Baden-Wettingen
«Eine breite Bewegung konnte nicht ausgelöst werden»: Verfechter der Regionalstadt geben auf

Der Verein Traktandum 1 war vor sieben Jahren mit viel Euphorie gegründet worden, um sich für Fusionen in der Region Baden-Wettingen einzusetzen. Weil das Interesse aber stark abgeflacht ist, wurde die Auflösung beschlossen.

Claudia Laube
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Blick auf die Hochbrücke, die Baden und Wettingen miteinander verbinden.

Blick auf die Hochbrücke, die Baden und Wettingen miteinander verbinden.

Sandra Ardizzone

Was vor sieben Jahren vielversprechend gestartet ist und zwischenzeitlich auf rund 150 Mitglieder anwuchs, wurde diese Woche von gerade einmal neun Personen beerdigt: Der Verein Traktandum 1 hat am Donnerstagabend einstimmig seine Auflösung beschlossen. Er hatte zum Zweck, Gemeindefusionen zu fördern – mit dem längerfristigen Ziel einer Regionalstadt Baden-Wettingen. Weil das Interesse der Mitglieder aber stark abgeflacht ist, hat sich der Verein zu diesem Schritt entschlossen.

«Traktandum 1 konnte wenig bewirken, eine breite Bewegung konnte nicht ausgelöst werden», begründet der Verein die Auflösung in einer Mitteilung. Dennoch zeigt sich Präsident Marco Kaufmann nicht enttäuscht: «Natürlich ist es schade, aber das Thema hat in der Politik Schwung aufgenommen, aufseiten der Gemeinden läuft etwas, die Diskussionen werden geführt.»

So lautete eines der Jahresziele des Badener Stadtrats für 2021: «Erste Resultate aus der 60'000-Einwohnermodellstadt sollen vorliegen.» 13 Gemeinden haben inzwischen entschieden, in mehreren Bereichen enger zusammenzuarbeiten. In Turgi und Baden wurde am 13. Juni die erste grosse Hürde auf dem Weg zur Fusion genommen, als die Bevölkerung der Ausarbeitung eines Fusionsvertrags zustimmte.

Das war auch das letzte Mal, dass sich Traktandum 1 in die Debatte einmischte. Wenige Wochen vor der Abstimmung hatten sich vermehrt kritische Stimmen zu Wort gemeldet. Der Zusammenschluss Baden-Turgi sei nicht die Lösung, aber ein Zeichen für einen zukunftsweisenden Weg, dem sich hoffentlich weitere Gemeinden anschliessen würden, schrieb der Verein in einer Mitteilung. «Es geht um eine starke Region Baden-Wettingen im Konzert der Regionen in der Schweiz.»

Der Wettinger Marco Kaufmann hat das Präsidium 2016 von Erich Obrist übernommen, nachdem dieser in den Badener Stadtrat gewählt wurde.

Der Wettinger Marco Kaufmann hat das Präsidium 2016 von Erich Obrist übernommen, nachdem dieser in den Badener Stadtrat gewählt wurde.

zvg

Kaufmann fällt es schwer zu eruieren, warum die Luft bei den Mitgliedern draussen ist: «Man kann nicht immer alles auf Corona schieben. Vielleicht liegt es am Thema, das halt auch gewisse Wiederholungen mit sich bringt.» In den vergangenen Jahren hätten sich immer weniger Leute zu den Vereinsversammlungen und Veranstaltungen eingefunden. Eine letzte solche fand im September 2019 statt. Da diskutierten verschiedene Nationalratskandidatinnen und -kandidaten das Thema Fusionen. Doch nur noch wenige Zuhörerinnen und Zuhörer fanden den Weg an die Podiumsdiskussion.

Der Tiefpunkt dann an der Vereinsversammlung diese Woche. Eigentlich wollte man zum Abschluss noch etwas Feierliches bieten. Doch weil sich nur vier Vereins- und fünf Vorstandsmitglieder anmeldeten, wurde das Rahmenprogramm stark gekürzt: Eine Rede von Badens Stadtammann Markus Schneider und ein Auftritt von Bühnenpoet Simon Libsig wurden kurzfristig wieder abgesagt.

Vorstand schrumpfte auf sechs Mitglieder

Deshalb musste auch der Veranstaltungsort ins Kulturzentrum Ennetraum in Ennetbaden verlegt werden, einem deutlich kleineren Raum. Geplant war die Vereinsauflösung zuerst am gleichen Ort, an dem schon die Gründung feierlich begangen wurde: in der Wettinger Brauerei Lägerebräu. Zu den Gründungsmitgliedern von Traktandum 1 gehörten im November 2014 noch 13 Personen aus verschiedenen Gemeinden und Parteien, am Schluss waren es noch sechs. Der Wettinger Marco Kaufmann hatte das Präsidium 2016 von Erich Obrist übernommen, nachdem dieser in den Badener Stadtrat gewählt worden war.

Ein Gründungsmitglied war auch der Badener Historiker Bruno Meier, der an der nun letzten Vereinsversammlung zurückblickte und darüber sinnierte, wie die Region heute aussehen würde, hätten sich Neuenhof und Baden 2010 zusammengeschlossen – was bekanntlich von den Badener Stimmberechtigten bachab geschickt wurde.

Nun wird die Traktandum-1-Website Ende Oktober archiviert, vorgängig aber deren Inhalte von Bruno Meier gesichert. Denn: «Sollte es eines Tages wieder ein Bedürfnis dafür geben, kann der Verein auch wieder reaktiviert werden», sagt Kaufmann.

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