Baden
Spezialitäten aus der Heimatküche: Tapas-Bar Mira füllt die Nische auch in der Krise

Carlos Ferreira machte sich vor zehn Jahren selbstständig – wie er es schafft, dass ihm die Kundschaft während Corona treu bleibt.

Rahel Künzler
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Carlos Ferreira steckt viel Herzblut in sein erstes Restaurant. Die Jubiläumsfeier möchte er nachholen.

Carlos Ferreira steckt viel Herzblut in sein erstes Restaurant. Die Jubiläumsfeier möchte er nachholen.

Bild: Alex Spichale / BAD

Heute vor zehn Jahren eröffnete Carlos Ferreira die Tapas-Bar Mira an der Badener Stadtturmstrasse – die Jubiläumsparty Angestellten und der Stammkundschaft fällt weg, wegen Corona. Der seit dreizehn Jahren in Baden wohnhafte Unternehmer sagt:

«Mit der Feier wollte ich vor allem den Kunden, die mich über viele Jahre unterstützt haben, Danke sagen.»

Momentan liefere er immerhin Online-Bestellungen persönlich an seine Gäste aus. «Viele sind überrascht, wenn sie mich vor der Haustür antreffen.» Die Begegnungen seien ein schöner Ausgleich und gäben seinem Alltag Struktur.

Mit der Eröffnung des «Mira Vino y Tapas» wagte Ferreira 2011 den Schritt in die Selbstständigkeit. Nach verschiedenen Stationen in der Hotellerie und Gastronomie arbeitete er zuletzt als Geschäftsführer im Badener Restaurant Paparazzi. Eines Abends lief er am leer stehenden Ladenlokal des Mosers an der Stadtturmstrasse vorbei. Er las die Ausschreibung - und fand den perfekten Standort für sein eigenes Restaurant. Obwohl viele dem Konzept einer Tapas-Bar anfangs skeptisch begegnet seien, hielt Ferreira an der Idee fest. Er habe Baden schon damals als «innovative Stadt» erlebt und wollte eine Nische in der Gastroszene füllen.

Lücke in Badener Gastroszene gefunden

Nach zehn Jahren hat sich der Mut zur Lücke aus Ferreiras Sicht ausgezahlt. Der Portugiese mit spanischen Wurzeln brachte die Spezialitäten aus seiner Heimatküche nach Baden – und hat damit eine feste Kundschaft an sich gebunden. Das Lokal lief so gut, dass er 2017 mit dem «Colombo» gar ein zweites Restaurant in Baden eröffnen konnte. Gerade dass er seinem Konzept treu geblieben sei, habe viel zum Erfolg des «Mira» beigetragen, sagt der 42-Jährige. An der Speisekarte habe er über die Jahre nicht viel verändert. Die traditionellen spanischen Rezepte abzuwandeln, sei auch nicht im Sinne der Gäste.

In der wohl schwierigsten Zeit seines Wirkens bleibt der Gastro-Unternehmer positiv. Er versuche, aus der Situation das Beste herauszuholen. Das Take-away-Angebot hat er im zweiten Lockdown ausgebaut und einen Lieferservice auf die Beine gestellt. Der Onlineshop läuft gut, vor allem seine Stammkundschaft bestellt regelmässig. Die Arbeit stemmt er gemeinsam mit Aushilfen und Stundenlöhnern. «Diese Leute können keine Kurzarbeit beantragen. Ihr Lohn würde sonst ganz wegfallen.»

Härtefallgelder ungleich verteilt

Schon im ersten Lockdown hat Ferreira viel Zeit und Geld in ein Schutzkonzept investiert. Mit Plexiglas-Trennwänden zwischen den Tischen habe er zwar 18 Sitzplätze weniger, ein wirtschaftlicher Betrieb sei aber immer noch möglich.

«Ich möchte arbeiten und nicht weiter auf Kosten des Staats leben»,

sagt er. Weil die Fixkosten fürs «Mira» vergleichsweise tief seien, könne er die aktuelle Situation noch überdauern.

Schon im ersten Lockdown hat Carlos Ferreira Plexiglaswände zwischen den Tischen aufgestellt. Er hat dadurch 18 Sitzplätze eingebüsst.

Schon im ersten Lockdown hat Carlos Ferreira Plexiglaswände zwischen den Tischen aufgestellt. Er hat dadurch 18 Sitzplätze eingebüsst.

Bild: Alex Spichale

Anders sieht die Situation für den dreimal grösseren Betrieb des Restaurants Colombo aus. Hier hätte sich Ferreira mehr Unterstützung vom Kanton gewünscht. Weil er schon vor Corona rote Zahlen schrieb, sei sein Härtefallgesuch abgelehnt worden. Ferreira hätte sich mehr Verständnis und Flexibilität gegenüber der individuellen Situation erhofft. In der Start-up-Phase sei es schliesslich normal, dass man viel Eigenkapital investiere. «Ich verstehe aber auch, dass die Verwaltung derzeit unzählige Gesuche bearbeiten muss. Die Situation ist für alle schwierig.» Die grosse Unterstützung der Stadt Baden hätte er hingegen sehr geschätzt.

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