Baden
Zwei wie Tag und Nacht: Esther Frischknecht und Steffi Kessler wollen neu in den Stadtrat

Die eine politisiert klar bürgerlich, die andere am linken Rand der SP: Das politische Profil der beiden Stadtratskandidatinnen unter der Lupe.

Pirmin Kramer
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Esther Frischknecht (links) und Steffi Kessler: Unterschiedlicher könnten ihre Vorstellungen zur Zukunft der Stadt Baden kaum sein.

Esther Frischknecht (links) und Steffi Kessler: Unterschiedlicher könnten ihre Vorstellungen zur Zukunft der Stadt Baden kaum sein.

Bilder: Severin Bigler, Tibor Nad

So viel steht schon einen Monat vor den Wahlen fest: Baden wird eine neue Stadträtin erhalten. Weil Erich Obrist (parteilos) nicht mehr zur Wahl antritt, wird entweder Esther Frischknecht oder Steffi Kessler (SP) in den Stadtrat nachrücken. Ebenfalls möglich: Dass beide Kandidatinnen gewählt werden. Dieser Fall tritt ein, wenn einer der sechs bisherigen Stadträte abgewählt wird. Allerdings kommt es in Baden äusserst selten vor, dass Stadträte die Wiederwahl nicht schaffen, Geri Müller war 2017 die bekannte Ausnahme.

Das politische Profil von Esther Frischknecht, im Vergleich mit den Kandidatinnen und Kandidaten der FDP-Einwohnerratsliste.

Das politische Profil von Esther Frischknecht, im Vergleich mit den Kandidatinnen und Kandidaten der FDP-Einwohnerratsliste.

Anonymous

Aufgrund dieser Ausgangslage lohnt es sich, das politische Profil der beiden Kandidatinnen genauer zu betrachten. Dabei fällt auf: Beide politisieren tendenziell an den Polen ihrer Parteien. Klar der Fall ist dies bei Steffi Kessler, die am linken Rand der SP steht, wie die Grafik von Smartvote zeigt. Ihr ist, auch im Vergleich mit den Einwohnerratskandidatinnen und -Kandidaten ihrer Partei, insbesondere ein ausgebauter Sozialstaat wichtig. Und sie setzt sich für eine liberale Gesellschaft ein. Auch bei der Migrations-, der Wirtschafts- und Finanzpolitikpolitik steht sie für ausgeprägt linke Positionen.

Das politische Profil von Steffi Kessler, im Vergleich mit den Kandidatinnen und Kandidaten der SP-Einwohnerratsliste.

Das politische Profil von Steffi Kessler, im Vergleich mit den Kandidatinnen und Kandidaten der SP-Einwohnerratsliste.

Anonymous

Auf Parteilinie liegt sie beim Umweltschutz – diesbezüglich passt in Baden inhaltlich kaum ein Blatt zwischen SP und Grüne. Die Grafik zeigt deutlich: Steffi Kessler politisiert in keinem Teilbereich rechts von ihrer Partei.

Esther Frischknecht unterscheidet sich von ihrer Partei am stärksten bei Fragen zur Wirtschaftspolitik, wobei sie eine noch liberale Haltung vertritt. Auch bei der Finanzpolitik und beim Umweltschutz politisiert sie leicht weiter rechts als ihre Parteikolleginnen und -Kollegen. Hingegen vertritt sie eine gemässigtere Migrationspolitik, und sie steht gesellschaftspolitisch leicht links von der Stadtpartei. Die Spider-Grafik basiert auf Fragen und Antworten, die sich zum Teil auch mit städtischen Themen befassen. Die grössten Unterschiede zwischen den Kandidatinnen bestehen bei der Verkehrspolitik: Frischknecht will keine zusätzlichen Tempo 30-Zonen, und sie befürwortet die geplante Umfahrung von Baden unter anderem durch den Bau einer neuen Limmatbrücke, während Kessler jeweils die gegenteilige Meinung vertritt.

Entgegengesetzte Meinungen haben die beiden auch bei der Finanzpolitik: Kessler findet nicht, dass Baden mehr sparen und die Steuern senken soll. Uneinig sind sie sich auch bei der Frage, ob die Stadt Baden in ihrer Kommunikation genderneutrale Bezeichnungen verwenden soll wie etwa Stadtpräsidentin oder Stadtpräsident (ja, findet Kessler) oder weiterhin Stadtammann (ja, findet Frischknecht).

Es gibt vereinzelt Gemeinsamkeiten

Frischknecht und Kessler - zwei Politikerinnen wie Tag und Nacht? Gemäss Smartvote scheint dies mehrheitlich der Fall zu sein. Aber es gibt sie, die wenigen Themen, in denen die beiden übereinstimmende Haltungen vertreten. Beide befürworten eine Fusion von Baden und Turgi, beide sind grundsätzlich für einen Ausbau der Kinderbetreuungsangebote, und beide fänden eine bauliche Verdichtung in der Innenstadt sinnvoll.

Und auch die Frage, ob das Kulturbudget der Stadt gekürzt werden soll, beantworten beide mit einem eher Nein (Frischknecht) beziehungsweise einem Nein (Kessler). Zweifellos auch taktische Antworten – denn Kultur ist eines jener Ressorts, die es durch den Abgang von Erich Obrist neu zu besetzen gilt, und das die Siegerin des Duells womöglich künftig betreuten wird.

Zuletzt noch dieselbe Frage an die beiden Kandidatinnen: Warum sollen Wählerinnen und Wähler aus dem anderen politischen Lager Ihren Namen auf den Zettel schreiben?

Steffi Kessler sagt: «Ich habe 24 Jahre Berufserfahrung, sowohl als Selbständigerwerbende (mit eigener Firma) wie auch im Angestelltenverhältnis. Gesamthaft habe ich bisher 13 Jahre auf einer Verwaltung gearbeitet.» Die Arbeitsweise der öffentlichen Hand sei ihr daher vertraut. Als Teammensch sei sie überzeugt, dass durch Zusammenarbeit und Dialog nachhaltige Lösungen entstehen, mit denen alle leben können – Linke wie Bürgerliche. Und Kessler sagt: «Ich bin authentisch, interessiert am Gegenüber und gut vernetzt.»

Esther Frischknecht derweil antwortet: «Natürlich positioniere ich mich bürgerlich. Aber ich bin nicht ideologisch festgefahren, sondern offen für andere Meinungen. Für gute Ideen kann ich mich begeistern – egal, ob sie von rechts oder links kommen.» In der Lokalpolitik gehe es vorwiegend um konkrete Projekte und weniger um generelle Werthaltungen. Esther Frischknecht: «Das Ziel ist immer die beste Entscheidung für Baden.»

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