Baden
Badener Altstadt diente als Kulisse für Kurzspielfilm – Premiere am Donnerstag

Der Kurzspielfilm «Adagio for strings» ist in der Badener Altstadt gedreht worden und wird jetzt im Wettinger Kino Orient uraufgeführt. Regisseur Dieter Koller kennt die Badener Altstadt noch nicht lange, findet sie aber eine «traumhafte Kulisse».

David Egger
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Die Dreharbeiten zum Kurzspielfilm «Adagio for strings» fanden in der Altstadt Baden statt.
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Dreh des Kurzspielfilm «Adagio for strings» in der Badener Altstadt
Mit Akkordeon und Geige spielen der obdachlose Rolf (gespielt von Hans-Peter Ulli) und Eva Rohrer (Marion Meier) zusammen Musik – es entsteht so eine intensive Freundschaft.
Die beiden Obdachlosen Crazy und Funny sind weitere Figuren im 30-minütigen Kurzspielfilm «Adagio for strings».
Regisseur Dieter Koller wohnt in Neuenhof, drehte in der Badener Altstadt den Kurzspielfilm «Adagio for strings» und feiert jetzt die Uraufführung des Films in Wettingen.
Als einer der Drehorte spielt die Pension zur Meise im Film «Adagio for strings» eine wichtige Rolle.
«Adagio for strings» spielt in der Badener Altstadt. Regisseur Dieter Koller findet sie eine «traumhafte Kulisse».
«Adagio for strings» spielt in der Badener Altstadt. Regisseur Dieter Koller findet sie eine «traumhafte Kulisse».

Die Dreharbeiten zum Kurzspielfilm «Adagio for strings» fanden in der Altstadt Baden statt.

zvg

Die junge Eva Rohrer ist schwanger. Ihr Mann ignoriert dies partout – er führt eine eigene Pension, hat keine Zeit für eine Familie. «Er ist nicht böse, aber aus hartem Holz geschnitzt», beschreibt ihn der Regisseur Dieter Koller aus Neuenhof.

Am Donnerstag feiert Koller die Premiere seines 30-minütigen Films «Adagio for strings», der in der Badener Altstadt gedreht wurde. Es ist bereits das neunte Werk des 48-Jährigen. 25 000 Franken hat er für den Kurzspielfilm aufgewendet.

Die werdende Mutter Eva (gespielt von Marion Meier) trifft den alten obdachlosen Rolf (Hans-Peter Ulli), der seine Zeit in den Gassen der Altstadt damit verbringt, auf seinem Akkordeon die Lieder zu spielen, die sich die Passanten wünschen.

Eva wünscht sich den traurigen Klassiker «Adagio for strings» aus dem Jahre 1938. Es ist der Beginn einer intensiven Freundschaft. Eva lernt dabei auch Rolfs Weggefährten Crazy (Oskar-Paul Schneider) und Funny (Didier Karl) kennen.

Eva nimmt ihre Geige und musiziert bald schon mit Rolf. Sie verbringt immer mehr Zeit auf der Strasse. «Menschen ändern dich, egal welche», fasst Dieter Koller das Leitmotiv seines Films zusammen. Rolf, der einst selbst seine Familie verliess, will dem jungen Paar helfen. Schafft er es, eine Änderung herbeizuführen? Oder bleibt er der Obdachlose, der nicht nur sein Leben vergeigt?

Es regnete, als Koller es wünschte

«Schon beim Schreiben der Geschichte hatte ich ein gutes Bauchgefühl», sagt Koller. Dieses bestätigte sich schnell, schliesslich konnte er mit Hans-Peter Ulli seinen Lieblingsschauspieler verpflichten.

Ulli ist bekannt aus dem Fernsehen, spielte zum Beispiel bei «Fascht e Familie» und «Lüthi & Blanc» mit. Er sagte Koller zu, als er noch nicht mal das Drehbuch kannte. «Ulli war gerade in Baden, als er meine Anfrage per SMS erhielt – das war ein Zeichen», erzählt Koller.

Die Hauptdarstellerin Marion Meier spielte bis jetzt ausschliesslich auf Theaterbühnen. «Ich bin stolz auf diese Entdeckung», so Koller, der auch bezüglich des Wetters eine Vorahnung hatte. Für die Aufnahmen im Oktober 2012 brauchte er mindestens einen Regentag. Der Wunsch erfüllte sich.

Der schönste Moment des Projekts

«Adagio for strings» spielt im Herbst. «Es ist die passende Jahreszeit für diese traurige Geschichte», sagt Koller. Das Drehbuch zur Geschichte hat er schon vor vier Jahren geschrieben. Im April 2012 begann er mit den Schauspielern die Figuren zu entwickeln, laut Koller «der schönste Moment des ganzen Projekts». Für die Figurenentwicklung brauche es Menschenkenntnis, Beobachtungsgabe und viel Fantasie. Koller sagt: «Eine Figur im Film ist dann spannend, wenn sie sich wandelt oder etwas zu verlieren und damit eine Fallhöhe hat.»

Kollers 15-köpfiges Team drehte den Film in Baden. Der Spielplatz Graben, die obere und die untere Halde sowie verschiedene Gassen fungierten als Drehort. Koller kennt die Altstadt noch nicht lange, entdeckte sie im Winter 2012 zufällig: «Ich habe nur noch gestaunt. Die Badener Altstadt ist eine traumhafte Kulisse.»

Der 48-jährige Koller arbeitet bei einem grossen Konzern für Küchengeräte, ist dort für den Einkauf und die Grosskunden zuständig. Schon als Jugendlicher brachte er sich mit der Super-8-Kamera das Filmen bei.

Mittlerweile bildete er sich an Drehbuchseminaren weiter. Seinen ersten Film veröffentlichte er 1993. Vier Jahre später gewann er mit «Geschoss E» gleich mehrere Preise, darunter die «silberne Diana» im österreichischen Kärnten.

Koller ist in Münsingen im Kanton Bern aufgewachsen. Seit er in Zürich arbeitet, kam er der Stadt Baden immer näher. Nach Zürich, Dietikon, Spreitenbach und Killwangen wohnt er nun seit drei Jahren mit seiner Frau in Neuenhof. «Das Leben hat mich hierher verschlagen», sagt er zufrieden.

An der Premiere von «Adagio for strings» zeigt Koller auch seine früheren Kurzfilme und ist mit seinem ganzen Team vor Ort. Er freut sich schon jetzt auf die Reaktionen und Fragen aus dem Publikum und verspricht einen «bunten Filmmix».

«Adagio for strings» Uraufführung im Kino Orient in Wettingen am Do, 24. April, 19.30 Uhr. Eintritt frei, Kollekte.

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