Baden
Badener Anwältin schützt Opfer von Zwangsheiraten

Immer wieder werden junge Frauen Opfer von Zwangsehen. Dabei haben sie fast keine Chance, Hilfe zu suchen, zeigt eine Dissertation. Die Anwältin Yvonne Meier fordert darin mehr Zufluchtsorte und präventive Massnahmen.

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Yvonne Meier befasst sich mit Zwangsehen

Yvonne Meier befasst sich mit Zwangsehen

Keystone

Yvonne Meier ist Juristin und wird regelmässig mit Zwangsheiraten konfrontiert. Denn immer wieder werden junge Frauen - oft minderjährig - gezwungen, einen Mann zu heiraten.

Das beschränke sich nicht nur auf islamische Familien. «Religiös und geografisch kann man das Phänomen nicht einschränken», sagt sie in einem Interview auf der Internetseite der Universität Zürich.

Die 30-Jährige hat im Sommer 2010 ihre Dissertation zum Thema Zwangsheirat abgelegt. Darin stellt Meier die erzwungene Ehe als Menschenrechtsverletzung dar, welche bekämpft werden muss.

Per e-mail kommunizieren

Meier kommt in ihrer Dissertation unter anderem zum Schluss, dass es in der Schweiz mehr Zwangsheiraten gibt, als angenommen. Trotzdem sei es schwierig das Ausmass abzuschätzen. «Die meisten Ehen werden im Ausland geschlossen und sollen dann anerkannt werden», so sie.

«Oft werden die Fälle erst erkannt, wenn Gewalt und Drohungen sichtbar werden», zitiert «20 Minuten Online» die Anwältin. Ausserdem sei die Angst der Frauen zu gross, um sich zu wehren. «Die Angst ist meistens grösser als die Hoffnung», sagt die Anwältin.

Die Frauen könnten sich nicht per Telefon bei ihr melden, da Telefonrechnungen oft vom Familienhaupt kontrolliert würden. Deshalb würde Meier meist mit den Opfern per e-mail oder Drittpersonen kommunizieren. «Momentan schreibt mir eine junge Frau E-Mails über ihr Handy», so die 30-Jährige.

Rechtliche Grundlage der Zwangsehe

In der Schweiz laufen Bestrebungen, einen Gesetzesartikel gegen Zwangsheirat einzuführen. SP-Nationalrat Boris Banga setzte die Diskussion im Dezember 2004 mit einer Anfrage in Gang: Er wollte die Schweizerische Rechtslage auf die rechtlichen Entwicklungen in Deutschland anknüpfen.

Der Bundesrat sah aber keinen Handlungsbedarf, da die bestehenden Rechtsmittel ausreichen würden. Gemäss Schweizerischem Zivilgesetzbuch kann eine Heirat, die unter ernst zu nehmender Drohung zustande gekommen ist, schon heute als ungültig erklärt werden, hält es das Zivilgesetzbuch fest.

Eine Zwangsheirat kann dann unter Umständen als Nötigung angesehen werden und mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft werden.

Viele Zwangsehen werden jedoch im Ausland eingegangen. Diese Ehen werden anerkannt, wenn sie dort nach dem Heimatrecht geschlossen wurden. Sie ist ungültig, wenn damit eine Ungültigkeitserklärung umgangen werden sollte, die das schweizerische Recht vorsieht.

2008 eröffnete der Bundesrat die Vernehmlassung zu gesetzlichen Massnahmen gegen Zwangsheiraten und beauftragte ein Jahr später das Eidgenössische Justiz und Polizeidepartement eine Botschaft auszuarbeiten.

Die Botschaft wird auf Ende Februar erwartet. (lds)

Spezielle Mädchenhäuser

Meier fordert mehr Hilfe für diese Frauen. «Neben der Krisenintervention ist vor allem auch eine Nachbetreuung von zentraler Bedeutung», sagt sie. Es brauche daher mehr spezielle Mädchenhäuser für Zwangsheiratsopfer. Ein Haus in Zürich würde nicht ausreichen.

Neben Zufluchtsorten sei Prävention in den Schulen ebenso wichtig. «Die Lehrerschaft müsste sensibilisiert werden», findet Yvonne Meier und weist ebenfalls auf die Hilfe von Polizei und Spitälern hin. (lds)

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