Hubers Aufwisch

Badener Politik ist einerlei, ob links oder rechts!

Unser Karikaturist wüsste, wie sich der Wahlkampf und der Wunsch nach langsameren Velos in der Weiten Gasse in Baden kombinieren liessen.

Unser Karikaturist wüsste, wie sich der Wahlkampf und der Wunsch nach langsameren Velos in der Weiten Gasse in Baden kombinieren liessen.

Noch in bester Erinnerung ist die Diskussion um den «Blitzer» an der Gstühl-Kreuzung: Rechts lamentierte man, es gehe einzig darum, die Autofahrer zu schröpfen. Im Gegenzug bekamen die «Blitzer»-Gegner ihr Fett ab, denn die Linke warf ihnen vor, die vierrädrigen Gesetzesbrecher schützen zu wollen. Sofort tönte es retour, was denn mit den zweirädrigen Frevlern sei, die sich ungebüsst jeglicher Verkehrsregeln scheren würden. Szenenwechsel.

Da wünscht sich die rechte Seite für die künftig busfreie Weite Gasse eine Beruhigung beim Zweiradverkehr. Und was folgt? Ein Aufschrei geht durch die Gilde der Velofahrer mit dem Hinweis: Das verlangen ausgerechnet diejenigen, die gegen den Gstühl-Blitzer gewettert haben. Einmal mehr konstatiert man: Politik ist einerlei, ob links oder rechts!

Nichtsdestotrotz zeigt die Realität in der verkehrsfreien Innenstadt, dass das Anliegen, wie es Daniel Glanzmann geschildert hat, seine Berechtigung hat. Die Frei- bzw. Frechheiten, die sich einzelne Velofahrer herausnehmen, gehen zu weit. Doch wie steht es denn heute um den sogenannten Velofahrer? Da gibt es den traditionellen, der mit eigener Muskelkraft das Tempo seines Drahtesels dosieren und den Verhältnissen einer gemischten Zone anpassen kann. Und dort gibt es den modernen «Schwachstromstrampler», dem solches wesentlich schwerer fällt.

Die Lösung läge auf der Hand: Ab sofort keine E-Bikes mehr in gemischten Zonen mit Fussgängern, Fahrverbot für die oft halsbrecherisch gefahrenen E-Bikes mit gelben Kontrollschildern auch auf kombinierten Fuss-/Radwegen. Wenn der Bundesrat in einem Schnellentscheid die Glocken-Pflicht abschaffen kann, dann müsste er jetzt auch das Verkehrsgesetz der zweirädrigen Zeiterscheinung anpassen.    

Wohn- statt Büroturm?

Von der Innenstadt nach Baden Nord: Dass mitten auf dem Industrieareal – dessen ursprünglich angedachte Durchmischung gründlich in die Hosen ging – statt des Bürohochhauses «Ost» der Rendite wegen plötzlich doch ein Wohnhochhaus gebaut werden soll, ist schwer nachvollziehbar. Noch schwerer, dass die Stadt dabei mitzieht. Oder geht es etwa nur um ein Gegengeschäft, damit der Brown-Boveri-Platz mit Parkhaus endlich realisiert werden kann? Freien Boden für Wohnbau gibt es in unmittelbarer Nähe, südlich der Römerstrasse zur Genüge: Die Verenaäcker, wo seit Jahren eine riesige Kiesfläche als Parkplatz dient, der jeweils knapp zur Hälfte besetzt ist. Seit rund 15 Jahren gibt es für diesen Ort konkrete Überbauungspläne des einheimischen Architekturbüros Burkard Meyer Partner.

Wahlen: Ende in Sicht

Der Kandidatur-Narzissmus hat seinen Zenit erreicht. Und ich kenne ausser den Kandidierenden niemanden, der sich nicht auf die Zeit freut, in der man entlang von Strassen und Plätzen die im Fotoshop gelifteten Köpfe auf den Plakaten nicht mehr anschauen muss. Es bleibt die Hoffnung, die Parteigehilfen leisten ganze und schnelle Arbeit.   

Weil sich die inhaltlichen Aussagen auf den Plakaten punkto Banalität und Einfallslosigkeit nur so überbieten, blieben nur zwei Möglichkeiten, um eine richtige Auswahl zu treffen: Entweder man stützt sich Online-Wahlhilfen oder auf die jüngst erfolgte Kür der schönsten Kandidatinnen und Kandidaten, ganz nach dem Motto «Schönheit geht vor».

Unentschlossene dieser Region konnten sich dieser Tage noch von der «Badener Woche» inspirieren lassen: Auf ihrem journalistischen Tiefpunkt wartete diese mit fünf Zeitungsseiten Wahlwerbung für Luzi Stamm und anderthalb Seiten für drei SVP-Frauen auf. Immerhin, so denkt sich der kritische Zeitungsleser: Es waren zwei Kandidatinnen darunter, die in der Schönheitsrangliste ganz vorne rangiert sind.

Weil das frisch angekündigte Bäderfest doch noch zwei Jahre auf sich warten lässt, gerät man darob und vielem anderen – so zum Beispiel auch der Idee, ein Container-Wohnquartier auf den Lägernfelsen zu pflanzen – in Versuchung, nach dem «O’zapft is» am Oktoberfest einiges tüchtig runterzuspülen.

Roman Huber (64) ist ehemaliger Redaktor des Badener Tagblatts. Er pickt in seiner Kolumne aus dem jüngsten Geschehen heraus, was in der Region beschäftigt. 

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