Baden
Zwischen Neid, Gier und Freundschaft: Figurentheaterfestival im Kleinformat – mit internationalen Gästen

Nachdem das Figura Theaterfestival 2020 in Baden coronabedingt ins Wasser fiel, spielen die Figuren am Wochenende wieder. Eine Theaterkompanie ist nur dank der Pandemie dabei.

Sharleen Wüest
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Auch bekannte Märchen wie Schneewittchen gehören zum Figura Theaterfestival.

Auch bekannte Märchen wie Schneewittchen gehören zum Figura Theaterfestival.

Foto: Klaus Zinnecker

Extremes Wetter erschüttert Baden. Auch Schneewittchen ist in der Aargauer Stadt anzutreffen – samt verrückten Zwergen und verliebtem Prinz. Baden ist der Mittelpunkt des Abenteuers. Das kann nur eines heissen: Figurentheater ist angesagt.

Eigentlich hätte 2020 das Figura Theaterfestival stattfinden sollen, doch es fiel wie vieles andere Corona zum Opfer. Die Figuren erst am Figura Theaterfestival 2024 wieder spielen zu lassen, kam für die Initiatoren des Festivals nicht in Frage. Deshalb findet vom 11. bis 13. Juni 2021 das «figurati!» Objekt- und Figurentheater-Wochenende statt. Das italienische Wort figurati bedeutet «stell dir vor» – genau das hat das Festival-Team in den letzten Monaten getan. Die Planungsphase war geprägt von Unsicherheiten. Denn: Welche Massnahmen im Juni gelten würden, war unklar. «Wir hatten aber einen Plan B», sagt Eveline Gfeller, die künstlerische Leiterin. Die Stücke hätten an der frischen Luft aufgeführt oder live übertragen werden können. Doch das Team hatte Glück, den Ersatzplan braucht es nicht.

Eine Theaterkompanie reist aus Russland an

Gezeigt werden insgesamt vier Produktionen – allesamt Lieblinge des Teams. Die Themen sind bunt gemischt. Die belgische Produktion «Dimanche» widmet sich der globalen Erwärmung und zeichnet ein Porträt einer Menschheit, die von nicht mehr kontrollierbaren Naturgewalten bezwungen wird. Die belgische Theaterkompanie ist international bekannt. Eigentlich wäre eine Tournee angesagt – doch die Pandemie machte deren Vorhaben einen Strich durch die Rechnung. Ein kleiner Hoffnungsschimmer für das Badener Figura Theaterfestival: «Die Möglichkeit, diese Produktion zu zeigen, mussten wir packen», sagt Gfeller.

Die Natur ist auch in der französischen Objekttheater-Fabel «Tire-toi de mon herbe Bambi!» Thema. Ein Paar kauft sich ein Haus mitten im Wald. Bald darauf beginnt ein heftiger Kampf voller Unvernunft – die beiden sind gierig, möchten die Natur um sich herum beherrschen. Eine dritte Theaterkompanie legt einen weiten Weg zurück. Sie reist aus Russland an, um das Stück «Vanya» aufzuführen. «Eine russische Produktion ist in der Schweiz eher selten», meint Gfeller. Die mit Tischfiguren gespielte Geschichte verfolgt die rätselhafte russische Seele.

Doch zwischen all den Abenteuern dürfen im Zwischenfestival auch altbekannte Geschichten nicht fehlen. Die Schneewittchen-Adaption «Einmal Schneewittchen, bitte» bringt ein bisschen Magie, jede Menge Neid und eine grosse Portion Freundschaft auf die Bühne.

Der erwartete Ansturm bleibt aus

Bei der Planung fällt vor allem Eines auf: die rein internationalen Stücke. Die künstlerische Leiterin erklärt: «Wir sind auch zu normalen Zeiten ein internationales Festival, das wollten wir so beibehalten.» Dennoch beschäftigen die nötigen PCR-Tests sowie die Quarantäne das Team.

Seit knapp einer Woche läuft der Vorverkauf. Doch der erwartete Ansturm auf die Tickets bleibt aus. Die Bevölkerung zeigt sich zurückhaltend. Gfeller bleibt positiv: «In vorangegangenen Jahren hatten wir immer einen längeren Vorlauf und mehr Werbung. Doch es werden stetig neue Reservationen gemacht.» Lohnt sich der Aufwand überhaupt? «Sicher! Es ist Theater», sagt Gfeller. Endlich könnten wieder kulturelle Veranstaltungen besucht werden. Das muss dem Team nicht zweimal gesagt werden: «Wir möchten mit einem Paukenschlag präsent sein.»