Gut zweieinhalb Jahre haben Wissenschafter der Badener High-Tech-Firma Dectris AG die dritte Generation ihrer Pilatus-Kamera entwickelt. 15 Mannjahre würden dahinterstecken, sagt CEO Christian Brönnimann. Unlängst sind die ersten dieser weltweit schnellsten Röntgenkameras an zwei Messplätzen der grössten britischen Forschungsanstalt Diamond Light Source (DLS) installiert und anlässlich eines kleinen Festakts eingeweiht worden.

Die Geräte sind in Baden entwickelt und produziert worden. «Die Pilatus3 6M-Kameras ermöglichen eine Auflösung von 6 Millionen Pixel», beschreibt Dectris-Chef Brönnimann die neue Generation der Röntgenkameras, bei einer Steigerung von 10 auf 100 Bildern pro Sekunde. Die schnell gemessenen Daten sind ausserdem von höchster Qualität, was für Pharmaforscher und Strukturbiologen sehr wichtig sei. «Die weiter verbesserten und hocheffizienten Pilatus3-Messgeräte ermöglichen neue Messmethoden, dank denen in der Spitzenforschung wertvolle Erkenntnisse gewonnen werden», schildert Brönnimann die Bedeutung des neuen Produktes aus dem Hause Dectris.

«Durch die Bestrahlung mit hochintensivem Röntgenlicht lässt sich der räumliche Aufbau von neuen Materialien und die räumliche Struktur von Proteinen (Biomolekülen) mit atomarer Auflösung bestimmen», erklärt Brönnimann den Vorgang. Dies geschehe dadurch, dass die von den Materialien gestreute Strahlung mittels hochempfindlicher Kameras sehr genau gemessen werde. Das Prinzip ist ähnlich wie bei einer medizinischen Röntgenaufnahme, allerdings werden viel mehr Bilder aufgenommen, die dann mittels Computerprogrammen von Wissenschaftern ausgewertet werden müssen.

Wie Brönnimann an einem Beispiel erklärt, ermögliche es die Pilatus3-Generation, den Aufbau von Viren noch besser zu erkennen und bei der Entwicklung von Impfstoffen deren verbesserte Wirkung genauer zu untersuchen und weiterzuentwickeln. Am britischen Forschungszentrum DLS wurde bereits der Impfstoff gegen die Maul- und Klauenseuche dank den hochleistungsfähigen Röntgenkameras aus Baden entscheidend verbessert. Nun sei eine weitere Optimierung möglich, indem noch mehr Bilder in noch besserer Qualität von den empfindlichen Viruspartikeln aufgenommen werden könnten.

Um dem Laien die Dimension der Leistung einer solchen Kamera verständlich zu machen, zieht Brönnimann den Vergleich zu einem Röntgenapparat in einer Arztpraxis: «Das wäre, wie wenn ein Bild, das bei Kerzenlicht mit einer alten Filmkamera aufgenommen wurde, mit einem Film verglichen würde, der mit digitaler Kamera bei grellem Scheinwerferlicht gedreht wurde.»

Die Dectris AG entwickelt und produziert derzeit vorwiegend für den Wissenschaftsmarkt, für Grossforschungsanlagen – ein Nischenmarkt, auf dem die Badener Firma zurzeit weltweit die Nase vorne hat. Eine Pilatus3 6M bedeutet für ein Forschungsinstitut eine Investition in der Grössenordnung von 1,5 Millionen Franken. «Der Wissenschaftsmarkt ist jedoch begrenzt», relativiert Brönnimann. Zurzeit beliefere Dectris zu 75 Prozent diesen Markt; etwa 25 Prozent würden in die Industrie gehen. Diesen Anteil wolle man steigern, äussert sich Brönnimann zur Geschäftsstrategie. In der Industrie werden solche Röntgenkameras zu Forschungszwecken, aber auch zur Qualitätskontrolle eingesetzt in der Halbleiter- oder Pharmaproduktion und Ähnlichem.

In diesem Marktbereich sei die Konkurrenz allerdings sehr gross. Brönnimann sieht in erster Linie darin die grosse Herausforderung für die Dectris AG. «Wenn wir im Industriemarkt erfolgreich sein wollen, müssen wir clever produzieren», denn die Arbeitsstunden sind an der Zürcherstrasse in Baden um ein Vielfaches teurer als in Osteuropa oder im Fernen Osten.

Um erfolgreich zu sein, muss die Dectris die Produkte preislich optimieren und grössere Stückzahlen herstellen, denn am Schluss zählt laut Brönnimann nebst Qualität vor allem der Preis. Der seit längerem anhaltend hohe Frankenkurs erschwere das Ganze. Dennoch steckt viel Optimismus bei Unternehmer und Physiker Christian Brönnimann, der in diesen Tagen die Dectris und deren Geräte auf Hawaii an einem internationalen Kongress präsentieren kann.