Spätestens seit der emotionalen «No Billag»-Initiative, die vor zwei Wochen an der Urne verworfen wurde, gehört die Billag zu den schweizweit bekanntesten Unternehmen.

Die TV-Gebühren wurden zwar nicht abgeschafft, doch das Unternehmen hat sein Mandat zum Inkasso der Radio- und Fernsehgebühren per Ende dieses Jahres an «Serafe» verloren.

Wie diese Woche bekannt wurde, übernimmt das Badener Callcenter «Callpoint» im Juli das Kundencenter der Billag in Freiburg mit über 110 Mitarbeitern. Ab Mitte bis Ende Jahr werden somit Angestellte der Badener Firma für das Inkasso der TV-Gebühren zuständig sein.

Der Callcenter-Spezialist war bisher auch in Baden nicht allzu bekannt. Durch die Übernahme von Teilen des berühmten Unternehmens hat er nun Aufmerksamkeit von Medien in allen Landesregionen erhalten.

«Unglaublich, für wie viel Resonanz die Übernahme gesorgt hat. Ich war zwei Tage lang fast pausenlos am Telefon», sagt Derek Bollag (52), der «Callpoint» vor zehn Jahren zusammen mit André Blaser gründete und heute als Verwaltungsratspräsident amtet.

Derek Bollag wuchs in Zürich auf und zog vor über zwanzig Jahren nach Baden. «Die positive Stimmung in der Stadt hat mir von Beginn an gefallen. Hier herrscht nicht der typische Aargau-Groove.»

So kam es, dass er seinen neuen Wohnort auch zum Standort seines Unternehmens machte. Seit je befinden sich die Räumlichkeiten von Callpoint im Postgebäude hinter dem Bahnhof, daran wird sich auch während der Umbauarbeiten des Postgebäudes nichts ändern.

Firma beschäftigt 500 Mitarbeiter

«Zu Beginn konzentrierten wir uns auf Outbound-Calls, wir machten Telemarketing und verkauften Probeabos für diverse Medien.» Je länger, desto wichtiger sei die Entgegennahme von Anrufen geworden.

«Heute machen wir rund zwei Drittel unseres Jahresumsatzes von 30 Millionen Franken mit Inbound-Dienstleistungen.» Zu den Kunden zählen Unternehmen aus der Telekom-, Finanz und Versandhandelsbranche, darunter die Post, TCS, Mobility oder Siroop.

2015 kam es zum Zusammenschluss mit dem Zürcher Konkurrenten «Tempobrain», dessen damaliger Geschäftsführer Markus Blaser das Badener Unternehmen heute leitet.

Aktuell beschäftigt «Callpoint» rund 500 Mitarbeiter; neben dem Hauptsitz im Aargau unterhält die Firma auch Callcenter in Basel und Niederwangen bei Bern. Die Angestellten des Berner Callcenters werden künftig auch in Freiburg arbeiten.

«Win-win-Situation»

Die Billag beschäftigt rund 250 Personen. Wie kam es nun zur Übernahme der rund 110 Kundencenter-Mitarbeiter? Derek Bollag erklärt: «Der Markt für mehrsprachige Callcenter-Mitarbeiter ist in der Deutschschweiz gesättigt.

Vor allem ist es schwierig, Leute zu finden, die mehrere Sprachen sowohl mündlich als auch schriftlich perfekt beherrschen.» Viele Billag-Mitarbeiter seien zweisprachig aufgewachsen.»

Es handle sich um eine Win-wn-Situation, sagt Derek Bollag: «Die Angestellten können ihre Arbeitsstelle auch nach Ende des Inkasso-Mandates der Billag behalten, während unsere Firma von hervorragend ausgebildeten Mitarbeitern verstärkt wird.»