Baden
Badener Kindergärtler bringen die Stadt ins Schwitzen

In Baden platzen die Kindergärten aus allen Nähten. Rund ein Drittel mehr Kindergärtler sind für das kommende Schuljahr gemeldet. Die Stadt hat nicht mit einer solch starken Zunahme gerechnet. Die Planung sei wegen vieler Zu- und Wegzüge schwierig.

Martin Rupf
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Zu wenig Platz hat es vorab in den Kindergärten der Innenstadt – so auch im Kindergarten Halde. Emanuel Per Freudiger

Zu wenig Platz hat es vorab in den Kindergärten der Innenstadt – so auch im Kindergarten Halde. Emanuel Per Freudiger

«Weiss die Stadt denn nicht, wie viele Kinder in der Stadt wohnen?» Die Mutter, deren Kind ab den Sommerferien den Kindergarten in Baden besuchen soll, kritisiert die Behörden mit deutlichen Worten. «Wie kann man die Entwicklung nur verschlafen? Es kann doch nicht sein, dass dauernd gebaut wird, dabei aber die nötige Infrastruktur für die wachsende Bevölkerung vergessen geht.»

Informationsabend für Eltern

«Wir haben mit dem schönsten Problem zu kämpfen, das wir uns wünschen können», sagte Guido Arnet, Leiter der Stufe Kindergarten/Primarschule der Volksschule Baden. «Es ist schön, dass wir so viele Kinder in Baden haben.» Am Freitag wurden die Eltern der künftigen Kindergärtler über die neue Kindergartenorganisation der Innenstadt und die Suche nach Räumlichkeiten für neue Kindergärten informiert. Vor allem der Vorschlag, man könne am Hirzemätteli aus einem Wohngebäude einen Kindergarten machen, sorgte für kritische Fragen. Für das Gebäude wurde ein Umnutzungsgesuch gestellt, die Einsprachefrist beträgt einen Monat. «Eine Einsprache könnte die Umnutzung stark verzögern», gibt eine Mutter zu bedenken. Tatsächlich könnte der definitive Bescheid bis im August auf sich warten lassen. Falls das Gesuch abgelehnt wird, könnte es sein, dass die Kinder, die in der Allmend wohnen, in der Innenstadt in den Kindergarten gehen. Das sei eine Zumutung, sagte eine besorgte Mutter. «Wir sind zuversichtlich, dass das Gesuch angenommen wird», beruhigte Arnet. Ein weiterer Punkt, der den Eltern Sorgen bereitet, sind die Wege von den Kindergärten zu den Tagesstrukturen. Die Stadt bemühe sich sehr, diese möglichst kurz zu halten, ganz nach dem Motto «kurze Beine - kurze Wege». Auch sonst versuche man, allen Wünschen gerecht zu werden. «Es ist verständlich, dass die Eltern möglichst bald wissen wollen, in welchen Kindergarten ihr Kind kommt», sagt Alexander Grauwiler, Geschäftsleiter der Volksschule. «Wir wissen, dass wir eher spät dran sind.» Die Eltern wussten die Bemühungen der Stadt zu schätzen. «Alle Fragen sind nun geklärt und ich habe gemerkt, dass sich die Stadt wirklich bemüht, gute Lösungen zu finden», sagte ein Vater. (era)

Die betroffene Mutter ärgert sich auch, dass die Stadt die Eltern erst so kurz vor den Sommerferien orientiert. «Viele Eltern haben ihr Kind bereits für einen Kinderhort oder Mittagstisch im Quartier angemeldet. Nun wüssten sie nicht, ob ihr Kind überhaupt im gleichen Quartier in den Kindergarten gehen werde. «Die ganze Kindergartenplanung kommt einer einzigen Baustelle gleich.»

