Ob für Mineral, Cola oder Apfelsaft: Millionen von Plastikflaschen aus Polyethylenterephthalat (PET) werden täglich hergestellt. PET ist der meistbenutzte Kunststoff für Getränkeflaschen aller Art. Landen diese nach Gebrauch statt in einer Recycling-Station in der Umwelt, braucht PET Jahrzehnte, um sich zu zersetzen. Der Kunststoff sammelt sich in den Wirbeln der Ozeane, wo er für die Umwelt und die menschliche Gesundheit eine Gefahr darstellt.

Doch möglicherweise ist nun Rettung in Sicht. Wissenschafter aus Brasilien, England und den USA haben ein plastikfressendes Bakterium so verändert, dass es den Kunststoff in seine Bestandteile zerlegen kann. Am vielversprechenden Ergebnis ist auch das Badener Hightech-Unternehmen Dectris beteiligt: Die 2006 gegründete Firma, die technologieführend im Bereich der Detektion von Röntgenstrahlung ist, hat der Forschungsanlage Diamond Light Source (DLS) in Oxfordshire eine individuell gefertigte Spezial-Kamera geliefert.

Sie ermöglichte dem Forschungsteam, die atomare Struktur des Enzyms zu bestimmen, das PET-Flaschen zerfrisst. «Dank dem Wissen um die Struktur konnten die Forscher die Aktivität des Enzyms erhöhen, sodass es PET viel effektiver abbaut», erklärt Christian Brönnimann, Geschäftsführer von Dectris. Die Wissenschafter wollen nun versuchen, das Enzym zu perfektionieren, damit es in Zukunft zur industriellen Vernichtung von Plastik verwendet werden kann. «Sollte das tatsächlich gelingen, könnte das den Durchbruch bedeuten, etwa bei der Rettung der Weltmeere», sagt Brönnimann.

Zwei Jahre Entwicklungszeit

Dectris hat die Kamera in Zusammenarbeit mit den Wissenschaftern aus England entwickelt. Fast zwei Jahre dauerte es, um das hochkomplexe Projekt zu realisieren. «Es war eine grosse Herausforderung, doch wir sind sehr glücklich, hat alles geklappt.» Drei Meter lang und zwei Meter hoch ist die rund drei Millionen Franken teure Röntgenkamera. «Wir sind stolz, dass unsere Kamera hervorragende Daten liefert», sagt Brönnimann. Forschungsergebnisse wie die Bestimmung des PET-zerfressenden Enzyms würden für Dectris Höhepunkte darstellen. «Damit können wir unseren Mitarbeitern und der Öffentlichkeit zeigen, dass wir mit unseren Detektoren bahnbrechende Forschungsergebnisse ermöglichen.»

Neue Produktfamilie wird lanciert

Jährlich werden an Forschungsanstalten in aller Welt rund 10 000 neue Proteinstrukturen bestimmt – mehr als die Hälfte mithilfe von Dectris-Röntgenkameras. Im August 2016 sorgte Dectris für Aufsehen, als die Firma mit ihrem Röntgendetektoren-Typ «Eiger» Wissenschaftern des Pariser Grundlagenforschungszentrums Institut Pasteur verholfen hatte, die Struktur der Oberflächenproteine des Zika-Virus zu bestimmen. «Für uns sind solche Highlights extrem motivierend und eine grosse Genugtuung für die getane Arbeit.»

Dectris ist derzeit daran, die neue Produktfamilie «Eiger 2» zu lancieren. Dafür führt das Unternehmen Tests an der Grossforschungsanlage (Esrf) in Grenoble durch. «Die Forschungsanlagen entwickeln sich ständig weiter. Unsere Aufgabe ist es, Schritt zu halten und immer genauere und schnellere Detektoren zu entwickeln», sagt Brönnimann. So könne man Forschungsinstituten und Industriekunden auf der ganzen Welt die besten Instrumente zur Verfügung stellen und damit neue und spektakuläre Forschungsergebnisse ermöglichen.