20 Jahre ist es her, seit im Kosovo offiziell kein Krieg mehr herrscht. Doch die Stimmung zwischen der kosovo-albanischen und der kosovo-serbischen Bevölkerung ist noch immer angespannt.

Gegenseitige Provokationen, Demonstrationen und Vandalismus stehen an der Tagesordnung. Um den Frieden zu wahren, steht die Swisscoy im Kosovo für die Kfor im Einsatz. Das 40. Kontingent hat Anfang April übernommen und befindet sich jetzt in der Hälfte des Einsatzes.

Unter den 190 Männern und Frauen befindet sich auch ein Badener: Caspar Zimmermann ist Oberstleutnant im Generalstab und stellvertretender Kommandant. Während sechs Monaten wohnt der 38-Jährige in einem Wohncontainer im Camp «Film City» nahe der kosovarischen Hauptstadt Pristina, dem Hauptquartier der Kfor.

Im Container gibt es ein Bett, ein Pult, einen kleinen Schrank und den mitgebrachten Laptop. Und zum Glück eine Klimaanlage. Denn seit Wochen herrschen in Pristina konstant über 30 Grad. Es sind die kleinen Annehmlichkeiten im Leben eines Schweizer Armeeangehörigen, der freiwillig ein halbes Jahr lang im Ausland im Einsatz steht.

«Arbeit ist sehr vielfältig und spannend»

Durch den Oberst im Generalstab Xaver Sailer wurde der Badener auf den Einsatz im Kosovo aufmerksam. «Per Zufall war Sailer während meiner gesamten Karriere bei der Armee immer wieder mein Vorgesetzter», sagt Zimmermann. «Wir sind aber nicht nur Dienstkameraden, sondern auch Freunde.» Das sei von Vorteil, denn vor allem bei solchen Einsätzen sei es wichtig, dass der Kommandant und sein Stellvertreter harmonieren. «Wir ticken gleich. Er weiss, dass er sich auf mich verlassen kann, und ich weiss, dass ich in seiner Abwesenheit Entscheidungen treffen kann.»

Zimmermann arbeitet beruflich in der Kommunikation für die Schweizer Armee. Der Einsatz im Kosovo ist folglich ein Tapetenwechsel, eine «einmalige Gelegenheit», wie der Badener sagt. Nach dem dreimonatigen Ausbildungskurs in Stans-Oberdorf ging es für Zimmermann im April nach Pristina.

Vergangene Woche war die Mitte des 40. Kontingents erreicht, also die Hälfte des Einsatzes. «Die letzten paar Wochen gingen wahnsinnig schnell vorbei», sagt Zimmermann. «Die Arbeit ist sehr vielfältig und spannend. Ausserdem sind wir ein lässiges Team und es herrscht eine gute Stimmung.»

Als Stabschef erteilt Zimmermann diverse Aufträge, führt Rapports und hält die Übersicht über die laufenden Projekte. «Unsere Leute kommen mit ihren Sorgen und Problemen zu mir», sagt Zimmermann. Auch mit den anderen Nationen, die die Kfor vertreten, ist Zimmermann in ständigem Kontakt. Doch wie ist das Leben so im Kosovo?

Einsatz der Schweizer wird von allen geschätzt

«Es ist nicht gerade ein Krisengebiet. Aber es besteht eine latente Unsicherheit», erzählt Zimmermann. Vor allem im Norden herrscht seit der Unabhängigkeitserklärung des Kosovos von Serbien eine angespannte Stimmung.

Mit beiden Seiten steht die Swisscoy in ständigem Austausch, vermittelt und macht sich ein Gesamtbild der Stimmungslage. «Unsere Schweizer Uniform ist dabei Gold wert», sagt der Stabschef. Viele Kosovaren hätten persönliche Beziehungen zur Schweiz, einige sprächen sogar Deutsch. «Unsere Neutralität ist der Bevölkerung bekannt. Es gibt Momente, in denen nur wir mit den Menschen reden können.»

Jeder Schritt ausserhalb des Camps wird verfolgt

Auch die anderen Nationen schätzen den Einsatz der Schweiz: «Vor allem, dass wir immer pünktlich sind.» So positiv wie die Reaktionen sind, sind auch die Erlebnisse. Doch der Konflikt ist stets präsent. Und Gefahren lauern überall: Im Mai geriet ein Schweizer Team in einen Schusswechsel zwischen Kriminellen und der kosovarischen Polizei.

Für die Schweizer ging der Vorfall glimpflich aus, allen geht es gut. «Im Hauptquartier vergisst man schnell, was da draussen vor sich geht», sagt Zimmermann. Und doch ist jedes Mitglied zum Selbstschutz bewaffnet, jeder Schritt ausserhalb des Camps wird verfolgt.

«Ich habe trotzdem noch keinen einzigen Tag bereut», sagt Zimmermann. «Die Zeit fliegt, bald ist das Abenteuer vorbei.» Er werde seine Kollegen zwar vermissen, die ihm während des Einsatzes beinahe ein Familienersatz geworden sind.

Aber seine Heimatstadt Baden fehle ihm schon auch: «Ich freue mich darauf, an den Hallwilersee und ans Open-Air-Kino zu gehen.» Dann lacht er: «Und natürlich auf ein Müllerbräu.»