Baden
Badener Neujahrsblätter: Das Traditionswerk ist online

Die Badener Neujahrsblätter von 1925–2012 sind digitalisiert worden. Der Gesamtbestand ist für alle Interessierten online und kostenlos abrufbar.

Corinne Rufli
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Die Redaktorinnen der Badener Neujahrsblätter: (v.l.) Ruth Wiederkehr, Beatrice Trummer und Katia Röthlin mit gedruckten Buchausgaben.cru

Die Redaktorinnen der Badener Neujahrsblätter: (v.l.) Ruth Wiederkehr, Beatrice Trummer und Katia Röthlin mit gedruckten Buchausgaben.cru

Corinne Rufli

«Beladen mit über 80 Büchern in Rucksäcken und Rollkoffern sind wir nach Zürich gereist», sagt Ruth Wiederkehr. Das Ziel von Wiederkehr und den beiden anderen Redaktorinnen der Badener Neujahrsblätter, Beatrice Trummer und Katia Röthlin, war die Digitalisierung der traditionsreichen Bücher.

Das ist nun vollbracht: Im Rahmen des Projekts retro.seals.ch, das wissenschaftliche Zeitschriften digitalisiert und über das Internet zugänglich macht, wurde nun auch der gesamte Bestand der Badener Neujahrsblätter digitalisiert.

Wer also nicht im Besitz der alten verstaubten Schunken ist, kann diese neuerdings dennoch bequem und kostenlos im Internet lesen.

In der ersten Ausgabe von 1925 zum Beispiel steht über den Sinn und Zweck der Badener Neujahrsblätter: «Sie möchten von Geschichte, Volkstum und Natur unseres schönen Gefildes an der Limmat erzählen und dadurch mithelfen, Heimatgefühl zu fördern und zu wecken.» Dem ist bis heute nichts hinzuzufügen.

In den ersten Ausgaben finden sich viele Gedichte – ein Geschmack der Zeit, der sich verflüchtigt hat.

Eine witzige Episode zu einem Hintergrundbericht zu den Badener Thermalquellen ist in Band 5 von 1929 nachzulesen: Weil der römische Geschichtsschreiber Tacitus in einem seiner Werke Baden als viel besuchten Badeort erwähnt, lässt das den Autor der Badener Neujahrsblätter Ivo Pfyffer zu folgender Aussage hinreissen: «Der Ruf Badens muss im römischen Reich weit verbreitet gewesen sein; es war offenbar in Italien und Rom der bekannteste aller Orte, die nördlich von den Alpen lagen.» Das erinnert an die «Welt statt Baden», das Motto der letzten Badenfahrt.

Stöbern in den alten Ausgaben lohnt sich also – und bringt neben vielen historischen Details auch einige Momente des Schmunzelns zum Vorschein.

Doch hat das Redaktionsteam nicht Angst, dass durch die Digitalisierung weniger Bücher verkauft werden? «Nein, die Bücher sind Sammlerobjekte, die blättert man gerne durch oder verschenkt sie, sie haben eine andere Funktion als die digitale Ausgabe», sagt Röthlin.

Und Trummer ergänzt: «Die neuste Nummer digitalisieren wir erst ein Jahr später und der Verkauf läuft über die Aktualität.» Die Dokumente können mit einer Stichwortsuche durchsucht werden und seien so für Stadtführer, Badenerinnen, neugierige Journalisten und Forscherinnen aus aller Welt zugänglich.

Die nächste Nummer der Neujahrsblätter hat «Verbrechen und Strafe» als Themenschwerpunkt. Darin werden Justizfälle der Badener Geschichte beleuchtet – wie zum Beispiel die Hexenprozesse.

Den Direktzugang zu den 87 digitalisierten Badener Neujahrsblättern finden sie unter: www.retro.seals.ch

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