Alex Grauwiler, Geschäftsleiter Volksschule, bestätigt, dass die Stadt von der Entwicklung überrascht beziehungsweise auf dem falschen Fuss erwischt worden sei. Betroffen seien die vier Innenstadt-Kindergartenstandorte Allmend, Klösterli, St. Ursus (Martinsbergquartier) und Halde. «Wir haben für das Schuljahr 2014/2015 rund 30 Prozent mehr Anmeldungen verzeichnet», sagt Grauwiler.

Konkret: Zurzeit gehen 92 Kindergärtler in die Innenstadt-Kindergärten, ab August werden es knapp 130 Kinder sein. «Worauf diese grosse Zunahme zurückzuführen ist, wissen wir nicht genau», so Grauwiler. «Am neu in Kraft getretenen Kindergartenobligatorium kann es nicht liegen.» Denn auch ohne Obligatorium hätten die meisten Eltern ihre Kinder in den Kindergarten geschickt.

Wie aber kann es sein, dass die Stadt derart überrascht wird, wo doch die aktuellen Einwohnerzahlen bekannt sind? «Die Zahlen der Einwohnerkontrolle haben die starke Zunahme der Kindergärtler nicht erahnen lassen. Das Ganze ist eine ziemlich komplexe Angelegenheit», sagt Alex Grauwiler. So gebe es in der Stadt Baden sehr viele Bewegungen – also Zu- und Wegzüge. «Kommt hinzu, dass einige Eltern ihre Kinder auch auswärts oder in private Kindergärten schicken.

Manche Eltern melden sich gar nicht bei uns und wir müssen einzeln nachhaken. Die definitive Zahl der Kindergarten-Anmeldungen liegt uns somit jeweils erst Ende März vor.» Das sei auch der Grund, weshalb die Eltern nun erst jetzt orientiert werden konnten. Grauwiler gibt sich aber auch selbstkritisch: «Wir müssen sicher über die Bücher.»

Die zuständige Stadträtin Ruth Müri – sie hat das Ressort Bildung Anfang April von Stadtammann Geri Müller übernommen – wehrt sich gegen den Vorwurf, die Stadt habe die Entwicklung verschlafen. «Prognosen gingen von einem deutlichen Wachstum erst auf das Schuljahr 2014/2015 aus.»

Dass sich die starke Zunahme bereits jetzt bemerkbar mache, sei in der Tat sehr überraschend gekommen. Müri gibt zu bedenken, dass die Kindergartenplanung einiges komplexer sei als die Schulplanung. «Schulklassen können einfacher aufgeteilt oder zusammengelegt werden als die Abteilungen in den dezentralen Kindergärten.» Müri verspricht: «So weit der Bedarf an Kindergartenplätzen planbar ist, werden wir bestimmt unsere Lehren ziehen.» So sei etwa eine frühere Anmeldefrist denkbar, um einen längeren Planungshorizont zu erhalten.

Immerhin kann Alex Grauwiler mit Blick in die Zukunft Entwarnung geben. Konkret: Um die Kindergärtler der Kindergärten Halde und Klösterli aufteilen zu können, sei schon seit längerem ein Provisorium auf der Ländli-Spielwiese bereitgestellt. Auch für den Kindergarten St. Ursus habe man einen idealen zweiten Standort gefunden, der nahe beim bestehenden liege. «Das ist wichtig, denn die Eltern wollen ihre Kinder in ihrem Wohnquartier in den Kindergarten schicken.»

Nun gehe es noch darum, bis Mitte Juni auch in der Allmend einen guten zweiten Standort zu finden. «Es zeichnet sich eine Lösung ab; wenn alles nach Plan läuft, können wir auf der Allmend sogar gleich auch noch Tagesstrukturen errichten.» Grauwiler: Für alle zusätzlichen Standorte habe man bereits das nötige Personal rekrutiert. Ruth Müri betont, dass dank den Provisorien nun genügend Zeit bleibe, definitive Lösungen für die Zukunft zu finden. Denn eines ist klar: Die Zahl der Kindergärtler wird in Zukunft eher steigen, denn sinken.

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