Manchmal ist Armin P. Barth beinahe selber überrascht, dass aus ihm ein Mathematiker geworden ist. «Mich interessieren so viele Sachen, ich liebe Geschichte und Theater – als Junge dachte ich immer, ich würde eines Tages ein Schriftsteller», lächelt er fein. Dieses Ziel änderte allerdings auf einen Schlag, als er ans Gymnasium kam und einen grossartigen Mathematiklehrer erhielt. «Der Unterricht bei ihm war sensationell, und mir war sofort klar, dass ich eines Tages auch so ein begeisternder Mathe-Lehrer werden wollte.»

Das ist ihm gelungen, Schülerinnen und Schüler schätzen seinen lebendigen Unterricht, und mit seiner Begeisterung kann er ihnen klarmachen, dass niemand einfach mathematisch unbegabt ist: «Das ist kein Naturgesetz, höchstens ein Vorurteil», ist er überzeugt.

Ebenso wie die hartnäckige Vorstellung, Mädchen seien weniger begabt als Jungen. «Überhaupt nicht», sagt Barth, der aus Wetzikon kommt, entschieden: An der Kantonsschule in Baden unterrichte er seit Jahren genauso viele mathematisch begabte Mädchen wie Jungen. «Es geht darum, die Schüler mit guten, interessanten Fragen anzuregen, statt einfach Formeln zu dozieren», fasst er sein Erfolgsgeheimnis aus 25 Jahren Unterrichtserfahrung zusammen. Da kann es schon sein, dass er ein neues mathematisches Thema mit einer Knacknuss-Frage einführt.

Knobelaufgaben und Knacknüsse

Mit seinen bildhaften Methoden hat der Wetziker inzwischen sogar einen kleinen Fan-Club ausserhalb der Schule gewonnen: Einmal pro Monat erscheint in der Aargauer Zeitung seine mathematische Kolumne «Café Mathe», rund 50 solche Knobelaufgaben hat er inzwischen publiziert. Die besten 30 daraus hat er im soeben erschienenen Buch «Die Rechnung, bitte!» zusammengefasst. Daneben enthält das Buch aber auch Ergänzungen, Vertiefungen und ausführliche Lösungen.

Anfangs, als noch seine Mail-Adresse in der az abgedruckt wurde, überfluteten ihn begeisterte Rätselfreund mit Mails, teilten ihm ihre Lösungsideen mit oder fragten um Tipps. Barth lacht: «Damals verbrachte ich wöchentlich einen Nachmittag damit, diese Mails zu beantworten.» Dieses enorme Echo freut ihn einerseits, andererseits liegt das Beantworten dieser Fanpost inzwischen schlicht zeitlich nicht mehr drin: Nebst seinem 80-Prozent-Pensum als Gymnasiallehrer ist Barth noch 20 Prozent an der ETH Zürich am MINT-Lernzentrum angestellt. Aus diesem Engagement ist auch das Didaktikbuch «Ereignis Unterricht» entstanden, das, so hofft er, auch in künftigen Mathe-Lehrern etwas von seiner Begeisterung entfachen kann.

Daneben hat Barth seinen Bubentraum doch noch verwirklicht: Er schreibt Erzählungen, früher auch Theaterrezensionen für das Kurtheater Baden. Auch seine mathematische Kolumne ist «eigentlich ein grosses Hobby», er kann Arbeit und Freizeit gar nicht so richtig trennen, da beides ineinander überfliesst. Daneben bleibt ihm fast nur noch Zeit für ein wenig Fitnesstraining und viel Lesen.

Doppelbödiges und Verspieltes

Da das Hirn des Mathematikers ständig auf Zahlenempfang steht, kann es ihm auch gut passieren, dass er irgendwo unterwegs eine Idee für ein neues Zahlenrätsel aufschnappt: «Einmal kam mir plötzlich beim Einkaufen der Gedanke, ich könnte die Warencodes für ein Zahlenrätsel benutzen», schmunzelt er.

Zum Konstruieren der Rätsel inklusive einleitender Geschichte braucht er weder Bücher noch andere Unterlagen. «Das passiert alles in meinem Kopf, ich kann eine Kolumne genauso gut am Strand, im Büro oder in einer Skihütte ausarbeiten», erzählt er. Nur für die Grafiken und Zeichnungen benutzt er ein spezielles Computerprogramm.

Soeben hat Armin P. Barth seinen 50.Geburtstag gefeiert. «Das ist eine Zahl, die nicht nur positiv behaftet ist», wie er mit einem Augenzwinkern sagt. Ansonsten misst er aber den Zahlen keine mystische Bedeutung bei, sondern sucht das Doppelbödige, Verspielte darin. Hat er ein Rätsel entwickelt, testet er es auch schon mal an Schülern aus.

Interesse wecken

Wenn es ihm dann gelingt, sie mit seinen prägnanten Fragen zu packen, hat er sein Ziel erreicht. «Natürlich schaffe ich es nicht, alle Schülerinnen und Schüler auf einen Mathe-Fünfer zu bringen», lacht er. «Aber bei den allermeisten schaffe ich es, zumindest das Interesse zu wecken, nur ein paar ganz Hartnäckige finden bis zuletzt überhaupt keinen Spass daran.» Und das ist mehr, als mancher Mathe-Lehrer von sich behaupten kann.

Deshalb sammelt er unermüdlich weiter Zahlenphänomene und verpackt sie in herausfordernde Rätselgeschichten. «Allerdings wird es zunehmend schwieriger und komplexer, noch gute Ideen zu finden – der Anfang war einfacher», gibt Armin P. Barth zu. «Café Mathe» wird deshalb nicht aufhören, aber neuerdings wird es wohl auch für seinen Erfinder zu einer Knacknuss.

Armin P. Barth Die Rechnung, bitte! Orell Füssli, 2012. 167 S., Fr. 29.90.