Baden
Badener Elternbildungstag zeigt: Erziehung ist ein Drahtseilakt

Über 500 Personen haben am Wochenende am 6. Elternbildungstag Region Baden in der Kanti teilgenommen. Das Referat von Margit Stamm und die Kurse kamen bei den Eltern gut an.

Carolin Frei
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Das Interesse an den Flyer, Broschüren und Bücher, die an verschiedenen Ständen auflagen, war gross. Carolin Frei

Das Interesse an den Flyer, Broschüren und Bücher, die an verschiedenen Ständen auflagen, war gross. Carolin Frei

«Alle Kurse sind ausgebucht, 14 von ihnen schon nach einer halben Stunde», sagt Michaela Bolliger vom OK. Gewisse Kurse habe man wegen grosser Nachfrage sogar bis zu dreimal durchgeführt. Gerade junge Eltern schätzten es sehr, ans Grundthema «Beziehung und Erziehung» herangeführt zu werden. Das Angebot an Kursen zum Thema Vorpubertät und Pubertät habe man für den 6. Elternbildungstag ausgebaut. Und man schätze sich glücklich, in der Person von Margrit Stamm eine Referentin gefunden zu haben, die eine Kapazität in Erziehungsfragen sei.

Eine neue Dimension im Leben

Pascale Bruderer erzählte bei ihrer Begrüssungsrede am Samstagmorgen von ihrer kleinen Tochter und der neuen Dimension im Leben, die ihr mit der Geburt von Juliana geschenkt wurde. «Eine neue Dimension braucht auch eine neue Orientierung», sagte Bruderer. Und genau diese Orientierung decke der Elternbildungstag ab.

Das anschliessende Referat von Margit Stamm, Professorin für Psychologie und Soziologie sowie Professorin für Erziehungsfragen an der Uni Fribourg, griff das Thema «Erziehungsfehler, Ursachen, Folgen und Auswege» auf. «Mein Mann und ich haben bei der Erziehung unserer beiden Kinder viele Fehler gemacht», erklärte sie gleich zu Beginn. Erziehung sei ein Drahtseilakt, der häufig gelinge, manchmal auch nicht. Kinder wollen Eltern, die Vorgaben machen.

Und sie wollen Regeln, die sie dann übertreten können. «Das sage ich aus tiefster Überzeugung», sagte sie. Wichtig hierbei sei, dass diese Regeln in friedlicher Stimmung am Familientisch ausgehandelt würden. Zum Thema Strafe meinte Stamm, dass eine gerechte Strafe Respekt und nicht Angst auslösen solle. Und sie solle sowohl körperlich als auch seelisch gewaltfrei und realistisch sein.

Überbehütung

Ein weiterer Punkt war die Überbehütung. Damit schade man dem Kind, weil man ihm die Möglichkeit nimmt, eigene Erfahrungen zu machen, sich zu entwickeln. Auch die hohe Bildungserwartung, die man an Kinder stelle, wurde thematisiert. Für Stamm ist Frühförderung nur sinnvoll, wenn es den Bedürfnissen der Kinder entspricht. Hingegen findet sie eine «Vermessung des Kindes» problematisch. Die Defizite würden dabei überbetont und die Stärken gingen unter. Sie ermunterte die Zuhörer, in den eigenen Spiegel zu schauen und sich zu fragen, ob man das Kind so sehe, wie es ist, oder wie man es gerne sehen würde.

Fazit: Kinder würden Eltern schätzen, die einen autoritativen Erziehungsstil pflegten, der eine Kombination von Liebe und Wärme und klaren Regeln darstelle. Eine kleine Umfrage unter den Teilnehmern zeigte, dass sowohl das Referat und die Kurse als auch der Austausch gut ankamen.