Wer im Falle einer Zustimmung der Prüfung eines Zusammenschlusses mit Baden ein regionales Erdbeben erwartet, liegt tatsächlich falsch.

Dennoch stellt sich die andere Frage: Was würde ein Nein bedeuten? Abgesehen von der Möglichkeit eines Referendums mit Urnenabstimmung wäre ein Nein in Ennetbaden von grosser Tragweite, denn damit würden in der Region sämtliche Zusammenschluss-Diskussionen in den nächsten vier bis fünf Jahren erstickt. Darum bedeutet diese unverbindliche Abstimmung in Ennetbaden, die an der Basis der Demokratie gefällt wird, die grosse Chance, ein wichtiges Zeichen für die Entwicklung der ganzen Region zu setzen.

Es ist beinahe müssig zu erklären, warum die Gemeinden in der Region über mögliche Zusammenschlüsse nachdenken sollten. Da ist einmal die finanzielle Seite: Die Zentrumsregion Baden-Wettingen steuert allein die Hälfte der 18 Millionen Franken an den kantonalen Finanzausgleich bei – Geld, das aus dieser Region abgezogen wird und zu einem Teil für ihre Stärkung verwendet werden könnte.

Die Regionsgemeinden verzetteln sich und ihre personellen wie finanziellen Ressourcen in Dutzenden von Gemeindeverbänden und Kooperationen. Dasselbe trifft für bedeutende Bereiche zu wie Alters- oder Jugendbetreuung, Spitex, Schulwesen und anderes.

In diesem Wirrwarr unzähliger Fäden Dutzender Netzwerke hat der Normalbürger weder den Überblick noch die Möglichkeit der Mitsprache. Was ist aber, wenn diese Fäden zu reissen beginnen, wenn eine wichtige Gemeinde nicht mehr bereit ist, die Führung zu bestreiten? Zudem bekunden die Gemeinden immer mehr Mühe, fähige Leute für Gremien und Kommissionen zu gewinnen, wo die Anforderungen stetig wachsen.

Dasselbe gilt für die Fachspezialisten in den Verwaltungen, wo sich bezüglich Know-how und Kompetenz die Kluft zwischen Chefbeamten und Milizpolitikern ständig vergrössert. Die enorme Entwicklung in den letzten drei Jahrzehnten hat inzwischen beklemmende Ausmasse angenommen.

Es ist darum sehr befremdend und eine unverständliche Unterlassung, dass der Gemeindeverband Baden Regio weder Gemeindezusammenschlüsse noch die Bildung einer Regionalstadt in irgendeiner Weise thematisiert. Er beschränkt sich bei einem Zeithorizont von 30 Jahren darauf, gemeindeübergreifende Planungsbereiche wie Raumentwicklung und Verkehr durch regionale Konzepte und Strategien abzudecken.

Dies, obschon sich der Verband bewusst sein muss, dass die Gemeindeautonomie deren Umsetzung wie in der Vergangenheit so auch in der Zukunft verhindern kann. So werden weiterhin wichtige regionale Projekte politisch in den Gemeinden entschieden. Aktuelles Beispiel ist das Sportzentrum Tägerhard, wo ein uraltes, regionales Bedürfnis nach einer richtigen Eissporthalle jetzt dem kommunalen Spareifer zum Opfer fällt.

Die Konsequenz eines Ja in Ennetbaden liegt auf der Hand: Alle Regionsgemeinden müssten ohne Anzeichen einer Notsituation über die Bücher gehen und sich diese Fragen stellen: Wie sehen langfristig unsere eigenen Möglichkeiten aus, wo soll sich unsere Gemeinde innerhalb der Region und die Region selber im Konkurrenzkampf der Wirtschaftsräume positionieren?

Es geht um einen sinnvollen Ausgleich von Industrie-, Gewerbe-, Freizeit-, Natur- und Wohngebietsflächen innerhalb einer Region mit viel Potenzial, es geht um nachhaltigen Umgang mit Ressourcen jeglicher Art. Die Region braucht ihre wirtschaftliche Bedeutung, die nicht zuletzt von der Grösse abhängt. Wettingen liegt schweizweit etwa auf Platz 40. Eine Regionalstadt Baden-Wettingen würde in den Top Ten der Schweiz mitspielen – ohne dass ein Stadtquartier Ennetbaden dabei seine Identität verlieren würde. Das ist die Chance, die man packen muss.