Baden/Ennetbaden
Drei Badener Künstler werfen im gemeinsamen Projekt existenzielle Fragen auf

Roman Hofer, Ralph Wiedemeier und Roger Fehlbaum schaffen mit «Tracks of Life» in der Ennetbadener Galerie am Fluss eine multimediale Ode an das Leben.

Ursula Burgherr
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Das Künstlerkollektiv von «Tracks of Life»: (v.l.) Ralph Wiedemeier, Roman Hofer und Roger Fehlbaum.

Das Künstlerkollektiv von «Tracks of Life»: (v.l.) Ralph Wiedemeier, Roman Hofer und Roger Fehlbaum.

zvg/Markus Muoth

Da steht der Betrachter vor einer der sieben runden, mehrschichtig lackierten Bildplatten, und sein Blick verliert sich in den Hunderten von fein eingefrästen Rillen, die alle minutiös von Hand ausgeschliffen sind. Licht blitzt auf, bündelt sich im Zentrum und taucht das Objekt in ein schillerndes, transzendentes Farbenbad. Dazu ertönen meditative Klänge einer japanischen Bambusflöte. Bild, Klang und Licht verschmelzen und werden eins.

Der siebenteilige Bild-, Ton- und Lichtzyklus der Badener Künstler Roman Hofer, Ralph Wiedemeier und Roger Fehlbaum ist eine Ode an das Leben und die ganz verschiedenen Fussabdrücke, die jeder Mensch hinterlässt. Eine der unzähligen feinen Spuren in den Bildern, die im Ton- und Lichtregen aufblitzen und wieder verschwinden, könnte die eigene sein.

Wer etwas Distanz zu den Werken nimmt, sieht aber auch, wie fragil das Geflecht an Tausenden feiner Kerben ist. Sie stehen symbolisch dafür, dass jedes Individuum seine eingefahrene Spur verlassen kann. Oder sogar muss. Hofer sagt:

«Gerade die Coronapandemie hat uns vor riesige Herausforderungen gestellt und bei vielen eine enorme existenzielle Unsicherheit ausgelöst.

Doch die meisten Menschen sehnen sich nach Stabilität und wehren sich gegen Veränderungen. Diesen Zwiespalt wollten wir thematisieren.»

Das Künstlertrio stellt die Besucherinnen und Besucher der Galerie am Fluss in Ennetbaden mit seinem Werk «Tracks of Life» vor fundamentale Lebensfragen. Welcher Weg führt zum Ziel? Wie behalte ich den Überblick? Ralph Wiedemeier spürt diesen Fragen mit Hilfe eines selbst entworfenen Licht-Instruments nach. Ein Computerprogramm, das wie ein Musikinstrument gespielt werden kann, findet eigene Wege auf den verschlungenen Bildpfaden.

«Meine Algorithmen suchen nach verborgenen Mustern und bringen diese zum Leuchten. Die Muster sind flüchtig und ändern sich ständig, so wie die Lebensreise jedes Menschen auch. Jeder Augenblick ist einzigartig und nicht wiederholbar», sagt Wiedemeier, der auch die Musik für seine Licht-Klang-Reise geschrieben hat.

Animationen mit magischem Effekt

Kalt lassen die Live-Performances auf den landkartenartigen Gebilden keinen. Roger Fehlbaum projiziert mit Hilfe von Projection Mapping dreidimensionale Animationen millimetergenau auf den Bilduntergrund. Der Effekt ist magisch. «Die realen, exakten Linien lösen sich auf, neue Wege und Verbindungen formen sich», so Fehlbaum. Ein Symbol für Lebensentwürfe, die trotz aller Planung nicht realisierbar sind und eine Neuorientierung erfordern. «Gerade diese Phasen des vermeintlichen Scheiterns haben mich persönlich weiter gebracht, als ich es je zu denken gewagt habe», meint Roman Hofer dazu.

Neben der Live-Licht- und Klangperformance gibt es QR-Codes, die per Handy abgerufen werden können und musikalische Improvisationen auslösen, zu denen sich verschiedene Komponisten aufgrund der Bildwelten spontan inspirieren liessen.

Ausstellung und Performance «Tracks of life» in der Galerie am Fluss, Limmatauweg 18d, Ennetbaden, nur noch am 7., 8. und 9. Oktober, jeweils um 19 Uhr.

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