugverkehr notwendig sein.»

Inwiefern hatte die Klimabewegung einen Einfluss auf den Entscheid der Stadt, sich «Netto Null» zum Ziel zu setzen? Auch in Baden kam es 2019 zu Protesten für besseren Klimaschutz, vor allem von Jugendlichen.

Stadtammann Markus Schneider: «Der Umgang mit Energie und Nachhaltigkeit sind dem Stadtrat schon lange wichtige Anliegen. Die Umweltwochen haben wir schon durchgeführt, bevor die Klimadiskussion gross aufkam. Und Baden trägt das Energiestadtlabel Gold.» Aber die Klimabewegung habe sicher einen beschleunigenden Effekt gehabt. Das zeige sich auch an den vielen Vorstössen aus dem Einwohnerrat.

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