Baden
Badener Gewerbepräsident besorgt über Rot-Grün

Robert Sailer, Präsident des Badener Handels- und Gewerbeverbandes, droht in einer internen Mail das Engagement gegenüber der Stadt zu stoppen. Der frisch gewählte Stadtammann Geri Müller nimmt es gelassen.

Erna Lang-Jonsdottir
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Das «Liechterwecke» in Baden wird von der City Com gesponsert und ist einer der beliebtesten Anlässe im Dezember. AZ/Archiv

Das «Liechterwecke» in Baden wird von der City Com gesponsert und ist einer der beliebtesten Anlässe im Dezember. AZ/Archiv

So schnell kann ein frischer Blumenstrauss verwelken: Noch vor wenigen Tagen äusserte sich Michael Wicki, Vorstandsmitglied des Handels- und Gewerbeverbands City Com Baden, zur Wahl von Geri Müller und von Ruth Müri: «Eigentlich habe ich Vertrauen in Geri Müller.» Die links-grüne Mehrheit sei nun in der Pflicht, den Wirtschaftsstandort zu fördern. Doch offenbar ärgert sich Verbandspräsident Robert Sailer grün und rot über das Wahlergebnis.

«Ich bin vom gestrigen Wahlresultat sehr enttäuscht», schreibt Sailer in seiner Mail vom 4. März und betont dabei, dass er darin seine eigene Meinung äussere. Die Mail, die an diverse Verbandsmitglieder gerichtet ist, liegt auch der az vor. Enttäuscht sei er aber nicht von den Politikern, sondern von den Wählern, die offensichtlich mehr Staat und keine Eigeninitiativen mehr wollen. Das habe Konsequenzen für die City Com. «Das Vertrauen in die Regierung ist gestört, die Fronten werden sich verhärten.»

Sailer schlägt dem Vorstand in seiner Mail vor, dass sich die City Com an den neuen Stadtrat wendet und unter anderem folgende bereits bekannten Forderungen stellt: die Öffnung der Schiefen Brücke, mehr und günstigere Parkplätze, höhere Sicherheit gegen Raub und Vandalismus, den Kampf gegen Littering und Bettelei.

«Reagieren sicher nicht so scharf»

Mit diesen Forderungen nicht genug: «Solange diese Anliegen vom neuen rot-grünen Stadtrat nicht ausdrücklich unterstützt und mit konkreten Massnahmen begleitet werden, setzen wir unser Engagement gegenüber der Stadt aus und warten ab, wie sich die politische Situation in Baden entwickelt», steht in der Mail. Von der Engagement-Liste könne zum Beispiel das Sponsoring für das «Liechterwecke», die Entschädigung für den Verkauf von City-Com-Geschenk-Gutscheinen und das Brennholz für die Randständigen gestrichen werden.

Da Sailer für eine Stellungnahme den ganzen Tag unerreichbar blieb, äussert sich Vorstandsmitglied Michael Wicki zur Mail: «Die City Com Baden wird sicher nicht so scharf reagieren.» Man habe ein sehr gutes Einvernehmen mit der Stadt. «Dieses E-Mail war nicht für die Öffentlichkeit gedacht. Es ist ein internes Papier, das bereits im Vorstand besprochen wurde.» Herr Sailer habe nach den Wahlen emotional reagiert und mit der Mail seine Frustration über die fehlende bürgerliche Geschlossenheit bei den Wahlen zum Ausdruck gebracht.

Müller und Müri gelassen

Der neue Stadtammann von Baden, Geri Müller, zeigt sich auf Anfrage der az gelassen. «Solche Angelegenheiten muss man in einem Gespräch lösen.» Ein Ammann könne nicht zaubern und der Stadtrat könne nur ändern, was der Einwohnerrat oder auch die Bevölkerung gutheisse. «Man mutet uns zu viel Macht zu.» Was Sailer betreffe, so kenne er ihn als offenen Menschen. «Auch die Zusammenarbeit des Stadtrats mit den verschiedenen Badener Gruppierungen in Baden funktioniert gut. Angst vor mir habe ich noch nie gespürt.»

Ruth Müri ist überrascht: «Ich habe nach der Wahl von der City Com Baden ein nettes Schreiben mit Gratulationen erhalten.» Sie wolle keine Stellung zu einem Dokument nehmen, das ihr nicht vorliege. «Ich habe mein Amt noch nicht aufgenommen. Dennoch kann ich jetzt schon sagen, dass der Stadtrat immer zu Gesprächen bereit ist.»