Baden
Badener Einbrecher-Ring steht vor dem Bezirksgericht

Das Bezirksgericht Baden macht dem Einbrecher-Ring den Prozess. Vorgeladen sind die fünf mutmasslichen Haupttäter der insgesamt 28 Beschuldigten. Der ehemalige SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer fordert die Ausschaffung der Beschuldigten

Matthias Steimer
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Die fünf vorgeladenen Haupttäter treten am nächsten Dienstag vor das Bezirksgericht Baden. AZ/ARCHIV

Die fünf vorgeladenen Haupttäter treten am nächsten Dienstag vor das Bezirksgericht Baden. AZ/ARCHIV

Das Bezirksgericht Baden macht dem Einbrecher-Ring den Prozess. Vorgeladen sind die fünf mutmasslichen Haupttäter der insgesamt 28 Beschuldigten.

Ab nächsten Dienstag müssen sich die Drahtzieher wegen rund 80 Einbrüchen in der Region Baden verantworten.

Die Staatsanwaltschaft legt ihnen entsprechend gewerbs- und bandenmässigen Diebstahl, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch zur Last.

Die mit 60 Seiten längste Anklageschrift geht an die Adresse von G. J. – ihm werden zahlreiche weitere Delikte vorgeworfen. Unter anderem soll er ein Raubopfer mit einer Pistole bedroht haben. Dieser Vorfall, der nicht mit Komplizen des Einbrecher-Rings stattfand, wird separat verhandelt.

Beschuldigter zeigt Reue

Für die fünf Hauptbeschuldigten des Einbrecher-Rings – alle sind vorbestraft – steht viel auf dem Spiel. Die Staatsanwaltschaft verlangt für die Männer unbedingte Freiheitsstrafen von dreieinhalb bis sechseinhalb Jahren.

Überdies stellt sich die Frage nach Landesverweisen, da sie alle keinen Schweizerpass besitzen. So werden denn auch Versuche unternommen, das Gericht und das Aargauer Migrationsamt milde zu stimmen.

G. J. hat im vorzeitigen Strafvollzug handschriftlich Briefe verfasst, um sich bei den Einbruchsopfern zu entschuldigen.

Der 32-jährige Mazedonier aus Wettingen zeigt Reue: «Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an Sie denke. Ich bereue und schäme mich sehr für mein Verhalten.»

Polemik im Internet

Rechtspolitiker, welche die Ausschaffungsinitiative propagierten, verfolgen den Prozess mit Argusaugen. Der ehemalige SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer berichtet auf seiner Homepage «Sicherheit für alle» über die mutmasslichen Einbrecher.

Er verlangt indirekt deren Ausschaffung und polemisiert: «Werden wir Schweizer dazu verurteilt, die Mitglieder dieser schwerstkriminellen Räuberbande in hiesigen Strafanstalten durchzufüttern, auf dass sie hier danach einen gemütlichen Lebensabend verbringen dürfen?»

Was ist verhältnismässig? Feststeht: Wäre die vom Volk angenommene Ausschaffungsinitiative heute textgemäss umgesetzt, müssten alle Hauptbeschuldigten die Schweiz verlassen, falls ihnen auch nur je ein Einbruch nachgewiesen würde. Unabhängig davon, ob sie in der Schweiz aufgewachsen sind oder nicht.

Noch gilt die bisherige Ausschaffungspraxis, welche die Verhältnismässigkeit berücksichtigt. Der Einbrecher-Ring soll von 2010 bis 2012 rund 80 Einbrüche verübt und dabei die Region um 1,15 Millionen Franken bestohlen haben.

Was das Gericht und das Migrationsamt in diesem Zusammenhang für gerecht und für verhältnismässig erachten, dürfte nebst Politikern insbesondere die vielen Einbruchsopfer interessieren.

Deren Sicherheitsgefühl wurde massiv erschüttert; vor allem deshalb, weil vier der fünf Angeklagten in der Region wohnen und mitunter beim Nachbarn eingebrochen sein sollen.

Der Prozess dauert voraussichtlich zwei Tage. Wann die Urteile gesprochen werden, ist noch unbekannt. Es gilt die Unschuldsvermutung.

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