Baden
Vom liebevollen Waschen zur Mordszene: Bäderverein-Festival startet mit Filmreihe über die Vielseitigkeit des Badens

Mit dem Projekt «Vom Baden lernen» wollen die beiden Kuratoren Isabelle Meiffert und Mirko Winkel die traditionelle Bäderkultur würdigen. Die erste Ausstellung ihres Festivals findet nun ab dem 6. September statt – sie überrascht mit skurrilen Elementen.

Sarah Kunz
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Mordszenen in der Badewanne: Verschiedene Filmausschnitte sollen die Vielfalt des Bade-Motivs aufzeigen. Sie sind Teil des Filmprojekts.

Mordszenen in der Badewanne: Verschiedene Filmausschnitte sollen die Vielfalt des Bade-Motivs aufzeigen. Sie sind Teil des Filmprojekts.

Bild: zvg

Schon vor 2000 Jahren erkannten römische Legionäre die Heilwirkung des Thermalwassers und zelebrierten das Baden in den Thermen am Limmatknie. Diese traditionelle Bäderkultur will der Bäderverein Baden den Menschen in der Region wieder näherbringen und damit das kulturelle Erbe entsprechend würdigen. Um dieses Ziel zu erreichen, treibt der Verein diverse Teilprojekte voran – unter anderem das Projekt «Bäderkultur Baden».

Die Kuratoren des ersten Projekts: Mirko Winkel und Isabelle Meiffert.

Die Kuratoren des ersten Projekts: Mirko Winkel und Isabelle Meiffert.

Archivbild: Chris Iseli

Wie der Verein schreibt, soll dieses Teilprojekt in den kommenden zehn Jahren das treibende Element des Bädervereins sein. Alle zwei Jahre soll ein wechselndes Kuratorium Projekte zur Vermittlung von Kulturgeschichte und der historischen Substanz der Bäder erarbeiten. Vor einem Jahr wurde bekannt, wer das prestigeträchtige Projekt zum ersten Mal kuratieren wird: Isabelle Meiffert aus Berlin und Mirko Winkel aus Bern.

Schon damals waren sich die beiden Kuratoren einig, dass ihr Projekt den Titel «Vom Baden lernen» tragen soll. Meiffert und Winkel haben ein kleines Festival zusammengestellt, das ein Jahr lang in Form von verschiedenen Ausstellungen stattfindet (Siehe Box).

Das steckt hinter dem Projekt

Bei dem Mini-Festival «Vom Baden lernen» handelt es sich um die erste Phase des zehnjährigen Schwerpunktprojekts «Bäderkultur Baden» des Bädervereins. Bis zum Sommer 2022 werden unter dem Kuratoren-Duo Mirko Winkel und Isabelle Meiffert diverse Künstlerinnen und Künstler verschiedene Ausstellungen realisieren, die sich mit der Badetradition auseinandersetzen und an den unterschiedlichsten Orten im Stadtraum präsentiert werden.

Ein Filmfestival an Schauplätzen der Bäderhistorie

Der Auftakt zum sogenannten entschleunigten Festival wird nun am 6. September um 18 Uhr gefeiert. Bis zum 19. September werden jeweils von 14 bis 19 Uhr Filme der Berliner Künstlerin Bianca Kennedy an besonderen Schauplätzen der Bäderhistorie präsentiert: im Kurtheater, im Hotel Blume und im Saal des Limmathofs. Die Präsentation der Werke findet in Zusammenarbeit mit dem internationalen Festival für Animationsfilm Fantoche statt.

Der Spielfilm «Bath the Pain Away» von Künstlerin Bianca Kennedy wird im Saal des Limmathofs gezeigt.

Der Spielfilm «Bath the Pain Away» von Künstlerin Bianca Kennedy wird im Saal des Limmathofs gezeigt.

Bild: zvg

An diesen drei Schauplätzen können Besucherinnen und Besucher kostenlos je einen Film schauen. So wird im Saal des Limmathofs der 45-minütige Spielfilm «Bath the Pain Away» über die Leinwand flimmern – auf Deutsch läuft er zu jeder geraden Stunde, auf Englisch zu jeder ungeraden.

Der Film begleitet eine Richterin im Jahr 2029, die sich in ihre Badewanne auf Rädern zurückgezogen hat und von dort aus ihr Leben bestreitet. Wie der Bäderverein mitteilt, behandelt der Film über das Bademotiv Themen wie Nachhaltigkeit und den Umgang mit neuen Technologien.

Im Atrium Hotel Blume können sich Besucherinnen und Besucher in einer Badewanne und mittels Virtual-Reality-Brille das animierte 360-Grad-Video «VR all in this together» ansehen. Dieses basiert auf Zeichnungen von Künstlerin Bianca Kennedy und soll ein immersives Badeerlebnis für alle Sinne bieten.

Im Atrium Hotel Blume können Gäste beim Baden mit einer Virtual-Reality-Brille entspannen.

Im Atrium Hotel Blume können Gäste beim Baden mit einer Virtual-Reality-Brille entspannen.

Bild: zvg

Ziel der Filme: Sie sollen entspannen und überraschen

Die Ausstellung im Sachs-Foyer des Kurtheaters sieht hingegen weniger entspannend aus. Dort werden auf einer Drei-Kanal-Videoinstallation Ausschnitte aus über 60 Jahre Filmgeschichte gezeigt. Vom fürsorglichen Waschen bis hin zum Mord soll der 14-minütige Zusammenschnitt mit dem Namen «We’re all in this together» die Vielfalt des Bade-Motivs reflektieren und dessen soziale Relevanz demonstrieren. Dafür werden auf drei Bildschirmen 200 Szenen in der Badewanne gezeigt.

Der Trailer wirkt verwirrend, zeitweise gar etwas verstörend – eine Schlange in der Wanne, von Blut rot gefärbtes Wasser. Doch genau das will das Filmprojekt: mit skurrilen Elementen überraschen und das Baden dabei multisensual reflektieren und erlebbar machen.

Als nächste Ausstellung im Rahmen des Mini-Festivals «Vom Baden lernen» sollen am 31. Oktober dann die sogenannten Schwitzbäder in Kooperation mit dem Verein Bagni Popolari, dem österreichischen Philosophen Armen Avanessian und der Archäologin Andrea Schaer folgen. Es handelt sich dabei um ein diskursives Programm im Wasser.

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