Baden
Spektakuläre Montage: Die alte Holzbrücke erhält ihr einmaliges Kunstwerk zurück

Das «Flussobservatorium» ist aus dem Badener Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Nun haben die Pontoniere das restaurierte Kunstwerk wieder an der alten Holzbrücke montiert – auch der Erschaffer des Werks packte mit an.

Rahel Künzler
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Mit dem Kran ans Limmatufer, dann via Boot unter die Brücke: Die Montage des «Flussobservatoriums» erfordert Kreativität und Geschick.

Mit dem Kran ans Limmatufer, dann via Boot unter die Brücke: Die Montage des «Flussobservatoriums» erfordert Kreativität und Geschick.

Rahel Künzler

Erst letzte Woche organisierten die Badener Pontoniere Bootsfahrten fürs Jubiläum des Theaters im Kornfeld (Thik). Am Dienstag standen sie schon wieder im Einsatz für die Kultur – dieses Mal für die Montage des frisch restaurierten Kunstwerks «Flussobservatorium» auf dem Kulturweg Limmat.

Das Objekt von Künstler Vincenzo Baviera besteht aus vier bedruckten Stahlblechen, die wie ein Spiegel die halbkreisförmigen Gitterfenster der alten Holzbrücke beim Landvogteischloss verdoppeln. Die Restauration war nötig, weil UV-Strahlen die Farbpigmente des seit 2005 auf dem Kulturweg ausgestellten Werkes stark ausgebleicht hatten.

Künstler: «Ich wollte der Brücke die Augen öffnen»

Die frisch bedruckten Bleche wieder an ihrem angestammten Platz an der Brücke zu montieren, verlangte einiges an Teamwork: Mit einem ausfahrbaren Kranarm wurde eins nach dem anderen über die steile Böschung zum Ufer abgeseilt. Dann luden zwei Badener Pontoniere und ein Werkhofmitarbeiter die Kunstwerke aufs Boot und transportierten sie zur Flussmitte, wo sie ein weiterer Werkhofmitarbeiter mittels Seilzug hochzog und an der Holzverkleidung fixierte.

[10:36] Gülpinar Günes
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Rahel Künzler

«Jetzt hat die Brücke ihre Augen wieder geöffnet», sagt Künstler Vincenzo Baviera, der bei der Montage mit anpackt. Die Idee, die Brückenfenster mittels Fotografie zu verdoppeln, sei spontan bei einem Besuch in der Altstadt entstanden. Der 75-Jährige sagt:

«Mit den halbkreisförmigen Fenstern hatte die Brücke einen müden, verschlafenen Blick. Ich wollte sie aufwecken.»

Die Bauart der alten Holzbrücke fasziniert den studierten Architekten. Wie die Schaffhauser Rheinbrücke in seiner Heimat sei sie nach Grubenmann'schem Vorbild erbaut. Mit hölzernen Bögen aus langen, miteinander verzahnten Balken habe der berühmte Baumeister Brücken mit grosser Spannweite – ohne Zwischenpfeiler – konstruiert. Der Brückenbau sei dadurch entscheidend billiger geworden.

Nur wer genau hinschaut, entdeckt das Kunstwerk

«Am Flussobservatorium gefällt mir der direkte Bezug zum Kontext, zum Standort an der Holzbrücke. Das ist Kunst am Bau», sagt Christoph Doswald, Präsident der Kulturwegstiftung, in seiner Ansprache nach der erfolgreichen Montage. Mit dem starken Kontextbezug verkörpere Bavieras Werk den neuen Kunst- und Kulturbegriff.

«Nur wer genau hinschaut, merkt beim Vorbeilaufen, dass die unteren Fenster nicht echt sind, sagt Josef Meier, ehemaliges Stiftungsmitglied. Er sagt: «Das ‹Flussobservatorium› ist ein fester Bestandteil vom Stadtbild geworden.» Weil Meier die Restauration finanziert hat, wird dies nun für mindestens 15 weitere Jahre so bleiben.

Badener Pontoniere und Werkhofmitarbeiter packen gemeinsam mit an.
4 Bilder
Den Kran hat Künstler Vincento Baviera eigens für die Montage des «Flussobservatoriums» entwickelt.
Ungewohnte Perspektive: Vincento Baviera betrachtet sein Werk zum ersten Mal vom Wasser aus.
Nach der erfolgreichen Montage: Die alte Holzbrücke hat wieder Augen.

Badener Pontoniere und Werkhofmitarbeiter packen gemeinsam mit an.

Rahel Künzler