Coronavirus

Badener Hoteliers hart getroffen: «Die Gästezahlen sind eingebrochen» – was, wenn sich Home Office durchsetzt?

Lorenz Diebold, «Limmathof»-Direktor: «Wir haben zwar viele Wellnessgäste. Aber ohne Businessgäste wird der Winter hart.»

Lorenz Diebold, «Limmathof»-Direktor: «Wir haben zwar viele Wellnessgäste. Aber ohne Businessgäste wird der Winter hart.»

Rückgang um 60 Prozent: Die Übernachtungszahlen in Badener Hotels sind überdurchschnittlich stark gesunken. Die Geschäftsreisenden fehlen. Was, wenn sich Homeoffice durchsetzt?

Lorenz Diebold, Direktor des «Limmathofs» in Baden, redet nichts schön. «Der Lockdown hat uns voll getroffen. Die Gästezahlen sind eingebrochen.» Komplett weg fielen die Einnahmen von Mitte März bis Juni, als der «Limmathof» ebenso vorübergehend geschlossen war wie das dazugehörige öffentliche Thermalbad «Novum Spa». Seit 7. Juni steht das traditionsreiche Hotel beim Badener Kurplatz wieder offen, und die Gäste sind zurück – aber noch immer nicht so zahlreich, wie in der Vorjahresperiode. «Leider fehlen uns seit Juni im langjährigen Vergleich immer noch rund 50 Prozent der Hotelgäste», sagt Lorenz Diebold.

Der «Limmathof» steht damit zwar wohl besser da als sehr viele andere Stadthotels – dem hauseigenen Thermalbad sei dank. «Wir hatten diesen Sommer erfreulicherweise so viele Wellness-Gäste wie noch nie, und es werden so viele Massagen gebucht wie selten.»

«Businessgäste kommen so schnell nicht wieder»

Aber die Geschäftsreisenden, die in der Stadt Baden mit ihren Grossfirmen wie der ABB, Axpo oder General Electric für den Grossteil der Übernachtungen sorgten, sind noch nicht zurück. «Und sie werden wohl auch nicht so schnell wieder da sein», sagt Diebold. «Es wird ein harter Winter.»

Schweizweit gingen die Übernachtungszahlen um 40 Prozent zurück. Eine Zahl von der Badens Hoteliers nur träumen können. «60 Prozent weniger Gäste als im Vorjahr haben von Januar bis Ende Juni in Badener Hotels übernachtet», sagt Stephanie Kiener, Leiterin Destinationsmanagement bei der Stadt Baden. Die Zahlen zeigten im Januar und Februar noch nach oben, nun sind sie seit März so tief wie nie. Die Interessensgemeinschaft der Hotels Baden und Region (IGH) versucht in Zusammenarbeit mit dem Standortmarketing Gegensteuer zu geben: Unter anderem mit der Social-Media-Kampagne «Baden ist immer eine Übernachtung wert», welche Leisure-Gäste für Baden begeistern soll. Stephanie Kiener: «Der Effekt der Kampagne war immerhin leicht spürbar.» Aber auch Kiener glaubt, dass es noch bis ins nächste Jahr dauern wird, bis die Businesstouristen wieder wie in früherer Zahl in Baden übernachten werden.

Was, wenn sich Homeoffice bei den grossen internationalen Konzernen durchsetzt? Wenn vermehrt auf Geschäftsreisen verzichtet würde? Lorenz Diebold sagt dazu: «Homeoffice hilft uns natürlich nicht. Wir rechnen aber ungefähr ab kommendem Sommer wieder mit einer Zunahme an Businessgästen.» Seine langfristige Hoffnung für den Tourismusstandort Baden: «Ich wünsche mir, wie alle, dass das neue Thermalbad ein Gästemagnet wird. Dass sich neue Geschäftsfelder auftun, nicht nur für die Hotellerie, sondern für ganz Baden.» Wochenlang gekurt wie zu den Glanzzeiten des Bädertourismus vor rund hundert Jahren werde natürlich nicht; «aber wir dürfen schon darauf hoffen, dass es Gäste gibt, die für ein Wochenende oder für ein paar Tage bei uns bleiben.»

Gästezahlen seit 2014 verdoppelt

Der Einbruch kommt mitten in eine Aufschwungphase: Die Gästezahlen in Baden haben sich seit 2014 verdoppelt. Und 2018 wurde ein historischer Rekord geknackt: Die Zahl der Logiernächte betrug 136'000 und damit erstmals wieder mehr als 1986, als der Bädertourismus seine Blüte erlebte.

Das Gästeplus war auf zwei Faktoren zurückzuführen: Erstens das breitere Angebot – neue Hotels wie das Aparthotel in Dättwil kamen hinzu. Und zweitens übernachteten immer mehr Gruppenreisende aus Asien, insbesondere Indien, in Baden. Doch Gäste aus dem Ausland waren dieses Jahr ebenso wie Businessgäste selten in der Stadt anzutreffen.

So hart die Krise Baden auch trifft, die Hotels und ihre Direktionen halten durch. Stephanie Kiener: «Hotel-Schliessungen stehen nicht zur Debatte.»

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