Nachfolge Beyeler
Baden würde Ammann Attiger ungern ziehen lassen

Stephan Attiger ist nicht ohne Grund Kronfavorit für die Beyeler-Nachfolge. Sein politischer Werdegang ist von beherztem Engagement gezeichnet. «Er ist einer, der mit sichtbarer Freude politisiert», sagt Wettingens Ammann Markus Dieth.

Roman Huber
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Steht in der FDP zuvorderst in den Startlöchern: Badens Stadtammann Stephan Attiger.Corinne Rufli

Steht in der FDP zuvorderst in den Startlöchern: Badens Stadtammann Stephan Attiger.Corinne Rufli

Um den Badener Stadtammann kommt die FDP nicht herum, wenn sie den Regierungsratssitz im Herbst behalten will. Erklärt sich Stephan Attiger aber für eine Kandidatur bereit, wird es für die Stadt Baden ein schmerzlicher Herbst. Denn so viel ist klar: Stadtrat, Verwaltung, Einwohnerrat und Bevölkerung werden Attiger ungern nach Aarau ziehen lassen.

Sein politischer Werdegang ist von beherztem Engagement gezeichnet. «Er ist einer, der mit sichtbarer Freude politisiert», sagt Wettingens Gemeindeammann Markus Dieth. Er schildert ihn als integre Persönlichkeit, einen weitsichtig denkenden Politiker, wie er dem Aargau guttut. Wahrhaft: Attiger ist kein Mann der grossen oder leeren Worte, sondern einer, der zuhört, analysiert und einordnet, dann eine gute mehrheitsfähige Lösung sucht und diese gezielt umsetzt. Dass er von links bis rechts geschätzt und geachtet wird, hat eine Erklärung. Mit dem Verständnis für andere Meinungen ist es Attiger immer wieder geglückt, in schwierigen Situationen einer guten Sache zum Durchbruch zu verhelfen. Das gilt für seine Finanz- und Wirtschafts- wie für die Verkehrspolitik. Auch im Kulturellen und Sozialen zeigt Attiger Gehör für Bedürfnisse: Die Zwischennutzung im Kino Royal ist ein Beispiel, ebenso die Wohnbaustrategie mit der Stiftung, die im Brisgi-Areal eine Überbauung ermöglichen soll.

In der Region hat Attiger markante Spuren hinterlassen. In der gemeindeübergreifenden Zusammenarbeit sind in seiner Amtszeit grosse Fortschritte erzielt worden, so auch für die wichtigen Regionalprojekte Kurtheater und das Tägi in Wettingen. Er erkennt sehr rasch das Wesentliche und steht mit Überzeugungskraft zu einem Projekt.

Bei Diskussionen um wichtige Projekte sieht Attiger das Problem und führt die Entscheidungsträger zu einer gemeinsamen Lösung. Einzig die Abstimmung über das Zusammenschlussprojekt mit Neuenhof musste er als schmerzhafte Niederlage hinnehmen. «Ich bin manchmal ungeduldig in gewissen politischen Prozessen», gesteht er. Dies zeigt aber seine Macher-Qualitäten. Attiger gilt als Mann der Wirtschaft. Er weiss aber, dass Nachhaltigkeit heute ein Gebot ist. «Wir müssen unserer Umwelt Sorge tragen.» In seiner Amtszeit ist die Nachhaltigkeit in der Verwaltung zu einer wesentlichen Prüfungsgrösse geworden. In seine Zeit fiel die Vergabe des Golden Energy Award an Baden. Einzig das Tempo, das er etwa anschlägt, mag hie und da zu forsch sein. «Wenn ich zu viele Dinge auf einmal erledigen will, muss ich mich manchmal selber bremsen», weiss er selber.

AttigEr braucht sich nicht in den Mittelpunkt zu stellen, um Präsenz zu markieren. Seine Auftritte sind von Sein und nicht von Schein geprägt. Wo er hinkommt, da stösst er auf Sympathie, auch wenn es hart auf hart geht. Oft ist es jeweils sein offener Humor, der schon heikle Situationen entkrampft hat. In seinem Umkreis wird dann spürbar, dass er als Politiker mit Herz und Verstand gilt, der den Blick für die Zukunft hat. «Ein wichtiger Faktor des künftigen modernen Schulsystems sind die Tagesstrukturen.» Oder: «Diesem Motor unserer Wirtschaft gilt es Sorge zu tragen», womit er Firmen, Arbeitsplätze, Ausbildungsplätze meint. Alles weise Worte, unspektakulär hervorgebracht.