Der Umbau der Schulhausplatzkreuzung führt dazu, dass weniger Leute in Baden einkaufen als früher – diese Feststellung haben Gewerbetreibende in der Innenstadt schon im vergangenen Herbst gemacht. So deutlich wie nun Susanne Arnosti, die in der Vorderen Metzggasse eine Kleiderboutique betreibt, hat aber wohl noch niemand seinen Unmut über die aktuelle Situation kundgetan. In einem offenen Brief an die Stadt schreibt Arnosti: «Baden baut sich zu Tode. Wenn es so weitergeht, wird Baden zu einer Geisterstadt ohne Geschäfte. Die Kundenfrequenz ist erschreckend gesunken.»

Arnosti, die ihren Laden in Baden seit 2009 betreibt, stört sich an vielem im Zusammenhang mit den Bauarbeiten. Zum Beispiel an der Signalisierung auf den Strassen in Richtung Zentrum, wo es auf Schildern heisst, die Durchfahrt sei erschwert. «Ein besseres Warnschild, die Stadt doch bitte schön zu umfahren und links liegen zu lassen, gibt es nicht», sagt Arnosti zynisch. Vielmehr sollten die Behörden darauf aufmerksam machen, wie es in der Realität aussehe: «Ausgenommen im Morgen- und Feierabendverkehr gelangt man fast ohne Verzögerung in die Innenstadt. Parkplätze hat es hier ebenfalls genug.» Ausserdem sei Baden mit öffentlichen Verkehrsmitteln hervorragend erreichbar.

Die gebürtige Stuttgarterin Arnosti nimmt auch kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, die Werbemassnahmen des Gewerbevereins City Com Baden kritisch zu beurteilen. «Aktiönchen wie beispielsweise Blumen zu verschenken, sind ja wohl eher Kinderkram. Das lockt niemanden in die Stadt –  schon gar nicht Leute, die etwas einkaufen wollen; es kommen höchstens Profiteure, um irgendwo etwas gratis abzuholen. Und wo sind die Politiker? Die haben sich mal wieder verkrochen, es stehen ja keine Wahlen an in Baden.»

Rund 15 Prozent Umsatzeinbusse habe sie seit Ende Sommer hinnehmen müssen, das sei dramatisch. Der diesjährige Frühlingsverkauf sei mies gewesen, wie zuvor der Winterverkauf, berichtet Arnosti. «So kann und darf es nicht weitergehen.» Darum richtet sie einen Appell an alle, denen die Stadt ans Herz gewachsen ist: «Unterstützt das Badener Gewerbe, helft uns allen, zu überleben. Wer nicht will, dass in Baden die Geschäftevielfalt gänzlich verloren geht, wird darum gebeten uns zu helfen.»

Und was sagt die City Com Baden, die Arnosti mit ihren Worten wachrütteln will? Vorstandsmitglied Michael Wicki: «Unser Budget für Aktionen und Werbung beträgt rund 130 000 Franken pro Jahr, wir brauchen es beispielsweise für Events wie den Winterzauber oder Kid’s City in den Herbstferien. Wir würden gerne noch viel mehr Events durchführen, aber riesige Sprünge können wir leider nicht machen.» Jeder Gewerbetreibende, der eine gute Idee vorzuweisen habe, wie die Stadt für Besucher attraktiver gemacht werden kann, dürfe sich gerne bei der City Com melden. Wicki: «Die Situation ist für das Badener Gewerbe mit Gewissheit nicht einfach. Nicht nur wegen der Bauarbeiten, sondern auch wegen des Einkaufstourismus.»