Philippe Wampfler ist kein blindwütiger Verehrer von sozialen Netzwerken. Es gebe Grenzen, etwa bei der Nutzung von Smartphones im Schulzimmer. So hat der Deutsch- und Philosophielehrer an der Kantonsschule Wettingen gegen den Willen vieler Schüler ein Handyverbot während des Unterrichts erarbeitet, weil viele ständig online waren, etwa auf Facebook.

Es dürfe aber nicht sein, dass Lehrer so tun, als würden soziale Netzwerke nicht existieren, sagt der Badener Wampfler, der sich in den letzten Jahren im Internet als Blogger einen Namen gemacht hat.

«Lehrer sollten erkennen, dass diese sozialen Netzwerke sehr viel mehr als nur ein Zeitvertrieb sein können. Schüler können Facebook und Twitter später im Berufsleben professionell nutzen.» Und richtig eingesetzt können diese Netzwerke auch den Unterricht attraktiver machen.

«Viele Rektoren wissen nicht, dass sich ihre Schule profilieren, dass sie als Vorreiterin für modernen Unterricht gelten könnte, würde der digitalen Welt während Schulstunden mehr Aufmerksamkeit geschenkt.»

Sein Buch «Facebook, Blogs und Wikis in der Schule» enthält pfannenfertige Unterrichtseinheiten. Im Deutschunterricht zum Beispiel könnte man Schüler Blogs verfassen lassen, was das kreative Schreiben fördern könne. Im Fach «Wirtschaft und Recht» wiederum könnte man anhand von Facebook erklären, was Urheberrechte sind.

Sein Buch soll Lehrern die Unsicherheit im Umgang mit Social Media nehmen. «Während die Schüler die Eingeborenen sind, die seit ihrer Geburt mit dem Internet leben, sind die Lehrer im besten Fall Einwanderer in digitale Gefilde.» Dieses scheinbare Defizit der Lehrer dürfe aber nicht zu Gleichgültigkeit führen.

Verlag wurde auf Blog aufmerksam

Wampfler hat in seinem Buch ausserdem Leitfäden für die schulische Öffentlichkeitsarbeit verfasst. «Wenn beispielsweise nach einem Sporttag Fotos auf die Website geladen werden, müssen die Schüler intervenieren und die Publikation eines Bildes verhindern können, falls es ihre Persönlichkeitsrechte verletzt.»

Als gutes Beispiel dafür, wie wichtig und nützlich Social Media sein können, erachtet Wampfler das Zustandekommen seines Buches. Er musste nicht um die Gunst eines Verlages werben – im Gegenteil: Ein Verlag war auf seinen Blog aufmerksam geworden und zeigte Interesse, die Ideen zu drucken. «Meine Social-Media-Präsenz hat dazu geführt, dass ich den Vertrag erhalten habe.»

Weitere Infos: www.phwa.ch/buch.
Veranstaltungen: Hörenfragen, heute um 20 Uhr im Badener Trudelhaus, Buchvorstellung am 26. Juni um 17.15 Uhr in der Cafeteria der Kanti Wettingen.