Die Badener Hotels haben im ersten Halbjahr 2014 einen Dämpfer hinnehmen müssen. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl der Logiernächte um 6,5 Prozent, wie Standortmarketingleiter Thomas Lütolf auf Anfrage der az sagt. 33 600 Gäste haben in den ersten sechs Monaten dieses Jahres in den Badener Hotels übernachtet. «Der Gäste-Rückgang ist unerfreulich, insbesondere mit Blick auf Zürich, wo die Logiernachtzahl um 0,7 Prozent anstieg. Überraschend kam die Nachricht des Rückgangs für uns aber nicht», sagt Lütolf.

So sei die Anzahl der statistisch erfassten Badener Hotelbetten gegenüber 2013 um ziemlich genau 6 Prozent gesunken. «Je tiefer das Angebot, desto tiefer die Nachfrage», erklärt Lütolf – und räumt im gleichen Atemzug ein, dass dies allein als Erklärung für den Gästerückgang nicht ausreicht.

Eine schicksalhafte Verbindung präge das Dasein von Badens Hotellerie, führt Thomas Lütolf aus: Die Abhängigkeit von den drei grossen Firmen – also Axpo, ABB und Alstom – sei gross. «Diese Firmen geben den Takt an. Ihre Effizienzsteigerung haben wir im ersten Halbjahr zu spüren bekommen. Rückläufig ist vor allem die Aufenthaltsdauer der Hotelgäste in Baden.» Sie sank in den vergangenen Jahren konstant um 2 Prozent, ein Hotelgast bleibt derzeit im Schnitt noch zwei Nächte in der Stadt, ehe er wieder abreist.

Konstant geblieben ist das Verhältnis zwischen Schweizer und ausländischen Gästen: Knapp jeder dritte Hotelgast stammt aus dem Inland (29 Prozent). Deutsche belegen bei den ausländischen Gästen den ersten Platz, vor Briten, Franzosen und Amerikanern.

Vom Kur- zum Geschäftstourismus

Von einer Abhängigkeit des Geschäftstourismus sprach in Baden vor 25 Jahren noch niemand. Ihre Blütezeit verdankten die Hotels den Kurgästen – 1986 lag die jährliche Logiernachtzahl bei rund 120 000. Der anschliessende Einbruch der Gästezahlen bis 2003 ist ein Abbild des Niedergangs des Kurgasttourismus. «Nachdem der Verenahof geschlossen hatte, brach die Logiernachtzahl innert kurzer Zeit um über 30 000 Personen ein», sagt Lütolf. Seit rund zehn Jahren erhole sich die Nachfrage aber wieder.

Ein weiteres Merkmal des Badener Hoteltourismus: Weil heute die grosse Mehrzahl der Hotelgäste aus geschäftlichen Gründen in die Stadt reist, werden in Baden montags bis mittwochs die meisten Logiernächte gezählt – im Gegensatz zur Zeit des Kurgast-Tourismus, als die Hotels auch am Wochenende gut ausgebucht waren. «Die Stadt lockte dank den Thermalquellen Gäste an, die hier kurten oder ihre Freizeit verbringen wollten.»

Botta-Bad sorgt für Zuversicht

Mittelfristig erwartet Lütolf für Badens Hotellerie eine erfreuliche Zukunft – für Optimismus sorgt das Botta-Thermalbad, das gemäss Schätzungen 400 000 Eintritte pro Jahr generieren soll. «Wir gehen davon aus, dass dank des neuen Thermalbades, zusammen mit der Trafo-Erweiterung, die Logiernachtzahl um rund 20 Prozent steigen könnte», sagt Lütolf.

Bis das Botta-Thermalbad realisiert wird, möchte sich Baden verstärkt als Tagungsgeschäftsort einen Namen machen. «In Zürich verschwindet einige Infrastruktur für Meetings und Business-Events, und wir hoffen, viele Kunden nach Baden locken zu können», sagt Lütolf. Bereits vergangene Woche hat Schweiz Tourismus die Zahlen für das erste Halbjahr 2014 bekannt gegeben. Die Zahl der Logiernächte blieb landesweit stabil (–0,1 Prozent).