«An einem heissen Juliabend, zwei Monate nach Kriegsende, trafen sich im Bogen des Stadtturms von Baden fünf junge Menschen: Max Mittler, Werner Lienhard, Alfred Bruggmann, Fritz Sidler und Ellen Niesz. Ihre Fahrräder schiebend, schlenderten sie ins Café Burger, wo einer Idee Gestalt gegeben wurde: Die Badener Maske als Antwort auf das brachliegende Theaterleben der Stadt . . . Am 7. November 1945, in einem Stübchen des Restaurants Gambrinus, wurden die ersten Satzungen zur Gründung des Vereins gesprochen.» So steht es in der Festschrift zum 50-Jahr-Jubiläum der Badener Maske geschrieben. Das «Burger» und der «Gambrinus» an der Badstrasse sind längst Geschichte – das eine ist verschwunden, das andere zu McDonald’s mutiert – die Badener Maske aber wird heuer gesund und munter 70 Jahre alt.

Am 1. Juni 1946 hatte die erste Produktion – zwei Einakter von August Kotzebue – Premiere im «romantischen, halb verfallenen «Theater im Park». 1881 im Kurpark errichtet, diente die «Bretterbude» mit ihren fast 400 Sitzplätzen ab 1926 dem Stadttheater St. Gallen als Sommerspielstätte und der Badener Maske für fünf Inszenierungen. Ende 1951 wurde dieses alte Kurtheater abgerissen und durch den Neubau von Lisbeth Sachs ersetzt – das heutige Kurtheater.

Die Geburt des Thespiskarren

Bereits 1947 – es war das Jahr einer grossen Badenfahrt – spielte die Badener Maske erstmals auf einer mobilen Bühne, nachzulesen in der Festschrift von 1995: «Kein einziger Karren lässt sich bei den umliegenden Bauern auftreiben. Alle Gefährte sind entweder bereits für die Badenfahrt reserviert, oder im Ernteeinsatz. Also zimmerte sich die Badener Maske notdürftig einen eigenen Wagen, suchte zwei Pferde, kann am Umzug teilnehmen und ‹Die Eifersucht an allen Ecken› nach Molière spielen. Der Thespiskarren ist geboren, die Truppe hat ihr Markenzeichen gefunden.»

Nach einigen Jahren Spielen auf gemieteten Wagen wurde 1953 ein eigener Karren – «robust und von respektablem Ausmass» – erworben, der 30 Jahre lang treu im Dienste der Bühnenkunst rollte. Als er nicht mehr den Verkehrsvorschriften zu genügen vermochte, wurde er von einem Zwei-Achs-Anhänger mit Gummifederung und Auflaufbremsen ersetzt, der heute noch als Thespiskarren im Einsatz ist. Mit ihm zieht die Truppe jeweils durch die Region und darüber hinaus und spielt rund ein Dutzend Vorstellungen.

Prominenz und Ehre

1951 hatte die Badener Maske es geschafft, den grossen Will Quadflieg für einen Rezitations-Abend in die Sebastianskapelle zu gewinnen. Vier Jahre später holte sie einen anderen Profi gar zu sich auf den Thespiskarren: In der Schweizer Erstaufführung von «Ausflug mit Damen» von Friedrich Michael spielte auch ein gewisser Fritz Lichtenhahn mit. Der damals 23-Jährige war später an den grossen Bühnen Deutschlands engagiert und hatte seinen ersten grossen Fernseherfolg als Familienvater Bruno Semmeling im Dreiteiler «Einmal im Leben» von Dieter Wedel.

Am 5. Juni 1971, an ihrem 25-Jahr-Jubiläum, erklomm die Badener Maske mit ihrem Thespiskarren den steilen Anstieg zum Schloss Lenzburg, um einen Anerkennungspreis der Pro Argovia entgegennehmen. «Derart begeisterndes und originelles künstlerisches Schaffen weckt Bewunderung und verdient gefördert zu werden», hiess es in der Begründung.

Ab in den Osten

Zehn Jahre später – Bruno Ehrsam hatte als Regisseur inzwischen den legendären Max Muntwyler abgelöst – begann für die Badener Maske die «Off Broadway»-Epoche: Mit den 14 Produktionen zwischen 1981 und 1995 gastierte die Truppe, bevor die «Saison» in heimischen Gefilden begann, jeweils während der letzten Sommerferienwoche in der Ostschweiz. Gastspielorte waren unter anderem Arbon, Altstätten, Romanshorn, Rorschach, St. Gallen und Winterthur. «Die Bodensee-Tournee ist mehr als nur ein tragik-komisches Trainingslager; sie ist auch Ferienstimmung, Sport, Spass, Badevergnügen, Kulinarik», ist in der 50-Jahr-Jubiläumsschrift zu lesen.

Lachsalven für Anwalt

1983 wurde die Badener Maske «in Anerkennung ihrer humorvoll geprägten und ergötzlichen Vorführungen» mit dem Dutty-Orden der Stadt Baden geehrt. Anlässlich der feierlichen Übergabe im Rahmen der Solennität spielten die Geehrten Ausschnitte aus einer früheren Produktion von Andreas Gryphius’ «Herr Peter Squenz». Ganz besonders der bekannte Rechtsanwalt Peter Voser als Thysbe soll dabei für Lachstürme gesorgt haben.

83 Inszenierungen hat die Truppe in den vergangenen 70 Jahren auf die weltbedeutenden Bretter gezaubert. «Seit Bruno Ehrsam nach 23 Jahren und 21 Inszenierungen zurücktrat, arbeiten wir seit 2000 mit professionellen Regisseuren. Das bedingte, dass wir Sponsoren suchen mussten, die wir erfreulicherweise auch gefunden haben», sagt Vereinspräsidentin Barbara Gebhart, die seit 45 Jahren mit wenigen Ausnahmen in allen Stücken mitspielt, so auch letztes Jahr in Molières «Sganarell». Zum diesjährigen Jubiläum beteiligt sich die Badener Maske an der «KulTour» (siehe Box). «Richtig feiern werden wir dann in fünf Jahren», verrät Gebhart.